Home
http://www.faz.net/-gub-pwl0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Schach Kasparow erklärt Rücktritt - Putin im Visier

11.03.2005 ·  Die Schachwelt steht vor einer Zäsur. Der frühere Weltmeister Garri Kasparow hat überraschend seinen Rücktritt erklärt. Der Russe, der als Gegner von Präsident Putin gilt, will sich künftig verstärkt der Politik widmen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Schachwelt steht vor einer Zäsur. Nach 20 Jahren als Nummer eins der Weltrangliste hat Großmeister Garri Kasparow (Rußland) überraschend seinen Rücktritt vom Profischach erklärt.

Unmittelbar nach seinem neunten Turniersieg im spanischen Linares begründete der frühere Weltmeister am Donnerstag abend seinen Schritt vor allem mit dem Chaos in der Schachwelt, das es ihm nicht ermöglicht habe, wieder den Titel zu erringen.

Politisches Engagement verstärken

Der erklärte Gegner des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin will in Zukunft sein politisches Engagement verstärken und auch Bücher schreiben. „Es ist eine harte Entscheidung, weil ich dank meiner Leidenschaft und Liebe zum Schach die Spitze erreicht habe“, sagte Kasparow.

Der beste Spieler der Welt hatte sich 1993 vom Weltverband FIDE getrennt und eine eigene Weltmeisterschaft vermarktet. Seinen Titel hatte der Moskauer, dessen Duelle gegen seinen Erzrivalen Anatoli Karpow die achtziger Jahre prägten, im Jahr 2000 an seinen Landsmann Wladimir Kramnik verloren.

„Historische Größe im Schach“

Selbst die FIDE zollte dem Schachgenie großen Respekt. „Kasparow hat viel für die Entwicklung des Schachspiels in der Welt getan. Er ist eine historische Größe im Schach“, erklärte FIDE-Präsident Kirsan Iljumschinow (Rußland).

Sein Plan, den FIDE-Weltmeister Rustam Kasimdschanow (Usbekistan) gegen Kasparow antreten zu lassen, um die zerstrittene Schachwelt zu vereinen, war in den vergangenen Jahren nie zustande gekommen.

Glücklicher Turniersieger

Zum Abschluß seiner glänzenden Laufbahn hatte Kasparow das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite. Er verlor die letzte Partie des Superturniers in Spanien gegen den Bulgaren Weselin Topalow.

Beide beendeten den Wettbewerb mit jeweils 8,0 Punkten, doch laut Reglement wurde der Weltranglisten-Erste zum Gewinner erklärt, weil er die meisten Schwarzsiege aufwies. Dritter wurde der Inder Viswanathan Anand (6,5) vor dem Ungarn Peter Leko (6,0), der alle 12 Partien remis spielte.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Stürmer in der Defensive

Von Michael Ashelm

Die Anforderungen an Angreifer haben sich stark verändert – und damit die Auswahl des Personals. Der Stürmertyp, der vorne wartet, bis er bedient wird, stirbt aus. Mehr