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Schefflers Golf-Kolumne Das Dilemma der Nation

 ·  Irland oder Großbritannien? Für Olympia müsste sich Golfprofi McIlroy entscheiden - oder er bleibt daheim. Seine Abwesenheit wäre ein herber Schlag für den Sport.

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Das olympische Golfturnier in drei Jahren ohne den besten Golfer der Welt? Der Weltranglistenerste Rory McIlroy deutete vergangene Woche in dem auf BBC gesendeten Dokumentarfilm „Rory - Being Number one“ genau diese Möglichkeit an: „Es ist eine ganz schwere Entscheidung, ob ich für Irland oder Großbritannien antrete - oder ob ich gar nicht spiele, um nicht viele Leute gegen mich aufzubringen. Letzteres ist definitiv eine Option.“

Dass der 23 Jahre alte Nordire, nach Tiger Woods die größte Zugnummer im Golf, auf die Reise nach Rio de Janeiro verzichtet, scheint schwer vorstellbar. Denn der Druck der Sponsoren, die Wert darauf legen, dass ihre Werbeträger auch auf der größten Bühne des Sports auftreten, dürfte alle Zauderer eines Besseren belehren. Auch die Golfverbände dürften Druck auf Olympia-Unwillige ausüben, denn die Abwesenheit von Stars wäre für den Verbleib von Golf im Programm ein herber Schlag. Denn bisher gilt Golf nur bei den nächsten beiden Sommerspielen 2016 und 2020 als gesetzt.

Bei Olympia nur gemeinsam

Aber warum steckt McIlroy überhaupt in diesem Dilemma, sich für ein Team entscheiden zu müssen? Dazu muss man wissen, wie sich der Sport auf der „Grünen Insel“ organisiert, die zwar politisch in zwei Länder geteilt ist, aber dennoch viele Grenzen längst überwunden hat. Mal gibt es wie im Fußball zwei Verbände und zwei Nationalmannschaften, mal treten Iren und Nordiren wie im Rugby und Golf gemeinsam als „Irland“ an, da in diesen Sportarten nur jeweils ein Dachverband für die ganze Insel zuständig ist.

McIlrory hat wie seine nordirischen Kollegen Graeme McDowell und Darren Clarke sowohl als Amateur als auch als Profi nur für Irland gespielt. Beim World Cup of Golf 2009 in Shenzhen marschierten die Nordiren McIlroy und McDowell bei der Eröffnungsfeier sogar hinter der grün-weiß-orangenen Fahne der Republik Irland ein - und das, obwohl bei Turnieren der European Tour bei der Herkunft der Profis penibel zwischen England, Schottland, Wales, Nordirland und Irland unterschieden wird.

McIlroy reist mit einem britischen Pass durch die Welt, er könnte wie alle Nordiren auch ohne weiteres Reisedokumente der Republik Irland erhalten. Denn sowohl Großbritannien als auch Irland gestatten diese doppelte Staatsbürgerschaft. Bei Olympischen Spielen sind sie jedoch gezwungen, sich zu entscheiden. Denn ihre Heimat ist Teil des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland. Im Gegensatz zu Fußball-Weltmeisterschaften dürfen die vier Länder des United Kingdom bei Olympia nur gemeinsam als ein Team antreten. McDowell, der US-Open-Sieger von 2010, hat sich vor einiger Zeit bereits eindeutig zu Irland bekannt: „Im Golf gibt es nur ein Team Irland. Es gibt keinen Süden und keinen Norden. Ich wollte immer den irischen Blazer mit Grün und Gold tragen. Ich wollte immer nur für Irland Golf spielen.“

Zweifelhaftes Angebot

Ob ihm sein bester Kumpel in dieser Hinsicht folgt, steht noch in den Sternen. Aber wie sensibel dieses Thema ist, zeigt der Wirbel für den McIlroy mit einem Interview mit der englischen Zeitung „Daily Mail“ im vergangenen Jahr sorgte. Seine Äußerung, er fühle sich mehr als Brite denn als Ire, war dem „Belfast Telegraph“ die Schlagzeile auf der Titelseite wert. Der „Irish Daily Star“ veröffentlich gar ein Interview mit Holly Sweeney, der früheren Freundin von McIlroy, unter der bemerkenswerten Überschrift: „Ich habe schon immer gewusst, dass Rory Brite ist.“

Solche reißerischen Überschriften kosteten den Katholiken McIlroy viele Sympathien, vor allem im katholischen Süden. McIlroy sah sich deshalb gezwungen, seine Aussage zu präzisieren. In einer Presseerklärung verkündete er: „Ich bin stolzes Produkt des irischen Golf.“ Aber ebenso sei er ein stolzer Nordire, der in Holywood, einem Vorort von Belfast, aufgewachsen ist.

Wann sich McIlroy entscheiden will, ob er in Rio antreten wird, ob er hinter der irischen Fahne oder dem Union Jack in Rio einmarschiert, ließ er in dem BBC-Film offen. Bemühungen, McIlroy ins irische Olympiateam zu locken, sind längst im Gange. Pat Hickey, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees von Irland, bot dem Golfer im vergangenen Jahr an, die irische Fahne bei der Eröffnungsfeier ins Stadion zu tragen. Ob McIlroy sich zu einer so demonstrativen Geste für die Republik Irland überreden lässt und damit die protestantischen Unionisten in Nordirland gegen sich aufbringt, die für einen Verbleib im Königreich streiten, scheint zweifelhaft. Denn nach seinen großen Siegen hüllte er sich meist demonstrativ in die nordirische Fahne.

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