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Sabine Lisicki in Wimbledon : Tennis ist wieder quotenfähig

  • -Aktualisiert am

Zweite Siegerin, Sabine Lisicki: Diese Bilder liefen nicht bei ARD und ZDF Bild: AFP

Das wichtigste Tennisturnier der Welt in Wimbledon wurde zum Minderheitenprogramm. Sabine Lisickis Finaleinzug bewirkt bei ARD und ZDF einen Sinneswandel. Dieser kleine Erfolg ist ihr und den Fans zu gönnen.

          Schade für Sabine Lisicki, schade fürs deutsche Tennis. Nicht nur der Berliner Tennisspielerin hätte ein Wimbledonsieg gut getan, er hätte auch dem deutschen Tennis geholfen, vor allem all jene Sportfreunde erfreut, die bedauern, dass das wichtigste Tennisturnier der Welt in Wimbledon mittlerweile in einem Bezahlsender verschwunden ist und damit zum einem Minderheitenprogramm geworden ist.

          Eine Woche lang hatte die so unbekümmert spielende, niemals aufgebende Wahlamerikanerin aus Florida die Phantasie der deutschen Sportfreunde beflügelt. Seit vergangenem Montag, seit ihrem Coup gegen die allgemein als übermächtig geltende Amerikanerin Serena Williams, konnte man in Deutschland erstmals seit den Glanzzeiten von Steffi Graf, Boris Becker und Michael Stich wieder so etwas wie Tennisbegeisterung spüren.

          Sogar die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender hielten Tennis auf einmal wieder für quotenfähig. Sabine Lisicki ließ vergessen, dass das ZDF bei seiner Übertragung des Rasenturniers von Halle in diesem Jahr selbst mit einer Traumpaarung im Halbfinale wie Roger Federer gegen Tommy Haas gerade mal eine halbe Million Sportfreunde vor den Fernsehschirm gelockt hatte.

          Bei allem Respekt vor dem, was in Westfalen auf die Beine gestellt wurde - Wimbledon ist eben Wimbledon. Das erkannte auch die ARD, die nach Lisickis Halbfinalsieg gegen Agnieszka Radwanska mit dem Bezahlsender Sky verhandelte, um am Samstagnachmittag statt dem Endspiel der Frauen im Rollstuhlbasketball um 15 Uhr eines der Sport-Highlight des Sommers zu zeigen. Angeblich verlangte Sky 600.000 Euro, die ARD war aber nur bereit, die Hälfte zu zahlen. So mussten sich Tennisfreunde mit einer dreißigminütigen Zusammenfassung in der Sportschau am späten Nachmittag begnügen.

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          Das hat viele Sportfreunde enttäuscht, aber dafür hat es vielleicht Sportbars Zulauf beschert. Die „Bild“-Zeitung, die tagelang den Hype um „Bum-Bum-Bine“ angeheizt hatte, forderte ihre Leser gar auf zu lauschen, ob bei Nachbarn am Samstagnachmittag laut gejubelt werde. Denn dies sei ein untrügliches Zeichen, dass dort das Duell zwischen Sabine Lisicki und Marion Bartoli im Fernsehen laufe. Auf dieses Indiz solle man mit einer Flasche Sekt unterm Arm beim Nachbarn klingeln und freundlich um einen Platz vor dem Fernseher bitten.

          Beim Poker um Übertragungsrechte helfen keine freundlichen Worte. Es geht ums Geld. Sky hat angeblich 2,7 Millionen Euro für die Rechte des jetzt auslaufenden Vertrags gezahlt. Inzwischen ist klar: Sabine Lisicki hat bei ARD und ZDF einen Sinneswandel bewirkt. Die öffentlich-rechtlichen Sender wollen sich um Live-Rechte aus Wimbledon bemühen. Auch dieser kleine Erfolg ist ihr, vor allem den deutschen Tennisfreunden zu gönnen.

          Quelle: F.A.S.

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