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Schefflers Golf-Kolumne „Double-D“ sucht die Zutaten

16.02.2010 ·  Vor mehr als zehn Jahren hatte David Duval Tiger Woods kurzzeitig von Rang eins der Weltrangliste verdrängt. Inzwischen ist es ruhig um ihn geworden. Am vergangenen Wochenende ließ er mal wieder sein Können aufblitze. Reicht das für ein Comeback?

Von Wolfgang Scheffler
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David Duval hat noch immer Mitch „Fort“ Knox als Caddie an seiner Seite, noch immer verbirgt er seine empfindlichen Augen und seine Gefühle hinter einer Rundum-Sonnenbrille, noch immer trägt er einen Ziegenbart - und doch ist alles anders: „Fort und ich sind geschrumpft, und beide sind wir fetter geworden“, scherzt der mittlerweile 38 Jahre alte Amerikaner. Seine Figur ist rundlicher geworden, aber noch immer kann der Mann, der Tiger Woods 1999 für insgesamt 15 Wochen (29. März bis 4. Juli und 9. bis 15. August) von Platz eins der Weltrangliste verdrängt hatte, grandios Golf spielen.

Aber im Gegensatz zu seinen Glanztagen sind Top-Plazierungen wie der zweite Platz am Sonntag beim AT&T National ProAm in Pebble Beach heute nicht mehr die Regel, sondern die überaus seltene Ausnahme. An 125 Turnieren der amerikanischen PGA Tour hat „Double-D“, wie Tiger Woods - sein Freund und Partner beim Sieg im World Cup 2000 - ihn immer nannte, seit seinem letzten Turniersieg Ende 2001 teilgenommen. Nur zwei Mal - im Vorjahr bei den US Open (ebenfalls als überraschender Zweiter) und am Sonntag in Pebble Beach - landete er unter den Top Ten. Doch die restliche Bilanz ist trostlos: Nur 36 Mal überstand er den Cut, bei 19 Runden benötigte er mehr als 80 Schläge - für einen Profi, zumal für einen Major-Champion, eine katastrophale Bilanz.

Duval ist es längst leid, seine lange Leidenszeit zu erklären. Er will nicht immer wieder davon erzählen, in welch tiefes Loch er fiel, als er endlich 2001 bei den British Open den damals lange überfälligen großen Triumph gefeiert hatte. Er will nicht mehr von seinen vielen Verletzungen (Rücken, Schulter, Handgelenk), von seiner Krankheit Vertigo berichten. Er will nicht mehr darauf hinweisen, dass sich nach seiner Hochzeit mit Susie, der Mutter von drei Kindern, dem Umzug aus seiner Heimatstadt Jacksonville/Florida nach Denver/Colorado und der Geburt zweier gemeinsamer Kinder auch die Prioritäten in seinem Leben geändert haben.

Duval weist lieber darauf hin, dass er besser gespielt habe, als es die Ergebnisse aussagen, dass er wie viele große Champions auf einmal den Ball nicht mehr ins Loch brachte; dass er jetzt seinen fünf Kindern - die ältesten sind bereits Teenager - zeigen will, wie gut er Golf spielen kann.

Angewiesen auf Goodwill

Nur einmal war ihm dies vor Pebble Beach gelungen. Im Vorjahr spielte als er als Nummer 882 der Weltrangliste und als fast schon Vergessener bei den US Open in Bethpage bis kurz vor Schluss um den Sieg mit. Am Ende musste er sich mit zwei Schlägen Rückstand gemeinsam mit Phil Mickelson mit dem zweiten Platz hinter Lucas Glover begnügen. Aber diese großartige Vorstellung läutete nicht etwa sein Comeback ein. In acht Turnieren, die er nach den feuchten Tagen auf Long Island spielte, überstand er nur einmal den Cut. Das Preisgeld von knapp 560.000 Dollar für den zweiten Platz in Bethpage reichte nicht, um sich unter die Top 125 der Geldrangliste der PGA Tour zu schieben und sich damit seinen Arbeitsplatz zu sichern. Als 130. versuchte er sein Glück in der Qualifikation - auch dort scheiterte er.

Damit ergibt sich für Duval eine kuriose Beschäftigungslage. Er ist auf Grund seines zweiten Platzes bei den US Open in diesem Jahr beim Masters (8. bis 11. April), bei den US Open (17. bis 20. Juni) und der PGA Championship (12. bis 15. August) automatisch startberechtigt, bei den British Open (15. bis 18. Juli) darf er als ehemaliger Sieger ohnehin bis zur Vollendung seines 60. Lebensjahres mitspielen. Doch zwischen den vier Saisonhöhepunkten ist er auf Goodwill von Turnierdirektoren und Sponsoren angewiesen. Er muss hoffen, dass alte Meriten und Treue zu Turnieren ihm Einladungen bescheren: „Bis jetzt“, sagt Duval „hat das ja auch geklappt.“

„Alle Zutaten zu finden, ist schwer“

Wenn sich in dieser Woche von Mittwoch bis Sonntag bei der Accenture World Matchplay in Abwesenheit von Tiger Woods (Turnierpause) und Phil Mickelson (Familienurlaub) in Arizona die besten 64 Profis der Welt im Lochspiel messen, muss Duval zuschauen. Immerhin: Nach Pebble Beach ist er in der Weltrangliste von Rang 205 schon auf Rang 104 vorgerückt. In dieser Woche darf er beim schwach besetzten Mayakoba Classic in Mexiko antreten.

Er tut das mit neuem Selbstvertrauen: Denn in Pebble Beach benötigte er erstmals seit der Buick Classic 2001 (Niederlage im Stechen gegen Chris di Marco) in allen vier Runden weniger als 70 Schläge. Noch ein Anzeichen für eine Wende zum Besseren? Duval bleibt vorsichtig: „Das Rezept für gutes Golf ist so vielfältig“, sagt er mit einem Achselzucken „und alle Zutaten zu finden, ist schwer.“

Wolfgang Scheffler widmet sich jeden Dienstag der Welt des Golfs. Alte Texte finden Sie auf der FAZ.NET-Sonderseite „Schefflers Golf-Kolumne”.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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