11.11.2011 · Außenseitersieg: Deutschland ist überraschend Schacheuropameister. Im Finale setzt sich das Team gegen den zweimaligen Olympiasieger Armenien durch. Der Erfolg ist Lohn für souveräne Leistungen im Turnierverlauf.
Von Alexander ArmbrusterDeutschland ist überraschend neuer Schacheuropameister geworden. Das Team setzte sich am Freitagabend in der letzten Runde des Turniers in griechischen Porto Carras (Griechenland) gegen den zweimaligen Olympiasieger Armenien durch mit 2,5 zu 1,5. Den Ausschlag gab ein Sieg des deutschen Schachgroßmeisters Georg Meier über Sergej Movsesian am zweiten Brett.
Deutschlands Spitzenspieler Arkadij Naiditsch erzielte ein Unentschieden gegen Levon Aronian, der zu den besten Schachspielern der Welt überhaupt zählt. Und auch Daniel Fridman und Jan Gustafsson erreichten jeweils ein Remis.
Gustafsson musste dafür besonders lange kämpfen; erst im Endspiel, als er außer seinem König nur noch einen Läufer und sein Gegner Gabriel Sargissian außer dem König nur noch einen Turm übrighatte, konnte er die Punkteteilung erzwingen.
Der Sieg der deutschen Mannschaft ist eine große Überraschung. Nach internationalen Spielstärkenzahlen, über die jeder Schachprofi verfügt, bot Deutschland im Durchschnitt nominell die zehntstärkste Mannschaft aller 38 an der EM teilnehmenden Länder auf. Der Titel geht darum als klarer Außenseitersieg in die Schachgeschichte ein. Tatsächlich zeigte die deutsche Mannschaft im gesamten Turnierverlauf eine souveräne Leistung, nur ein einziges Mal, in der fünften Runde, musste sie eine Niederlage hinnehmen gegen Bulgarien.
Das in der Schlussrunde gegen Deutschland unterlegene Armenien gelangte schließlich auf den vierten Tabellenplatz. Die Silbermedaille ging an Aserbaidschan, Bronze gewann das Team aus Ungarn. Die vor Turnierbeginn favorisierte russische Mannschaft erreichte den fünften Platz, die ebenfalls als heißer Tipp gehandelte Mannschaft aus der Ukraine musste sich nach allen neun gespielten Runden hingegen mit Platz 15 zufrieden geben.