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Roger Federer : Der Maestro schlägt zurück

Im grünen Bereich: Roger Federer ist 2014 konstant erfolgreich wie kein Zweiter Bild: dpa

Roger Federer war so gut wie abgeschrieben, aber jetzt ist alles drin – auch Platz eins in der Weltrangliste und der Titel bei den US Open, die an diesem Montag beginnen. Denn Federers Konkurrenten schwächeln.

          Es ist nur eine Zahlenspielerei, und vermutlich würde er sagen, dass ihn das alles nicht interessiere, weil er trotz seiner nachweislich großen Form nur von Spiel zu Spiel denke und jeden Gegner erst einmal besiegen müsse. Aber vor den US Open, die an diesem Montag beginnen, taucht auf dem nie endenden Markt der Prognosen eine Möglichkeit auf, die zu Beginn des Jahres jeder für absolut ausgeschlossen gehalten hätte: Sollte nämlich Roger Federer in zwei Wochen in New York, wo er in seiner Zeit als nahezu unbesiegbarer Spieler von 2004 bis 2008 fünfmal nacheinander gewann, tatsächlich die Trophäe zum sechsten Mal hochhalten (und Djokovic zuvor im Halbfinale scheitern), würde er den ersten Platz in der Jahres-Rangliste übernehmen. Anders als in der Weltrangliste, die jeweils die Ergebnisse der letzten 52 Wochen addiert, beginnt diese Wertung am 1. Januar stets bei null.

          Konstanter als der 33 Jahre alte Baseler hat 2014 bislang niemand gespielt – und da beide Ranglisten am Jahresende im selben Ergebnis münden, folgt logischerweise die große Frage: Kann Federer tatsächlich noch einmal die Nummer eins der Welt werden?

          Natürlich kann er – gewinnt er tatsächlich in New York, wird diese Möglichkeit in den Fokus rücken. In Normalfall würde das eine Menge Druck bedeuten, aber wer, wenn nicht Federer, würde diesen aushalten können? Die virtuelle Liste derer, die ihn schon abgeschrieben hatten, ist lang, und vermutlich würde außer eingefleischten Federer-Fans und den großen Konkurrenten Djokovic und Rafael Nadal jeder darauf stehen. Der Respekt der beiden großen Gegenspieler war stets immens, auch wenn er spätestens im vergangenen Jahr etwas nostalgisch verklärt wirkte.

          49 Siege in diesem Jahr

          Vor zwölf Monaten schien sich diese großartige Karriere schließlich unweigerlich einem unspektakulären Ende zu nähern, denn vor allem gegen die Spieler aus den Top Ten der Weltrangliste konnte der von Rückenproblemen geplagte Maestro nicht mehr gewinnen. Nur ein Erfolg gegen die absolute Weltspitze war ihm bis zu den US Open gelungen, und Federer musste lange um seinen Platz beim Saisonfinale der acht besten Spieler des Jahres in London bangen.

          2014 sieht das alles anders aus. Federer hat schon 49 Spiele in diesem Jahr gewonnen – vier mehr als in der gesamten vergangenen Saison. Zwölfmal ist es ihm gelungen, Gegner aus den Top Ten zu besiegen, und darunter war auch eine besondere Serie beim Masters-Turnier in Cincinnati, der letzten großen Generalprobe vor den US Open. Er besiegte nacheinander Andy Murray (Nummer 9), Milos Raonic (7) und David Ferrer (6). Das sei eine großartige Woche gewesen, sagte der Schweizer, der sich diesmal um die Abschlussfahrt nach London keine Gedanken machen muss. Zum 13. Mal nacheinander gehört er zum erlauchten Kreis der besten Spieler des Jahres. Damit überholt er Ivan Lendl, der von 1980 bis 1991 immer dabei gewesen war - eine weitere Bestmarke in der an Rekorden reichen Laufbahn des Schweizers.

          Schon fünf Mal küsste er diesen Pokal: Roger Federer gewann die US Open von 2004 bis 2008
          Schon fünf Mal küsste er diesen Pokal: Roger Federer gewann die US Open von 2004 bis 2008 : Bild: AFP

          Zu denen, die sich in Federer getäuscht hatten, gehört auch John McEnroe. Die amerikanische Tennislegende war vor ein paar Jahren schon einmal aufgrund der starken Konkurrenz durch Nadal und Djokovic überzeugt davon, dass der Schweizer den Grand-Slam-Rekord von Pete Sampras, der bei 14 Titelgewinnen stand, nicht würde brechen können. 2009 aber gewann Federer in Wimbledon seinen 15. Titel, dem er 2010 in Melbourne und 2012 abermals in Wimbledon Nummer 16 und 17 folgen ließ.

          Seine größten Konkurrenten schwächeln

          „Ich habe im vergangenen Jahr tatsächlich geglaubt, dass er keinen Grand-Slam-Titel mehr gewinnen würde“, sagt McEnroe nun, „aber er spielt wieder so großartiges Tennis, dass alles für ihn möglich ist.“ Dazu gehören neben der erstaunlichen Form und Fitness des beschwerdefreien Schweizers allerdings auch Schwächen seiner vermeintlich größten Konkurrenz.

          Nowak Djokovic schien nach dem Wimbledonsieg (gegen Federer) zuletzt von der Hochzeit mit seiner Langzeitfreundin Jelena Ristic und der bevorstehenden Geburt des ersten Kindes zumindest etwas abgelenkt. Andy Murray ist nach einer Rückenoperation von alter Form weit entfernt und auf den neunten Platz abgerutscht. Und Rafael Nadal wird in New York wegen seiner Verletzung am Handgelenk gänzlich fehlen. Gegen den Spanier hat Federer eine Bilanz von 10:23 und die letzten fünf Spiele verloren. Darunter war auch das Halbfinale der Australian Open im Januar, als Federer bis zum Aufeinandertreffen einen sehr guten Eindruck hinterlassen hatte, dann aber wieder einmal gegen die hoch abspringenden Topspin-Schläge des Spaniers kein Mittel gefunden hatte.

          Das Turnier in Cincinnati konnte Roger Federer für sich entscheiden. Triumphiert er auch bei den US Open?
          Das Turnier in Cincinnati konnte Roger Federer für sich entscheiden. Triumphiert er auch bei den US Open? : Bild: AFP

          Nein, er würde keinen Grand-Slam-Titel mehr gewinnen – das war die vorherrschende Meinung nach jenem Abend in Melbourne. Sieben Monate später sieht das alles anders aus, und das könnte auch an einem cleveren Schachzug gelegen haben. Damals begann die Zusammenarbeit mit Stefan Edberg. „Ich hoffe, wir können gemeinsam wieder sein bestes Tennis hervorbringen“, sagte der ehemalige Weltranglistenerste aus Schweden. Vielleicht wird es am Ende sogar das größte Jahr in der Karriere: Federer folgte dem Rat Edbergs und spielt die komplette Saison im Davis Cup. Direkt nach den US Open geht es in Genf an der Seite von Australian-Open-Sieger Stanislas Wawrinka gegen Italien um den Einzug ins Finale. Noch nie hat die Schweiz den Davis Cup gewonnen – diesmal ist sie Favorit.

          Quelle: F.A.S.

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