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Schefflers Golf-Kolumne Nur eine Palme im Weg

Die Profigolferin Caroline Masson schafft die Qualifikation für die lukrative amerikanische LPGA Tour. Nur eine Palme verhindert, dass sie als erste deutsche Proette zur Siegerin der europäischen Geldrangliste gekürt wird.

© AFP Vergrößern Gute Aussichten: Das dritte Profijahr war auch das mit Abstand erfolgreichste für Caroline Masson

Caroline Masson kennt in ihrem Beruf nur eine Richtung: Es geht ständig aufwärts. Als sie am 1. Januar 2010 als überragende deutsche Amateurin mit dem Traum-Handicap von +4,8 ins Lager der Profigolferinnen wechselte (übrigens genau die Stammvorgabe, mit der auch Martin Kaymer den Sprung wagte), gewann sie auf Anhieb die Qualifikation für die Ladies European Tour (LET) - und hatte keinerlei Schwierigkeiten, sich in ihrem Job zu etablieren.

27. der Geldrangliste 2010, Ende 2011 war sie trotz einer längeren Verletzungspause bereits auf Rang sieben angekommen, dieses Jahr beendete sie als Nummer zwei in Europa - und nur eine Palme verhinderte beim LET-Saisonfinale Anfang Dezember, dem Dubai Ladies Master, dass sie auf der LET als erste deutsche Proette zur Siegerin der Geldrangliste (“Order of Merit“) gekürt wurde.

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„Das war schon ärgerlich“, sagt Caroline Masson, „ich hatte mir vor Dubai eigentlich wenig Chancen ausgerechnet, die Spanierin Carlota Ciganda noch zu überholen. Aber wenn man dann so nah dran ist, etwas Besonderes zu leisten, dann hat man daran schon eine Weile zu knabbern.“ Nach einem leicht verzogenen Abschlag steckte ihr Ball am 12. Loch hoch in einer Palme am Rande der Spielbahn. Da sie den Ball nicht als ihren identifizieren konnte, galt er nach den Golfregeln als verloren.

Sie musste noch einmal zurück zum Abschlag, kassierte ein Triple-Bogey und fiel vom zweiten auf den dritten Platz zurück. „Dabei hätte schon ein geteilter zweiter Platz gereicht, um Carlota noch zu überholen“, sagt die aus Gladbeck stammende Tochter eines Tennislehrers. Die 20.000 Euro Prämie und die zehnjährige Spielberechtigung für den Gewinn der Order of Merit gingen an den 22-jährigen Tourneuling (Rookie) aus Pamplona.

„Man muss einfach geduldig bleiben“

Aber der Ärger über die verpasste Chance ist längst verraucht. Denn das dritte Profijahr war auch das mit Abstand erfolgreichste. Sie gewann im Juni mit der South African Open ihr erstes Turnier auf der LET - ein lange überfälliges Erfolgserlebnis. „Es hat sich lange so angefühlt, als müsse der Sieg endlich kommen, aber man kann es auch schlecht erzwingen. Man muss einfach geduldig bleiben. Aber es ist war wie eine Last, die von einem abfällt“, sagt Caroline Masson.

Weitere Spitzenresultate auf der LET brachten die laut Weltrangliste (48) nach Sandra Gal (32) zweitbeste deutsche Golferin ihrem großen Ziel näher: einer Teilnahme am Solheim Cup, dem Pendant zum Ryder Cup der Herren. Er wird im August in Parker/ Colorado ausgetragen. „Ich habe mir den Ryder Cup angeschaut und gesehen, wie Martin den entscheidenden Putt lochte. Bei so einem Wettkampf will man unbedingt dabei zu sein, zumal ich immer gern für eine Mannschaft gespielt habe.“

„Dabei hätte schon ein geteilter zweiter Platz gereicht, um Carlota noch zu überholen“: Caroline Mas © dpa Vergrößern „Dabei hätte schon ein geteilter zweiter Platz gereicht, um Carlota noch zu überholen“: Caroline Masson ärgert sich über eine Palme

Als Amateurin tat sie das viele Jahre für das Damen-Team des GC Hubbelrath - und das zwei oder drei Jahre mit Sandra Gal gemeinsam. Die ehemaligen Kameradinnen aus Düsseldorf werden sich im kommenden Jahr häufiger sehen. Denn dann wird auch Caroline Masson wie Sandra Gal auf der amerikanischen LPGA Tour spielen. Ende November schaffte Caroline Masson - auch diesmal im ersten Anlauf - als geteilte Elfte beim letzten Qualifikationsturnier den Sprung auf die lukrativste Turnierserie im Damengolf: „Für die Zukunft ist diese Qualifikation ganz, ganz wichtig.“

Denn auf der Turnierserie, die mittlerweile auch Abstecher nach Asien und Australien unternimmt, spielen nicht nur die Besten der Welt, dort wird auch das große Geld verdient. Allein zwei Zahlen führen das eindrucksvoll vor Augen: Während die 23-jährige Deutsche als Nummer zwei der LET rund 241.000 Euro (rund 10.000 weniger als Carlota Ciganda) verdiente, kassierte die Koreanerin Na Yeon Choi als Zweitei der LPGA Money List knapp zwei Millionen Dollar. Selbst Sandra Gal, die in diesem LPGA-Ranking auf Rang 25 auftaucht, nahm mit rund 574.000 Dollar gut doppelt so viel ein wie Caroline Masson.

„Ich bin dem Verband unheimlich dankbar“

Deshalb steht für „Caro“, wie sie von Freunden und Kollegen genannt wird, in diesem Jahr auch der Erhalt der Spielberechtigung auf der LPGA Tour im Vordergrund. Für Neulinge ist dort aller Anfang besonders schwer. Mit einer Teilnahme an rund 15 Turnieren darf Caroline Masson rechnen. Nach einer dreiwöchigen Pause vom Golf beginnt sie nach dem Jahreswechsel die Vorbereitung auf die im Februar in Australien und Neuseeland beginnende Saison.

In West Palm Beach (Florida) nimmt sie an einem Lehrgang der deutschen Spitzenamateure teil. „Ich bin dem Deutschen Golf Verband unheimlich dankbar, dass er mich so unterstützt, aber vielleicht können sich die Amateure bei mir etwas abschauen.“ Das darf als sicher gelten: Denn in diesem Jahr schaffte keine Deutsche bei der LET-Qualifikation die sogenannte „Tour Card“, die volle Spielberechtigung.

Quelle: F.A.Z.

 
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