10.11.2009 · Er tritt nach langer Pause auf einem der weltberühmten Plätze des Sandbelts von Melbourne an. Und Tiger Woods schwärmt. Egal ob der Amerikaner gewinnt oder nicht - schon jetzt ist die Dienstreise nach Australien ein voller Erfolg.
Von Wolfgang SchefflerAlte Liebe rostet nicht. Tiger Woods tritt in dieser Woche beim Australian Masters auf dem Platz des Kingston Heath Golf Clubs zum ersten Mal seit elf Jahren wieder auf einem der weltberühmten Plätze des Sandbelts (Sandgürtel) von Melbourne an, einem seiner Vorbilder für den Entwurf eigener Plätze. Als er beim Masters in Augusta vor ein paar Jahren vor seinem ersten Auftrag als Golfplatz-Architekt nach seiner Design-Philosophie gefragt wurde, hatte er geantwortet: „Golf sollte so wie auf den Sandbelt-Courses von Melbourne gespielt werden.“
Die lange Abwesenheit von seinen Lieblingsspielwiesen hat seine alte Begeisterung für die australischen Klassiker sogar noch verstärkt: „Der Platz von Kingston Heath ist einfach phänomenal. Ein solches Bunkering (Lage und Design der Sandhindernisse) findet man sonst nirgends auf der Welt. Kingston Heath ist der Beweise, dass ein Platz nicht 7500 Yards (6858 Meter) lang sein muss, um schwer zu sein.“
Der Platz des exklusiven Kingston Heath Golf Club im Vorort Cheltenham misst für dieses Turnier 6455 Meter - verglichen mit dem Masters in Augusta, wo den Besten der Welt rund vierhundert Meter mehr zugemutet werden, eine moderate Länge. Aber auch wenn die Fairways beinhart sind und dadurch der Ball nach Drives viel weiter rollt als auf amerikanischen Parkland Courses, ist der rund 25 Kilometer vom Melbourner Stadtzentrum gelegene Platz immer noch eine echter Test für die Elite - genau wie vor 74 Jahren.
Es gibt sogar ein Loch ohne einen einzigen Grünbunker
Im Jahre 1925 eröffnet der von Dan Soutar, dem Australian-Open-Champion von 1905, entworfene Platz mit den von dem schottischen Meister-Architekten und Chirurg Dr. Alister Mackenzie gestalteten und plazierten Bunkern, seine Abschläge - damals mit 6312 Yards (5772 Meter) der längste in Australien - bei einem Par von 82. Selbst Mackenzie, der zu jener Zeit in Melbourne weilte, um den Nachbarplatz von Royal Melbourne, der heute in jeder Umfrage zu den zehn besten der Welt gezählt wird, zu entwerfen, schien das des Guten zuviel.
Aber auch wenn heute das Par von Kingston Heath auf 72 reduziert wurde, sind die 18 Löcher ohne ein einziges Wasserhindernis - es gibt sogar ein Loch ohne einen einzigen Grünbunker - der Beweis, dass Klassiker der Golfplatz-Architektur modernen Erfordernissen angepasst werden können - und das gilt auch für die anderen Turnierplätze der insgesamt sieben Sandbelt Courses, neben Kinston Heath noch Royal Melbourne, Metropolitan, Huntingdale, Yarra Yarra, Commonwealth, Victoria und Woodlands - alles Plätze mit pfeilschnellen und harten Grüns, auf denen die Spieler ihre Golfkarren über die Grüns ziehen und sogar darauf parken, auf jedem anderen Platz der Welt eine Todsünde, die zum sofortigen Platzverweis führt.
Neben den Bunkern und den ondulierten Grüns erschweren in Kingston Heath, der in aktuellen Weltbestenliste auf Rang 37 geführt wird, noch alte, stattliche Teebäume das Spiel, so wie am 16. Loch, einem Par 4. An diesem Loch verzog die australische Golflegende Greg Norman bei den Australian Open in den neunziger Jahren seinen Abschlag und hatte nach neun Schlägen an diesem Loch den Turniersieg verspielt.
Seit Wochen sind alle 100.000 Karten für das Turnier vergriffen
Tiger Woods, der am Dienstag vor tausenden Zuschauern eine Proberunde über neun Löcher mit dem Australier Craig Parry spielte, hat bei seinen bisherigen Auftritten „down under“ noch nie gewonnen: 1996 am Ende seiner ersten Profisaison belegte er den achten Platz, ein Jahr später kam er beim Australian Masters in Huntingdale auf den fünften Platz und beim Presidents Cup in Royal Melbourme besiegte er in seinem Einzel zwar Greg Norman, konnte die einzige Niederlage der Amerikaner in diesem dem Ryder Cup nachempfundenen Wettbewerb gegen den Rest der Welt (ohne Europäer) allerdings nicht verhindern. Trotzdem gilt er bei den Buchmachern als haushoher Favorit.
Aber egal, ob Woods am Sonntag gewinnt oder nicht, seine Dienstreise nach Australien kann schon jetzt als Erfolg gelten. Mit drei Millionen Dollar Antrittsgeld hatte die Regierung des Bundesstaates Victoria Woods nach Melbourne gelockt, eine Investition, die sich lohnt. Seit Wochen sind alle 100.000 Karten für die vier Turniertage vergriffen, ein Novum in der Geschichte australischer Golfturniere.
Am Dienstag übertrug das australische Fernsehen sogar mit Hubschraubern Bilder des Superstars beim Üben. Seine Pressekonferenz im Kasino der Stadt wurde live übertragen. Und von Donnerstag bis Sonntag werden Fernsehbilder vom Turnier in alle Welt übertragen - weltweit beste Werbung für Golf in Melbourne machen, eine Botschaft, die durch Tiger Woods Schwärmereien noch verstärkt wird.
Carts auf dem Grün halte ich für ein Gerücht
Thomas Mirbach (lurkius)
- 10.11.2009, 17:56 Uhr