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Sabine Lisicki Entspannt ins Viertelfinale von Wimbledon

27.06.2011 ·  Mit einem souveränen Sieg über Petra Cetkovska erreicht Sabine Lisicki in Wimbledon das Viertelfinale - wie schon 2009. Diesmal hat sie sich allerdings mehr Energie aufbewahrt, und die wird sie gegen Marion Bartoli auch brauchen.

Von Peter Penders, London
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Nun ist sie da, wo sie vor zwei Jahren schon einmal war, aber irgendwie ist alles nicht nur anders, sondern viel besser: „Ich bin viel ruhiger und entspannter“, sagte Sabine Lisicki, nachdem sie mit dem 7:6- und 6:1-Sieg über die Tschechin Petra Cetkovska das Viertelfinale in Wimbledon erreichte, und diese Lockerheit sorgt für einen großen Unterschied im Vergleich zu 2009.

„Da war ich nach der vierten Runde platt“, sagte die Berlinerin mit Wohnsitz in Florida in Erinnerung an jene Tage, als sie den Durchbruch auf Grand-Slam-Ebene schaffte und im Viertelfinale an der damaligen Weltranglistenersten Dinara Safina scheiterte. Diesmal hat sie sich mehr Energie für die entscheidende Phase des Turniers aufbewahrt, und die wird sie an diesem Mittwoch auch brauchen: Sie trifft auf die Französin Marion Bartoli, die sich mit einer beeindruckenden Leistung den 6:3 und 7:6-Sieg über Serena Williams verdiente.

Die amerikanische Titelverteidigerin wehrte dabei fünf Matchbälle ab und war kurz davor, mal wieder einer Partie eine Wende zu geben, aber das druckvolle Spiel der Vor- und Rückhand beidhändig schlagenden Französin war letztlich zu stark. Ein Viertelfinale in Wimbledon gegen die Finalistin von 2007 - so etwas nennt man ein großes Spiel, und das könnte natürlich auch leicht zu Nervosität und einer unruhigen Nacht führen.

„Die Vorzeichen haben sich etwas geändert“

Darum aber muss man sich bei Sabine Lisicki offenbar nicht sorgen. „Ich gehe mit dem Druck nach meiner Verletzung anders um. Ich empfinde jedes Spiel hier als Geschenk. Ich weiß ja, wie schnell alles wieder vorbei sein kann“, sagt sie. Also will sie nur voller Vorfreude an dieses Viertelfinale denken, in dem sie mal wieder in die Rolle der Außenseiterin schlüpfen kann.

Nach ihrem aufsehenerregenden Erfolg über die Weltranglistenvierte Li Na war sie sowohl in der dritten Runde gegen die Japanerin Misaki Doi als auch nun im Achtelfinale gegen die Tschechin Petra Cetkovska deutlich favorisiert. Das ist diesmal anders, auch wenn sie die letzten beiden Partien gegen die Französin gewonnen hat, allerdings auf einem Sandplatz in Charleston. An die einzige Partie auf Rasen hat die Deutsche keine gute Erinnerung. 2008 verlor sie in der ersten Runde in Wimbledon 2:6 und 4:6. „Da hat sie mich paniert“, sagt Sabine Lisicki, aber etwas Ähnliches ist nun nicht wieder zu erwarten: „Die Vorzeichen haben sich etwas geändert.“

Schließlich haben Sabine Lisicki und Marion Bartoli eine Menge gemeinsam. Zum einen sind sie die beiden derzeit erfolgreichsten Rasenspielerinnen. Sabine Lisicki hat nach ihrem Turniersieg in Birmingham nun zehn Matches nacheinander auf diesem Untergrund gewonnen. Ihre Gegnerin triumphierte in Eastbourne und hat nun neun Siege nacheinander eingesammelt.

