http://www.faz.net/-gtl-923t0

Federer und Nadal : Ein Moment für die Ewigkeit

  • -Aktualisiert am

Zwei Spieler, ein Blick: Roger Federer (links) und Rafael Nadal. Bild: Reuters

Es war, als würde Whitney Houston dieses herzergreifende Tennis-Doppel besingen: Roger Federer und Rafael Nadal spielen Seite an Seite beim ersten Rod Laver Cup – und begeistern alle.

          Es gibt diese Augenblicke, in denen Whitney Houston quasi direkt vor einem steht. In einem glamourösen Kleid, als Beschwörerin ihres weltberühmten Refrains, der lauter und lauter wird: Give me one moment in time. Selbst Zeitgenossen, deren Hang zum Romantischen sich gewöhnlich in Grenzen hält, wirkten verzaubert und entzückt, als Rafael Nadal und Roger Federer an einem Samstagabend in Prag miteinander Doppel spielten. Als sie sich am Ende kurz in die Arme fielen und später, als sie zur mitternächtlichen Stunde zusammen auf dem Podium bei der Pressekonferenz saßen.

          Beim Galaabend ein paar Tage zuvor hatte Federer den besten Rivalen seiner Karriere mit den Worten auf der Bühne vorgestellt, er erinnere sich sehr gut an das erste Spiel gegen den Jungen aus Manacor anno 2004, der gekommen war, um ihn zu besiegen. In den gut 13 Jahren seither spielten sie 37 Mal gegeneinander, durchlebten diverse Phasen ihrer Beziehung und gewannen zusammengerechnet 35 Titel bei Grand-Slam-Turnieren. Der Junge aus Manacor überholte ihn irgendwann, er zog wieder vorbei, dann gerieten beide in Krisen, Nadal sicher mehr als Federer. Aber in den Gedanken vieler Leute gehörten sie immer irgendwie zusammen, Rafa und Roger. Obwohl sie Konkurrenten waren; die besten, die man sich vorstellen konnte.

          Nach diesem Doppel, das die Welt des Tennis mit Ungeduld erwartete, sagte Federer, Nadal werde für jetzt und immer sein Rivale sein, daran ändere dieses Spiel nichts. „Aber es war ein absolutes Vergnügen, den Tennisplatz mit Rafa auf derselben Seite des Netzes zu teilen. Zu wissen, dass du ihm in wichtigen Momenten vertrauen kannst, zu beobachten, wie er sich entscheidet, wie er denkt im Spiel. Diese Erinnerungen werde ich für immer mitnehmen.“

          Wer hätte sich die ganze Geschichte vor einem Jahr vorstellen können? Als keiner eine Ahnung hatte, wie die beiden die Zeit ihrer Verletzungen, die lange Pause überstehen würden? Dann stellten sie die Tenniswelt noch mal auf den Kopf, gewannen jeder zwei Grand-Slam-Turniere, Nadal kehrte an die Spitze der Weltrangliste zurück, Federer steht als Herausforderer direkt dahinter. In all den Jahren ihrer Rivalität, die ein großes Geschenk für die Welt des Tennis war, hatten sie beide immer mal kurz an ein gemeinsames Doppel gedacht.

          Es war das große Thema in der Woche des Laver Cups: Spielen sie zusammen oder nicht? Und es war bei beiden eine gute Portion Nervosität im Spiel. Natürlich wollten sie das Ding gegen die Amerikaner Jack Sock und Sam Querrey nicht vermasseln, zwei erstklassige Doppelspieler, auch um „Team Welt“ in der Gesamtwertung nicht näher an „Team Europa“ herankommen zu lassen. Leute, die nicht so viel vom Tennis verstünden, seien sicher der Meinung, die beiden Besten der Welt im Einzel müssten doch auch im Doppel zusammen fast automatisch die Besten sein, sagt Federer. „Aber so ist es ja nicht. Die anderen sind erstklassige Doppelspieler, und mein letzter Einsatz liegt so lange zurück, dass ich kaum noch weiß, wie ich am Netz reagieren muss.“

          Es wurde ein offenes, spannendes Spiel mit knalligen Vorhand-Passierbällen von Sock und starken Aufschlägen von Querrey, die den zweiten Satz gewannen. Aber wie es aussieht, wenn die Granden des Tennis vom vierten in den sechsten Gang beschleunigen, das war der Knüller im sogenannten Match-Tiebreak, als Nadal wie ein Rennwagen Richtung Ziel losschoss, Federer zur Begeisterung des Publikums hinterher. Es waren diese Minuten, in denen auch klarwurde, welche Rolle die Doppel auf der Tour spielen könnten, wenn die Großen zumindest hin und wieder dabei wären.

          Hinterher in der Pressekonferenz ging es zu später Stunde um die Frage, ob dieses irgendwie romantische, aber gleichzeitig sehr konkrete und inspirierende Doppel die beste Erinnerung an den ersten Laver Cups sein werde. Federer antwortete, es sei ein toller Abend gewesen mit großartigen Bildern und mit unterschiedlichen Fan-Gruppen, die diesmal auf derselben Seite standen. Aber es sei mehr als das. „Ich hätte es gern, wenn die Leute daran denken würden, dass wir nicht nur hier waren, um zusammen Doppel zu spielen, sondern dass es ein Fest war, bei dem wir das Erbe von Rod Laver gefeiert haben, mit Björn (Borg) und mit John (McEnroe). Für mich steht das im Vordergrund, aber es war ein Moment, der für uns beide sehr, sehr wichtig war.“ Ob es irgendwann eine Wiederholung geben kann? Wer weiß. Im nächsten Jahr wird wieder um den Laver Cup gespielt, dann in den Vereinigten Staaten, und wer möchte auch nur einen Cent darauf setzen, dass Nadal und Federer dann nicht dabei sind?

          One Moment in Time: die zwei Besten liegen sich in den Armen
          One Moment in Time: die zwei Besten liegen sich in den Armen : Bild: Reuters

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          SPD und Regierungsbildung : Stabile Gedanken

          Die Union blockt Forderungen der SPD schon jetzt ab. Das wird nicht einfach für Schulz. Immerhin vereint ihn ein stabiler Gedanke – ausgerechnet mit der CSU. Ein Kommentar.
          Schon das Software-Update aufgespielt?

          Diesel-Affäre : Zeit für Mogel-Volkswagen läuft ab

          Wer einen manipulierten Volkswagen besitzt, muss seine Ansprüche schnell geltend machen. Etliche auf Massenverfahren spezialisierte Kanzleien mahnen deshalb zur Eile.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.