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Veröffentlicht: 21.12.2015, 08:32 Uhr

Norwegischer Schach-Star Carlsen setzt sich selbst schachmatt

Ein Schach-Profi als Werbestar: Magnus Carlsen kassiert für seinen Auftritt in einem Werbespot die bislang höchste Prämie eines norwegischen Sportlers. Doch während die Kasse stimmt, läuft es am Schachbrett derzeit weniger gut.

von Stefan Löffler
© AFP Magnus Carlsen

Magnus Carlsen setzt Magnus Carlsen schachmatt. Im Werbespot für den neuen Porsche 911 sitzt der Schachweltmeister sich selbst am Brett gegenüber. Maria Scharapowa spielt mit sich selbst am Netz. Ein Double von Muhammad Ali steigt mit sich selbst in den Ring. Nur die Nummer eins kann besser sein als die Nummer eins. Im amerikanischen Fernsehen wird der 60-Sekunden-Clip seit dem vergangenen Wochenende gezeigt. In deutschen Kinos läuft er ab Weihnachten. Im Internet ist er längst. Etwa zehn Sekunden lang ist Carlsen im Bild.

Was Porsche dafür bezahlt, ist nicht bekannt. Norwegische Medien sind trotzdem sicher, dass es der bisher höchstbezahlte Werbeauftritt eines norwegischen Sportlers ist. Dabei läuft es am Brett zurzeit nicht rund für den 25 Jahre alten Norweger. Sein Vorsprung in der Weltrangliste hat sich seit Juni halbiert. In London gewann er vorige Woche mit viel Glück. Seine Preis- und Antrittsgelder für 2015 werden auf gut 600.000 Euro geschätzt. Ein Taschengeld im Vergleich mit dem, was er neuerdings mit Werbeverträgen umsetze, twittert Carlsen-Intimus Tarjei Svensen.

Verschluckt vom schwarzen Loch

Seit Jahren wirbt Carlsen für eine Versicherung und eine Anwaltskanzlei. Bis vor kurzem lieh er der Modefirma G-Star sein Gesicht. Am Donnerstag war ein neuer Deal publik geworden. Der Breitbandanbieter Altibox ist bis 2018 neuer Hauptsponsor des Weltklasseturniers in Stavanger und hat auch Carlsen unter Vertrag genommen. Im Fernsehspot lässt er sich wie ein Actionheld durch die Luft wirbeln. Bevor er von einem Schwarzen Loch verschluckt wird, rettet er ein Paar, das auf seinen Smartphones in der Schach-App „Play Magnus“ versunken ist.

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Eine halbe Million Downloads der App tragen schon zur Wertschöpfungskette bei. Zugleich meldet der norwegische Sender TV 2 den Erwerb der norwegischen Fernsehrechte an der Grand Chess Tour, die in Stavanger beginnt. Wichtige Turniere mit Carlsen werden in seiner Heimat stets von mehreren Sendern übertragen. Der Staatssender NRK hat sich für mehr als eine Million Dollar bis 2020 die norwegischen Rechte an den wichtigsten Wettbewerben des Weltschachbundes einschließlich der WM gesichert. Nun wird aus Qatar berichtet: Dort tritt Carlsen seit dem Wochenende als erster amtierender Schachweltmeister überhaupt in einem offenen Turnier an.

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Seit er vor zwei Jahren Weltmeister wurde, arbeitet Carlsen mit seinem Management darauf hin, dass er seinen Titel in den Vereinigten Staaten verteidigt. Auf Long Island hat er einen Zweitwohnsitz. Er sammelt Spendermillionen für Schulschachprojekte und trifft sich alle paar Monate im Silicon Valley mit Mark Zuckerberg und anderen IT-Milliardären.

Probleme machte bislang der Präsident des Weltverbands, Kirsan Iljumschinow, der die Austragung in Amerika verhindern wollte. Weil ihn das amerikanische Schatzamt wegen angeblicher Verwicklung in Ölgeschäfte zwischen dem syrischen Diktator Assad und dem Terrornetzwerk „Islamischer Staat“ auf seine Sanktionsliste gesetzt hat, musste der Russe inzwischen aber die Amtsgeschäfte Stellvertreter Georgios Makropoulos übergeben.

Die vom Weltverband beauftragte Vermarktungsfirma Agon meint, nun stehe einem Titelkampf in Kalifornien nichts mehr im Weg. Von dort kommt das Gefährt in Carlsens Garage. Es ist kein Porsche, sondern ein elektrisch betriebener Tesla. Ans Steuer darf nur sein Vater Henrik. Einen Führerschein hat der beste Schachspieler des Planeten nämlich nicht.

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