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Schachmanager Schmitt im Gespräch : „Wie ein Zweikampf auf Leben und Tod“

  • Aktualisiert am

Hans-Walter Schmitt: „Schachspiele müssen ein emotional einnehmendes Event sein” Bild:

Für Vermarkter Schmitt müssen Schachpartien emotionale Events sein. Die Spieler sollten auch eine gewisse Lautstärke des Publikums akzeptieren. Kommende Woche beginnt in Bonn die Schach-WM zwischen Anand und Kramnik - mal hören, wie laut es wird?

          Hans-Walter Schmitt gehört zu den erfolgreichsten Vermarktern seines Sports. Für ihn müssen Schachspiele wie andere Sportwettkämpfe ein emotional einnehmendes Event sein. Die Spieler sollten seiner Meinung nach bereit sein, auch eine gewisse Lautstärke des Publikums zu akzeptieren. Während der von ihm initiierten Chess Classic in Mainz treten die weltbesten Schachspieler gegeneinander an - und zwar vor über tausend Zuschauern.

          Herr Schmitt, kann man Schach als Sport für die breite Masse vermarkten?

          Ja.

          Schachgrößen Anand (l.) und Co. im Schaufenster: Sprechchöre und Fangesänge

          Warum?

          Weil Schach alle dramaturgisch wichtigen Elemente enthält. Es ist bildlich gesprochen ein Zweikampf auf Leben und Tod. Dazu gibt es als Gnadenoption die Möglichkeit, Unentschieden zu spielen, wodurch beide Spieler am Leben bleiben.

          Das klingt fast wie ein Gladiatorenkampf im alten Rom.

          Der Vergleich gefällt mir gut.

          Schachspiele sind für Zuschauer aber weniger interessant als Gladiatorenkämpfe im Kolosseum.

          Das liegt an der meist schlechten Inszenierung. Schachspiele müssen wie andere Sportwettkämpfe ein emotional einnehmendes Event sein.

          Wie geht das?

          Unsere Zuschauer müssen die Spiele live anschauen und dabei alle Höhen und Tiefen miterleben können. Dann sind sie gefesselt und begeistert.

          Das heißt am Beispiel der Fußball-Bundesligawettkämpfe, alle Partien sollten auf einer Großleinwand übertragen werden.

          Ja, aber das alleine reicht nicht. Wer zu einem Fußballspiel geht, kann zu jeder Zeit das Spiel selbst, den Spielstand und die verbleibende Spielzeit sehen. Das sind die Informationen, die Spannung erzeugen und die wir auch im Schach anbieten müssen.

          Die Zeit, die jeder Spieler noch übrig hat, steht auf den Schachuhren. Wie wollen Sie das Problem mit dem Spielstand lösen?

          Wir können die Partien live von einem leistungsstarken Computer analysieren lassen, der dann eine Bewertung in Form von einer Zahl abgibt ...

          ... die das Gleiche bedeutet wie etwa ein 2:0 auf der Anzeigetafel.

          Genau. Bei den Chess Classic machen wir das schon so. Außerdem zeigen wir in einem ständig aktualisierten Balkendiagramm, wie sich dieser Spielstand während der Partie verändert hat.

          Wieso das?

          Damit auch Zuschauer, die später kommen oder zwischendrin aus dem Spielsaal gehen, auf einen Blick nachvollziehen können, was sie verpasst haben.

          Und das reicht aus, um die „Ränge“ vollzukriegen? Müssen Zuschauer nicht auch Schachwissen mitbringen, damit sie sich nicht langweilen?

          Ich denke, dass das reicht, um zu fesseln. Ein Laie versteht in keiner Sportart die Feinheiten ganz genau, die im Nachhinein einen Wettkampf wirklich entschieden haben.

          Im Fußball gibt es aber beispielsweise Kommentatoren, die Spielzüge erklären und Hintergründe erläutern.

          Oh, auch bei den Chess Classic werden alle Partien live über Kopfhörer kommentiert.

          Wie viele Zuschauer kommen denn, wenn die besten Spieler der Welt in Mainz gegeneinander antreten?

          Für das Turnier 1999 haben wir in der Spitze 1400 Karten an einem Abend verkaufen können für 14 D-Mark pro Ticket ...

          ... damals haben Sie aber auch überraschend die beiden Erzfeinde Garry Kasparow und Anatoli Karpow dazu bewegen können, gegeneinander zu spielen.

          Das ist sicher ein wichtiger Punkt. Aber auch in diesem Jahr kamen am Samstagabend 1000 Zuschauer zu den Chess Classic in die Rheingoldhalle nach Mainz.

          Viele Zuschauer gehen zu Fußballspielen oder Rockkonzerten, um sich von der Stimmung berauschen zu lassen. Dazu gehören Sprechchöre und Fangesänge, die Schachspieler ablehnen würden, weil sie sich dann nicht mehr konzentrieren könnten. Ist das eine Grenze?

          Im Moment schon. Schachspieler sind daran gewöhnt, während ihrer Partien Ruhe zu haben. Wenn der Sport populärer werden soll, werden sie hier allerdings umdenken und bereit sein müssen, eine gewisse Lautstärke zu akzeptieren.

          Und wenn sie das nicht machen?

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