24.08.2009 · Für den Deutschland-Achter begann am Montag mit dem Vorlauf die WM. Per Start-Ziel-Sieg qualifizierte sich das Boot für den Finallauf am Sonntag. Im F.A.Z.-Interview spricht Trainer Ralf Holtmeyer über die Chancen, Zuständigkeiten und seine Arbeit als Frauentrainer.
Für den Deutschland-Achter begannen an diesem Montag mit dem Vorlauf die Weltmeisterschaften im polnischen Posen. Mit einem Start-Ziel-Sieg qualifizierte sich das Boot für den Finallauf am Sonntag. Zweiter wurde Großbritannien, dahinter folgte Australien.
Es war der vierte Sieg im vierten Saisonrennen für das deutsche Paradeboot. Nach einigem Hin und Her soll nun der Titel folgen. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht Trainer Ralf Holtmeyer über die WM-Chancen, Zuständigkeiten und seine Arbeit als Frauentrainer.
An diesem Montag begann für den Deutschland-Achter mit dem erfolgreichen Vorlauf die Ruder-Weltmeisterschaften in Posen. Wie stark schätzen Sie als zuständiger Trainer das Boot ein?
Wir haben eine sehr stabile Saison und jetzt vor der WM auch gut trainiert. Die Frage ist allerdings, wie sich die Konkurrenz noch steigern kann. Wir haben eine Medaillenchance, wir werden auch versuchen, Weltmeister zu werden. Klar, das ist ein hohes Ziel.
Sie sagen, der Achter hat eine stabile Saison. War sie bisher überhaupt aussagekräftig - schließlich ist das Boot erst in Luzern in WM-Besetzung gefahren?
Der letzte Weltcup in Luzern ist ja immer der Höhepunkt vor der WM (siehe auch: Rotsee-Regatta: Gefühle bremsen nach dem Triumph). Da versucht jeder noch einmal zu sehen, wo er steht. Die Amerikaner und die Kanadier waren da, eigentlich war bis auf Australien die gesamte Weltklasse am Start. Und wir haben gewonnen, überzeugend, mit einer Bootslänge vor Kanada.
Der neue Cheftrainer Hartmut Buschbacher hat die Bootsbesetzung bis nach Luzern offengehalten. Wie sehr hat das Hin und Her die Vorbereitung behindert?
Es war im Nachhinein nicht schlecht, dass wir mal Vierer gefahren sind. Nur hätten wir es statt in München gerne eine Regatta früher getan, also beim ersten Weltcup in Spanien. Im ersten Jahr muss man seinen Weg auch erst finden. Aber es war schon überraschend, dass wir in der Breite so stark waren.
Das Boot gehörte zunächst nicht in den Zuständigkeitsbereich von Dortmund, traditionell die Zentrale des Achters. Fühlen Sie sich nun bestätigt, dass doch alles so gekommen ist, wie Sie, wie der Stützpunkt es wollte?
Letztlich haben wir uns durchgesetzt, das ist das Entscheidende. Die Frage war auch eher, ob der Verband überhaupt die besten Leute in den Achter steckt im nacholympischen Jahr. Es hat sich aber herausgestellt, dass wir die Breite oben an der Spitze haben und es sich lohnt, Achter zu fahren.
Es hieß, der Sponsor des Achters hätte schon Sorge um sein Premium-Produkt gehabt. Hat der Konzern Evonik Einfluss genommen auf die Entscheidung des Verbandes?
Ich denke nicht. Aber in Deutschland wird ein starker Achter erwartet. An dieser Weichenstellung kommt man nicht vorbei.
Sie waren bisher stets Cheftrainer. Zuerst 14 Jahre bei den Männern, dann acht Jahre bei den Frauen. Jetzt sind Sie am Stützpunkt in Dortmund. Ist das eine Umstellung?
Man kann sich am Stützpunkt vielleicht ein bisschen mehr auf die Sportler konzentrieren. Aber wir haben eine sehr hohe Konzentration in Dortmund, und deshalb hat sich nicht sehr viel geändert für mich.
Haben Sie die Strukturreform nach dem enttäuschenden Abschneiden in Peking unterstützt?
Wir waren ja immer für diese Cheftrainer-Position und wollten, dass einer die Gesamtverantwortung hat. Es klappt sehr gut, wir arbeiten sehr gut zusammen. Dass es immer mal Diskussionen inhaltlicher Art gibt, ist doch klar.
Sie haben früher auch oft umbesetzt, und genau das wurde Ihnen 2000 zum Verhängnis. Der Achter hatte sich damals nicht für die Olympischen Spiele qualifiziert - und Sie waren Ihren Job los.
Auch vier Jahre zuvor hatten wir viel probiert und dann in Atlanta 1996 noch Silber geholt. Aber die Handschrift von Hartmut Buschbacher unterscheidet sich nicht groß von meiner damals. Wir haben früher über die Kleinboote ausgewählt, und das ist jetzt auch gemacht worden. Ich sage deshalb ja: Ich habe kein Problem damit.
Sie haben Ihre Versetzung zu den Frauen immer als Degradierung bezeichnet. Ist die Rückkehr zu den Männern deshalb eine Rehabilitierung?
Ich habe das nicht als Degradierung bezeichnet, ich weiß nicht, wer das getan hat. Es war einfach anders bei den Frauen. Klar, der Männer-Achter hat einen größeren Stellenwert. Aber der Wechsel nach den sehr erfolgreichen Jahren bei den Männern war nicht schlecht. Im Nachhinein muss ich sagen: Es war eine schöne Sache bei den Frauen.
Was ist denn anders bei den Frauen?
Das ist schwierig zu erklären. Innerhalb einer Frauengruppe gibt es eben eine andere Art von Dynamik.
Haben Sie etwas gelernt als Frauentrainer?
Gelernt wäre vielleicht etwas zu viel gesagt, aber vielleicht das: Wir Männern sind nicht so geübt, mit Emotionen umzugehen, wir zeigen sie nicht so.
Sie galten früher als harter Hund. Haben Sie sich also bei den Frauen den Ruf eines Gefühlsmenschen erworben?
Das weiß ich nicht, da müssten Sie die Frauen fragen. Aber bei den Männern fällt es mir vielleicht ein bisschen leichter, hart zu sein. Da ist die Sicherheit größer, denn ich bin mit den Männern groß geworden als Trainer.
Also haben Sie sich doch nicht verändert?
Vielleicht bin ich noch ein Stück konsequenter geworden.