Auch ohne die Krönung durch Bubba Watsons Masters-Sieg am Ostersonntag wäre es eine Geschichte wider alle Wahrscheinlichkeit gewesen. Drei Mitglieder des Golfteams der Milton High School schaffen es nicht nur auf die PGA Tour – alle drei gewinnen auch noch Turniere auf der härtesten und am besten dotierten Turnierserie der Welt: Heath Slocum wie Watson jeweils vier, Boo Weekley zwei. Watson stammt aus Bagdad, einem Vorort von Milton im Florida Panhandle (Pfannengriff) im Nordwesten des Sonnenstaates - wenn man bei einem Provinznest mit rund 10.000 Einwohnern überhaupt von Vororten sprechen kann.
Durch Watsons Triumph im Stechen gegen den Südafrikaner Louis Oosthuizen erinnert man sich an die alten Schulkameraden, auch wenn Slocum zuletzt 2010 gesiegt und Weekley seinen letzten Triumph 2008 gefeiert hatte, jenem Jahr in dem er auch im siegreichen amerikanischen Ryder-Cup-Team gestanden hatte. Weekley und Slocum, beide fünf Jahre älter als der 33-jährige Watson, waren in diesem Jahr nicht fürs Masters qualifiziert. Weekley konnte nicht einmal im Fernsehen den Sieg des Schulfreunds verfolgen, weil er auf dem Weg nach Myrtle Beach in South Carolina war, um am Ostermontag am Wohltätigkeitsturnier der Rockgruppe Hootie and the Blowfish teilzunehmen.
Doch dass der Linkshänder Watson im Stechen aus dem kleinen Wäldchen am rechten Rand des 10. Lochs im Augusta Golf Club den Ball mit einem GapWedge (52 Grad) in einer abenteuerlichen Kurve, einem Hook für den Linkshänder, vierzig Meter nach links an die 150 Meter entfernte Fahne kurven ließ, hat Weekley nicht im geringsten überrascht: „Es ist verrückt, was Bubba mit dem Golfschläger anstellen kann. Die Leute verstehen das nicht. Wir kennen Bubba, seit er 13 Jahre alt ist. Die Leute begreifen erst jetzt, was für ein guter Spieler dieser Kerl ist. Er kann einfach jeden Schlag.“
Die ganze Familie Weekley spricht noch heute davon, wie Bubba Watson schon als junger Bursche den Ball immer mit einem gewaltigen Hieb über das Haus der Weekleys an einem Loch des Tanglewood Golf Clubs schickte, um die Spielbahn abzukürzen – ein Risikoschlag, den sonst niemand wagte. „Bubba verfügt über gottgegebenes Talent“, behauptet J.J. Dunn, der Headpro des Tanglewood Country Club.
Der Golflehrer erinnert sich an die Unterschiede zwischen den drei Talenten: „Heath und Boo wollten alles über den Golfschwung wissen. Bubba interessiert es nicht. Er weiß bis heute nicht, warum er tut, was er tut.“ Bis heute hat Watson nie eine Golfstunde genommen, ein Prinzip, dem er auch in Zukunft treu bleiben will: „Ich höre auf niemand. Ich bin dickköpfig.“
„Wir haben ein Bubba bekommen“
Weekley kämpft derzeit darum, wieder zu alter Form zu finden. Nach einer Schulter-Operation verlor er seine Spielberechtigung auf der PGA Tour. Beim RBC Heritage in Hilton Head Island, einem Turnier, das er 2007 und 2008 gewonnen hatte, belegte er am Sonntag immerhin den geteilten sechsten Platz, neun Schläge hinter dem schwedischen Sieger Carl Pettersson. Während das Turnier lief, machte Watson im grünen Masters-Jackett die Runde durch die amerikanischen Talkshows.
Er musste immer wieder erklären wie er zu dem ungewöhnlichen Rufnamen Bubba kam, einem meist abfällig genutzten amerikanischen Slang-Ausdruck für einen weißen Südstaatler. Eigentlich heißt Watson wie sein Vater Gerry mit Vornamen. Aber weil er bei der Geburt schon 9,5 amerikanische Pfund (4,3 Kilo) wog und ein wenig pummelig aussah, erinnerte er seinen Daddy an den damals populären Footballspieler Bubba Smith. „Wir haben ein Bubba anstatt eine Babys bekommen“, rief Vater Gerry beim ersten Anblick seines Filius erschrocken aus.
Den Namen Bubba wurde der 1,91 große Mann nicht mehr los – und seinem Caddie Ted Scott ist es zu verdanken, dass dieser Name jetzt auch für dessen ungewöhnliche Art Golf zu spielen steht – gewaltige Abschläge über 320 Meter und kühne Kurven: „Bubba Golf“.