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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Schefflers Golf-Kolumne Die Last des Riesenpolsters

 ·  Wer mit großem Vorsprung auf die Schlussrunde geht, hat viel zu verlieren. Kyle Stanley musste das erst vergangene Woche schmerzlich erfahren. Sieben Tage später feiert er den größten Triumph seiner Karriere.

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© AFP Der Lohn nach der Zeit des Leidens: Kyle Stanley gewinnt das Turnier in Scottsdale

Niemand weiß besser als der überglücklich Sieger Kyle Stanley wie sich Spencer Levin nach der Schlussrunde der Waste Management Phoenix Open in Scottsdale (Arizona) fühlte – genauso elend wie Stanley vor einer Woche. Sieben Tage nachdem Stanley auf dem letzten Loch der Farmer Insurance Open den sicher geglaubten Sieg leichtfertig verspielte hatte, profitiert er am Sonntag davon, dass diesmal Levin am Schlusstag die Nerven versagten.

Der 27 Jahre alte Golfprofi aus der kalifornischen Hauptstadt Sacramento war mit dem Riesenpolster von sechs Schlägen Vorsprung auf die letzten 18 Löcher gegangen. Mit einer schwachen Schlussrunde von 75 Schlägen öffnete er Tür und Tor für Stanley, der mit einer glanzvollen Runde von 65 Schlägen die Gelegenheit beim Schopfe packte. Er feierte seinen ersten Sieg auf der PGA Tour mit einem Schlag Vorsprung vor seinem amerikanischen Landsmann und Mitspieler Ben Crane - und zwei vor Levin.

Der 24 Jahre alte Golfprofi aus Gig Harbor im Bundesstaat Washington darf dank dieses Erfolges wie alle Sieger der regulären Serie der PGA Tour erstmals beim Masters über Ostern in Augusta antreten. Er kassierte das erste Preisgeld von 1,098 Millionen Dollar (rund 760.000 Euro). “Für mich ist es eine unglaubliche Wende. Ich bin sprachlos. Man geht von einem unheimlichen Tief- zu einem Höhepunkt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so schnell von diesem Tiefschlag erhole“, sagte Stanley.

Sieben Tag vor dem größten Triumph seiner bisher dreijährigen Profilaufbahn hatte Stanley wie Levin einen zum Greifen nahen Turniersieg verspielt. In La Jolla, einem Vorort von San Diego, war Stanley auf dem South Course von Torrey Pines mit fünf Schlägen Vorsprung auf die Schlussrunde gegangen. Als er am 18. Loch abschlug, hatte er immer noch drei Schläge vor seinem ärgsten Verfolger Brandt Snedeker gelegen.

Der Vorsprung schmolz dahin, weil er auf diesem Par-5-Loch seinen dritten Schlag mit einem Sandwedge mit zu viel Backspin (Rückwärtsdrall) ausführte. Der Ball rollte zurück in den Teich vor dem Grün. Zu allem Unglück benötigte er auch noch drei Putts zum Triple-Bogey, eine Todsünde im Profigolf. Auch am zweiten Loch im Stechen gegen seinen amerikanischen Landsmann Snedeker unterlief ihm dieser Fehler auf dem Grün, der ihn endgültig den Sieg kostete. In der anschließenden Pressekonferenz weinte Stanley.

Dass ihm ausgerechnet beim lautesten, schrillsten und bestbesuchten Golfturnier der Welt, das diesmal 513.238 Fans miterlebten, davon die Rekordzahl von 173.210 am Samstag, die Wiedergutmachung gelang, freute viele Fans in der Wüste von Arizona. Denn die ganze Woche hatten sie den unglücklichen Verlierer der Vorwoche mit viel Zuneigung bedacht. Auch viele Kollegen, darunter der Weltranglistenfünfte Steve Stricker und der amerikanischen Ryder-Cup-Kapitän Davis Love III, hatten ihn mit aufmunternden Worten aufgebaut.

„Der Zuspruch der Kollegen, die Unterstützung des Publikums haben mit unheimlich geholfen“, sagte Stanley, der sofort Levin tröstete: „So etwas wünscht man niemand. Aber ein so guter Spieler wie er wird sich davon erholen.“ Die Chance bietet sich dem Kettenraucher Levin, dessen Vater Don in den achtziger Jahren auf der PGA Tour spielte, schon von Donnerstag bis Sonntag.

Während sich Stanley nach der wilden Tal- und Bergfahrt der vergangenen beiden Wochen erst einmal eine Pause gönnt, tritt Levin beim AT&T Pebble Beach National ProAm in Nordkalifornien an. Dort gibt auch Tiger Woods sein diesjähriges Debüt auf der PGA Tour - auch ein Kollege, der vor zwei Wochen in Abu Dhabi am Schlusstag seine Führung nicht ins Ziel brachte.

Wolfgang Scheffler beobachtet die Welt zwischen Rough, Bunker und Grün und schreibt in seiner wöchentlichen Kolumne bei FAZ.NET über Sieger und Verlierer, Kurioses, Lustiges und Skurriles. Alle Texte finden Sie auf der Themenseite „Schefflers Golf-Kolumne”.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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