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Rudern Renaissance mit Konfliktstoff

31.08.2009 ·  Die deutschen Ruderer haben bei der nacholympischen WM ihren Untergang von Peking vergessen gemacht. Gute Zeiten für eine bessere Vermarktung. Gäbe es da nicht Neid und Eifersucht über die Autonomie der Marke Deutschland-Achter.

Von Elisabeth Schlammerl
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Die Ruderer pfiffen zum Abschluss darauf, seriös zu wirken. Die einen tauchten zum Bankett mit bunten Hüten und lustig beschrifteten T-Shirts auf, die anderen trugen große, grelle Karnevalskrawatten. Die hatten sie schon ein paar Wochen zuvor erstanden, um im Fall des Falles gut vorbereitet zu sein. Offenbar hatten die Athleten des Deutschen Ruderverbandes keinen Zweifel daran, am Ende der Weltmeisterschaften in Posen eine fröhliche Party feiern zu können. Mit dreimal Gold, darunter das des vielbeachteten Deutschland-Achters, und zweimal Bronze gewann der DRV die Nationenwertung und holte sich die in den vergangenen Jahren eingebüßte Dominanz zurück. Zwar gelten Erfolge in nacholympischen Jahren nicht unbedingt als sehr aussagekräftig, aber in Posen sei das Niveau erstaunlich hoch gewesen für eine Saison, die die Verbände traditionell zum Neuaufbau nutzen, und die WM-Resultate seien deshalb ein Indiz für große Fortschritte, finden die DRV-Verantwortlichen. Sie sehen sich bestätigt in der Struktur- und Konzeptreform, die nach dem Desaster von Peking vorgenommen worden war.

Es geht vor allem um den Deutschland-Achter

Die Renaissance am Maltasee kommt für Renko Schmidt, als stellvertretender Vorsitzender zuständig für den Leistungssport im DRV, zur richtigen Zeit. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die deutsche Traditionssportart endlich adäquat zu vermarkten, will heißen, einen Großsponsor für den Verband zu finden. Mit dem Ergebnis von Posen lasse sich natürlich leichter arbeiten, sagt er. Appelle an die Wirtschaft, den Rudersport zu unterstützen, hatte es schon früher immer wieder mal gegeben, bei der Umsetzung der Pläne hatte dann aber die notwendige Professionalität gefehlt. Schmidt gründete nun die Deutsche Ruder-Marketing GmbH, die alle Verträge koordinieren soll, und angeblich gibt es bereits einen Interessenten. Ein möglicher Sponsor wird aber Wert auf die Einbindung jenes Bootes legen, das am öffentlichkeitswirksamsten ist und nun auch wieder erfolgreich – es geht dabei um den Deutschland-Achter. Daran aber könnte Schmidts Vorhaben scheitern. Denn das Boot hat seit Jahren einen eigenen Sponsor, für den die Fördergesellschaft Dortmund mit Vermarkter Klaus Walkenhorst verantwortlich ist.

Weil der Vertrag mit Evonik Ende des Jahres ausläuft, wäre die Gelegenheit tatsächlich günstig, den Achter in die zentrale Vermarktung einzubinden. Schließlich stört den Verband die Autonomie des westfälischen Leistungszentrums schon lange. Dass das Verhältnis belastet ist, demonstrierten auch die in dieser Saison geführten Diskussionen über die Achter-Zusammensetzung. Dass die Privilegien der Dortmunder Großboot-Zentrale immer wieder Neider aus anderen Stützpunkten hervorrufen, widerspricht außerdem dem vom neuen Cheftrainer Hartmut Buschbacher initiierten Teamgedanken. Die Dortmunder allerdings denken gar nicht daran, ihre Sonderstellung aufzugeben oder gar die Namensrechte an der Marke Deutschland-Achter abzutreten. Im Gegenteil: Sie suchen derzeit in Eigenregie nach einem neuen Sponsor für ihr Boot. Die Erfolge von Posen sorgten nicht nur für Partystimmung, sie bergen auch Konfliktpotential.

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