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Roger Federer Rückkehr zur alten Leichtigkeit

31.08.2009 ·  Der große Favorit bei den US Open heißt wie selbstverständlich wieder Roger Federer. Die Zeit des Zweifelns aus dem vergangenen Jahr ist vorbei - die Branche verneigt sich wieder vor dem Maestro aus der Schweiz.

Von Peter Penders, New York
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Wer demnächst nach New York aufbricht, über ein wenig Kleingeld verfügt und auch noch ein ausgewiesener Sportsfreund ist, für den bietet das Fünf-Sterne-Hotel Carlyle ab Mitte September etwas ganz Besonderes: die Roger-Federer-Suite, in der der geneigte Gast dann auch sein Haupt in Daunenkissen betten kann, die mit den Initialen RF bestickt sind. Ansonsten aber, so weiß der „New York Observer“ zu berichten, könne man über die Einrichtung der Suite mit zwei Schlafzimmern und einem Wohnzimmer durchaus streiten. Teppiche in Leopardenmuster sind schließlich nicht jedermanns Sache.

Zu Beginn des Jahres wäre es sicher etwas schwerer gewesen für die findigen Marketingleute, die Idee mit dieser Suite im Carlyle durchzusetzen. Als der Schweizer nämlich im Januar im Finale der Australian Open dem Spanier Rafael Nadal unterlag, schienen die Positionen an der Spitze der Weltrangliste fürs erste geklärt. Vorne thronte Nadal, und aus dem einstigen unumschränkten Tenniskönig Federer war ein Kronprinz geworden, der sich langsam mehr um seinen zweiten Platz sorgen musste, als Pläne für eine mögliche Rückkehr an die Weltranglistenspitze zu schmieden. Doch genau dort steht Federer wieder, wenn er an diesem Montag in New York als Titelverteidiger bei den US Open antritt.

Federer hat eine Strecke von 33:1 Siegen hinter sich

Alles neu machte der Mai, der dafür sorgte, dass in diesem Fall bald alles wieder beim Alten war. Ausgerechnet bei der Premiere des Superturniers in Madrid gelang es dem Schweizer, Nadal endlich einmal wieder auf Sand zu besiegen und sich seinen ersten Turniersieg im Jahre 2009 zu holen. Es war ein Erfolg mit besonderer Wirkung: Seitdem hat Federer eine Strecke von 33:1 Siegen hinter sich, hat dabei mit dem Triumph bei den French Open seinen Karriere-Grand-Slam eingesammelt und sich in einem nervenaufreibenden Fünfsatzkrimi gegen den Amerikaner Andy Roddick auch den Titel in Wimbledon zurückgeholt (siehe: Tennis: Eine Niederlage bringt Roddick voran).

Es war sein 15. Triumph bei einem Grand-Slam-Turnier. Öfter hat noch kein anderer Spieler in der Geschichte dieses Sports bei den vier wichtigsten Veranstaltungen in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York gewonnen. Und der große Favorit bei den US Open heißt nun wie selbstverständlich wieder Roger Federer. Die Zeit des Zweifelns aus dem vergangenen Jahr ist vorbei - die Branche verneigt sich wieder vor dem Maestro aus der Schweiz.

Mit Frau und Zwillingstöchtern auf Tour

Natürlich war Federers Rückkehr zu alter Stärke auch durch das Fehlen seine großen Konkurrenten begünstigt. Rafael Nadal fehlte nach seinem überraschenden Ausscheiden in Paris knapp zehn Wochen, konnte seinen Titel in Wimbledon nicht verteidigen und rutschte so in der Weltrangliste mittlerweile gar auf den dritten Platz ab. Der Spanier kehrte erst beim Masters-Turnier Anfang des Monats in Montreal zurück, schied dort gegen den Argentinier Martin Del Potro im Viertelfinale aus. Eine Woche später erreichte er in Cincinnati schon wieder das Halbfinale, verlor aber gegen den serbischen Weltranglistenvierten Novak Djokovic.

In Cincinnati aber bewies Roger Federer, dass ihn auch eine ganz neue Rolle im Privatleben auf dem Tennisplatz nicht stoppen kann. Im Juli wurde er Vater von Zwillingstöchtern, und die gesamte Familie mit Ehefrau Mirka und dem Nachwuchs begleitet ihn nun auf seiner Amerika-Tour. Während er in Montreal noch überraschend nach einer 5:1-Führung im dritten Satz gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga verlor - seine einzige Niederlage seit Mai -, trumpfte der Schweizer danach in Cincinnati mit einer Dominanz auf, die an seine besten Tage erinnerte. Auf dem Weg zum Titel besiegte er mit Djokovic und dem Schotten Andy Murray seine beiden unterlegenen Finalgegner der US Open 2007 und 2008 jeweils glatt.

„Wenn das eine Krise ist, dann hätte ich gern auch eine“

Mit der Leichtigkeit von einst hat sich der Jungvater wieder an die Spitze der Weltrangliste festgesetzt. Einzig ein frühes Scheitern vor dem Achtelfinale in New York könnte ihn bei einem gleichzeitigen Sieg von Murray von dort wieder verdrängen. Auch wenn im Sport immer alles möglich scheint, an diese Möglichkeit nur zu denken fällt schwer. „Nach allem, was ich hinter mir habe, ist es ein großer Moment in meiner Karriere, dass ich wieder Erfolg habe“, sagt Federer.

Was er hinter sich hat, waren ungewohnte Niederlagen im Krisenjahr 2008, als er unter den Nachwirkungen einer Erkrankung am Pfeifferschen Drüsenfieber litt und sich Nadal gleichzeitig von Turnier zu Turnier steigerte. „Aber“, sagte der Amerikaner Andy Roddick schon im vergangenen Jahr über die vermeintliche Formschwäche von Federer, „wenn das eine Krise ist, dann hätte ich gern auch eine.“ Denn auch in seinem so enttäuschenden vergangenen Jahr erreichte der Schweizer das Halbfinale in Australien, scheiterte jeweils in Paris und in Wimbledon erst im Endspiel an Nadal und gewann die US Open.

Nun tritt er erstmals als Vater bei einem Grand-Slam-Turnier an, und mancher Protagonist wie John McEnroe hat nach der Geburt seines ersten Kindes nie wieder eins der vier großen Turniere gewonnen. Im Fall von Federer rechnet damit allerdings niemand. Er könnte nun in New York der erste Spieler seit Bill Tilden in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts werden, der zum sechsten Male nacheinander in New York gewinnt. Überraschen würde das mittlerweile niemanden mehr, aber wer hätte sich getraut, das alles im Januar vorherzusagen?

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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