„Ohne ihn hätte ich das heute nicht geschafft“

Beide werden aber auch von ihren Vätern betreut, wobei die temperamentvolle Französin mitunter einen anderen Umgang mit ihrem Herrn Papa pflegt. Bei ihrem Drittrundensieg über Flavia Pennetta schickte sie ihn sogar von der Tribüne weg, weil er ihr einen zu nervösen Eindruck machte. Gegen Serena Williams durfte Herr Bartoli senior allerdings bleiben, und die Tochter rückte den Verdienst des Vaters, der einst seinen Arztberuf aufgab, um das Töchterlein zu betreuen, gleich wieder zurecht. „Ohne ihn hätte ich das heute nicht geschafft.“

Auffallend viele Spielerinnen verdanken ihren Vätern in dieser Beziehung viel - und die Aufgabe des Papas beschränkt sich nicht auf die Rolle des Chauffeurs, der sein Kind in der Jugendzeit von Turnier zu Turnier fährt. Caroline Wozniacki, die Weltranglistenerste, wird ebenso vom Vater trainiert wie die Belgierin Janina Wickmayer, die im Achtelfinale der Tschechin Petra Kvitova unterlag. Die Williams-Schwestern bauen bekanntermaßen auf den Rat von Vater Richard, und Maria Scharapowa wurde lange von ihrem Vater Yuri trainiert und begleitet.

„Das eine ist mein Job, das andere meine Familie“

Doch den Vater wegzuschicken, darauf wäre wohl keine von ihnen gekommen, und die funkelnden Blicke, mit denen Marion Bartoli manchmal ihre Spielerbox fixiert, lassen darauf schließen, dass der Nachwuchs eindeutig der Chef ist. Sabine Lisicki hingegen lächelt viel, in diesen Tagen ganz besonders. Wer so viel unterwegs ist wie Tennisspieler, bei dem unterliegt auch die Abnabelung vom Elternhaus anderen Entwicklungsprozessen. „Ich kann das ganz klar trennen. Das eine ist mein Job, und das andere danach ist meine Familie“, sagt Sabine Lisicki.

Bei ihrem mühsamen Start gegen Petra Cetkovska war im ersten Satz oft das aufmunternde „Bravo“ von Richard Lisicki zu hören. Dass die Familie stets dabei ist, sieht die Tochter als großen Vorteil an, vor allem in der Jugendzeit. „Da haben viele Heimweh, wenn sie ohne Eltern unterwegs sind. Aber meine Mutter war oft mit, und wenn der Vater dein Trainer ist, vermisst man das Zuhause nicht. Man hat es ja eigentlich immer dabei“, sagt sie. Es soll Kinder geben, die das gar nicht so toll fänden.

Ergebnisse Tennis, Wimbledon (16,7 Mio. Euro/Rasen)

Herren-Einzel: Achtelfinale: Andy Murray (Großbritannien/4) - Richard Gasquet (Frankreich/17) 7:6 (7:3), 6:3, 6:2; Bernard Tomic (Australien) - Xavier Malisse (Belgien) 6:1, 7:5, 6:4

Damen-Einzel: Achtelfinale: Sabine Lisicki (Berlin) - Petra Cetkovska (Tschechien) 7:6 (7:3), 6:1; Dominika Cibulkova (Slowakei/24) - Caroline Wozniacki (Dänemark/1) 1:6, 7:6 (7:5), 7:5; Victoria Asarenka (Weißrussland/4) - Nadia Petrowa (Russland) 6:2, 6:2; Maria Scharapowa (Russland/5) - Peng Shuai (China/20) 6:4, 6:2; Petra Kvitova (Tschechien/8) - Yanina Wickmayer (Belgien/19) 6:0, 6:2; Marion Bartoli (Frankreich/9) - Serena Williams (USA/7) 6:3, 7:6 (8:6); Zwetana Pironkowa (Bulgarien/32) - Venus Williams (USA/23) 6:2, 6:3; Tamira Paszek (Österreich) - Xenia Perwak (Russland) 6:2, 2:6, 6:3

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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