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Sabine Lisickis Rückkehr Lieber ein Original

 ·  Bei den US Open beendet Sabine Lisicki ein leidvolles Jahr: Als Fräuleinwunder und Graf-Nachfolgerin einst gerühmt, für ihren Übereifer gefürchtet, musste sie wochenlang verletzt auf Krücken gehen. Jetzt ist sie für die erfolgreiche Rückkehr gewappnet.

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Ohne es zu ahnen, war Sabine Lisicki am vergangenen Sonntag kurzzeitig ein Superstar. Die Berlinerin trainierte gerade auf den Hartplätzen von Flushing Meadows, als am Rande eine finnische Familie zuschaute und zu tuscheln begann. Ist das nicht...? Ja, das ist doch...! Die Mutter drängte ihren Sohn dazu, die Kamera zu zücken und ein paar Fotos zu machen von der Tennisspielerin, die sie für die weltberühmte Maria Scharapowa hielten. Ob die finnischen Touristen ihren Fehler merken werden, wenn sie daheim die Fotos archivieren?

Zwar haben die Deutsche Lisicki und die Russin Scharapowa die gleiche Haarfarbe (blond), die gleichen Grundschläge (brachial) und das gleiche Ziel (Nummer eins); aber die großgewachsene Maria Scharapowa stolziert eher über den Tennisplatz, während Sabine Lisicki gerade dabei ist, sich nach langer Verletzungspause zurück zu kämpfen. „Es ist schwer einzuschätzen, wo ich stehe“, sagte die Berlinerin, der am Dienstagabend New Yorker Ortszeit ein erster erfolgreicher Schritt zurück in ihr gewohntes Berufsleben gelang.

Nach fast einem halben Jahr hatte sie wieder ein Spiel auf der Profitour gewonnen, und zwar äußerst souverän 6:1 und 6:0 gegen Coco Vandeweghe. Die Kalifornierin, die mit einer Wildcard ins Hauptfeld der US Open gekommen war, gehört zwar nicht zu den Branchengrößen, war in der ersten Turnierrunde aber eine gute Aufbaugegnerin für Sabine Lisicki, die auf eine schmerzvolle Zeit zurückblickt.

Fast auf den Tag genau ein Jahr zuvor, ebenfalls beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres, war die damals als neues deutsches Fräuleinwunder und Steffi-Graf-Nachfolgerin gerühmte Berlinerin in ihrem Zweitrundenspiel mit dem linken Fuß umgeknickt und musste im Rollstuhl vom Court gefahren werden. Als die Tränen getrocknet waren, trieb der Übereifer Sabine Lisicki zurück auf den Platz, der in ihren jungen Jahren noch die Welt bedeutete. Mitte März folgte der nächste Rückschlag, wieder verletzte sie sich am linken Sprunggelenk, doch diesmal waren die Folgen schlimmer: Gips, Schonung, Zwangspause.

Die deutsche Tennishoffnung, die im Frühjahr 2009 in Charleston reihenweise gesetzte Spielerinnen wie Venus Williams aus dem Turnier bugsiert und auch das Finale gewonnen hatte, war plötzlich dahin. „Es war schwer für mich zu akzeptieren, dass ich sechs Wochen auf Krücken laufen musste“, sagt Sabine Lisicki. Wegen der beschwerlichen Fortbewegung begannen ihr die Arme zu schmerzen, die Schultern, der Rücken. „Sich da durch zu kämpfen, war nicht leicht“, sagt die bald Einundzwanzigjährige, „aber ich war ziemlich tapfer.“ Mit so einem Wort trösten gewöhnlich Eltern ihre Kinder.

Zwonarewa eine echte Herausforderung

Gut möglich, dass Sabine Lisicki während ihrer fast fünfmonatigen Verletzungspause gelernt hat, geduldiger zu werden als früher. Angeleitet von ihrem Vater Richard, einem Tennislehrer, und geformt vom Trainerguru Nick Bollettieri, wollte sie als Teenager immer auf dem schnellsten Weg vorankommen: auf dem Platz mit ihrem krachenden Service und ihren kompromisslosen Grundschlägen, abseits mit dem flotten Spruch, die beste Tennisspielerin der Welt werden zu wollen. Bis auf Position 22 hatte sie es vor einem Jahr schon geschafft. Mittlerweile auf Rang 94 abgerutscht, hat die Berlinerin eingesehen, „dass es schwer für mich ist, wieder reinzukommen. Ich hatte ja noch nie in meinem Leben so lange ausgesetzt.“

Nachdem sie ihr für Mitte Juli angepeiltes Comeback um vier Wochen verschoben hatte, verlor Sabine Lisicki die ersten beiden Matches vorigen Monat sang- und klanglos. Jetzt tritt sie an mit dicken Bandagen um beide Knöchel und einer neuen Einstellung im Kopf: „Ich möchte locker spielen und genießen.“ Nachdem es ihr gegen die 18 Jahre junge Coco Vandeweghe erstaunlich leicht gelungen ist, trifft die Berlinerin nun auf die diesjährige Wimbledon-Finalistin Vera Zwonarewa; die Weltranglistenachte wird eine echte Herausforderung, sportlich wie mental.

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Jahrgang 1966, Sportredakteur.

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