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Schach Nur kontrolliertes Nichtstun verwirrt den Computer

 ·  Mensch und Maschine spielen zwar sehr unterschiedlich Schach, sind einander aber bis auf weiteres ebenbürdig. Ein Schaukampf in New York hat diese Erkenntnis bestätigt: Der Weltranglistenerste Garri Kasparow trennte sich von einer Spezialversion des PC-Programms Fritz 2:2.

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Mensch und Maschine spielen zwar sehr unterschiedlich Schach, sind einander aber bis auf weiteres ebenbürdig. Ein als "Mensch-Maschine-Schachweltmeisterschaft" annoncierter Schaukampf im New Yorker Athletic Club hat diese keineswegs neue Erkenntnis bestätigt: Der Weltranglistenerste Garri Kasparow trennte sich von einer Spezialversion des in Hamburg entwickelten PC-Programms Fritz mit einem 2:2.

Ein Unentschieden, mit dem beide Seiten ihr Gesicht wahren, ist zum Standardergebnis solcher Vergleiche geworden. An gleicher Stelle hat Kasparow bereits Anfang des Jahres einen Schaukampf gegen die israelische Software Junior bestritten, der 3:3 endete. Ein ähnlicher Wettkampf zwischen dem Weltranglistenzweiten Wladimir Kramnik und Fritz ging im Oktober 2002 in Bahrein 4:4 aus. In keiner einzigen Partie ist einer der beiden Russen vom Computer überspielt worden. Vielmehr haben sie offensichtliche Fehler die aus menschlicher Sicht verdienten Siege gekostet.

Dem Menschen wird seine Fehlbarkeit zum Verhängnis, dem Computer sein mangelndes Spielverständnis. So war es auch in den letzten Tagen in New York. In der zweiten Partie geriet Kasparow in Zeitnot, stellte in besserer Stellung einen wichtigen Bauern ein und mußte sich kurz darauf geschlagen geben. Typisch für das Spiel zwischen Mensch und Maschine war auch der Verlauf der übrigen Partien. Zu Beginn des Matches gelang es Kasparow in einer offenen Stellung nicht, einen Vorteil zu verwerten, und er ließ ein Remis zu. Dagegen gelang es dem Russen, die dritte Partie geschlossen zu halten. Fritz reagierte erschreckend planlos, in dieser Lage hätte jeder Bundesligaspieler mehr Widerstand geleistet. Im letzten Spiel führte ein heftiger, aber kurzer Schlagabtausch zu einem ausgeglichenen Endspiel, das prompt Remis gegeben wurde.

Gegen menschliche Gegner kommt Kasparow oft zum Erfolg, indem er Komplikationen anzettelt, die er dann besser bewältigt. Gegen Computer ist dieser Ansatz zum Scheitern verurteilt. In Stellungen, in denen konkrete Berechnungen Vorrang haben, ist der Computer überlegen. Anders als im üblichen Spitzenschach ist es wichtiger, eigene Fehler zu meiden, als Probleme zu stellen. "Kontrolliertes Nichtstun", was dem Stil des Weltranglistenersten eigentlich fernliegt, gilt als beste Strategie gegen die Maschine. Das ist aber kaum die Ursache, warum die inhaltliche Qualität der Partien hinter der früherer Zweikämpfe zurückblieb.

Kasparow sollte man keinen Vorwurf machen, da er die Veranstaltung auf ungewohnte Weise bestreiten mußte. Um die Technologie des Matchsponsors X3D ins Spiel zu bringen, wurde auf Brett und Figuren verzichtet. Kasparow nahm die Stellung statt dessen durch eine 3D-Brille in einer virtuellen Darstellung wahr. Seine Züge mußte er ansagen. Für seine Bemühungen erhält er 175 000 amerikanische Dollar. Für den Schaukampf im Januar hat er allerdings noch 750 000 Dollar kassiert, und Kramnik kam im vorigen Jahr auf 800 000 Dollar.

Im Prinzip soll sich Kasparow schon in der ersten Jahreshälfte 2004 abermals einem elektronischen Gegner stellen, nämlich dem Sieger der am Samstag in Graz beginnenden Computerschach-WM. Chrilly Donninger, der Programmierer des WM-Favoriten Brutus, fürchtet indes, daß vorerst kein Interesse an einem weiteren solchen Schaukampf besteht.

Anstatt Brutus noch stärker zu machen, will der Niederösterreicher nun ein Programm für Go schreiben. "Bei Go steht die Programmierung etwa auf dem Niveau wie Computerschach vor dreißig Jahren", schätzt Donninger. Im August hat er das japanische Brettspiel gelernt, nach wenigen Wochen schlug er einige der stärksten Programme, mittlerweile findet er es schon witzlos, gegen einen Computer anzutreten. Wenn im Go endlich ein Computer mit den besten Spielern mithalten kann, müßte das die Öffentlichkeit doch interessieren. Zumindest in Japan.

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