28.05.2011 · Die Rugbyspieler des SC 1880 Frankfurt haben ihren siebtenMeistertitel verpasst. Das Endspiel verloren die Hessen am Samstag auf eigener Anlage 9:12 gegen den Heidelberger RK - nach einer frühen 9:0-Führung.
Von Daniel Meuren, FrankfurtEin Besuch beim Endspiel um die deutsche Meisterschaft im Rugby kann man gut vergleichen mit einem Besuch bei irgendeinem groß angelegten Ratespiel: Immer wieder laufen auf dem schönen Stadiongelände des SC 1880 Zuschauer umher und grübeln miteinander über die Beweggründe für die eine Aktion oder den anderen Schiedsrichterpfiff.
Man fragt sich, warum der Frankfurter den Ball unbedrängt ins Aus schlägt oder der Ball im Gedränge unberührt herumliegen darf. Für Angehörige der Fußballnation Deutschland ist selbst die an sich noch simple Urform des Kicks so wenig durchschaubar wie andere englische Freizeitbeschäftigungen wie Cricket.
Also beschreiben wir lieber jene Aktionen, die selbst die fachkundigen unter den rund 2000 Zuschauern beim Finale zwischen den beiden deutschen Topklubs SC 1880 Frankfurt und Vorjahresmeister Heidelberger RK, raunen lassen: Wenn die Körper der hünenhaften und anders als bei American Football bis auf Ohrenschützer gänzlich ohne Schutzpanzer agierenden Spieler gegeneinander krachen, schmerzen dem Beobachter schon Brustkorb und Schulter.
Achte Meisterschaft für den Heidelbeger RK
Beruhigend sind indes die ersten Punkterfolge für die Gastgeber. Keiran Manawatu, einer von fast einem Dutzend Gastarbeitern aus dem Rugby-Land Neuseeland, trifft dreimal per Strafkick, der wohl friedlichsten Form des Punkterfolgs im Rugby. Die frühe 9:0-Führung reichte den Frankfurtern jedoch nicht, da Heidelberg die beiden einzigen Versuche im Spielverlauf legte, also das Ei hinter die gegnerische Grundlinie beförderte. Der erste der im American Football Touch Down genannten Erfolge brachte das traditionell vor allem auf deutsche Nationalspieler bauende Heidelberg auf 5:9 heran.
Der Halbspieler Jesse Westerlund, einer der wenigen Neuseeländer in Heidelberger Reihen, brachte in der Nachspielzeit zu den 80 regulären Minuten sein Team schließlich erstmals in Führung. Pieter Jordaan sorgte mit der verwandelten Erhöhung schließlich fürs Endergebnis von 12:9. Heidelberg hat somit zum achten Mal die deutsche Meisterschaft gewonnen.