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Roger Federer Gut genug, um zu gewinnen?

31.05.2011 ·  Bei den French Open lebt Roger Federer in Frieden mit seinem Spiel, wie er sagt. Der Schweizer Maestro strahlt Zuversicht aus, doch die großen Prüfungen kommen erst noch. An diesem Dienstag trifft er im Viertelfinale auf Gael Monfils.

Von Thomas Klemm, Paris
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Familie Federer zeigt sich zufrieden. Mirka, die Ehefrau, sitzt auf der Tribüne, schaut dann und wann in den Pariser Himmel oder tippt gelegentlich Kurzmitteilungen in ihr Handy. Roger, der Ehemann, geht derweil unten auf dem Tennisplatz seiner Arbeit nach, schlägt sich bei den French Open ohne große Anstrengung und Aufregung über die Runden, weshalb auch die Gattin so gelassen dreinblicken kann. Den Zwillingstöchtern soll es unterdessen bei der Tagesmutter auch gut gehen, sie würden „täglich immer reizender“, wie Roger Federer sagt, weshalb das Glück in Frankreich bislang nahezu vollkommen erscheint: Spielt der Vater gut, freut sich die Familie. „Ich lebe derzeit in Frieden mit meinem Spiel. Ich glaube, es ist gut genug, um in diesem Jahr hier zu gewinnen“, sagt der Schweizer.

Gewinnen? Federer? In Roland Garros 2011? Fast die ganze Tenniswelt war von Turnierbeginn an anderer Meinung, sie tippte auf die beiden mit Abstand besten Profis dieser Saison: auf Rafael Nadal, den Titelverteidiger und Weltranglistenersten, und seinen seit November vergangenen Jahres ungeschlagenen Verfolger Novak Djokovic. Der Spanier ließ in den ersten Runden zwar jene Dominanz vermissen, die ihn in den vergangenen sechs Jahren zu fünf French-Open-Titeln geführt hatte. Doch der Serbe, in dieser Saison seit 41 Spielen und jahresübergreifend seit 43 Matches ungeschlagen, scheint derzeit unaufhaltbar. Federer müsste, sollte er das Viertelfinale gegen den Franzosen Gael Monfils an diesem Dienstag überstehen, aller Voraussicht nach beide Spitzenkräfte nacheinander bezwingen, um zum zweiten Mal nach 2009 in Roland Garros zu triumphieren - die aktuell größte anzunehmende Herkules-Aufgabe im Herrentennis. „Die Erwartungen an Novak und Rafa sind himmelhoch“, sagt Federer, „deshalb stehe ich ein wenig außen vor. Keinen Druck zu haben ist aber keine schlechte Situation für mich.“

Zwar war der Schweizer auch in den vergangenen Jahren nie als Favorit zu den French Open gereist, schließlich galt Nadal bei jeder Auflage als der unumstrittene Sandplatzkönig. Doch mit seiner Nebenrolle im Schatten von gleich zwei Matadoren musste sich Federer, der zum ersten Mal seit Wimbledon 2003 nicht zu den beiden topgesetzten Profis bei einem Grand-Slam-Turnier gehört, erst anfreunden. Anders als Nadal und Djokovic, deren Spiele mit schöner Regelmäßigkeit auf dem Centre Court angesetzt werden, ist der Weltranglistendritte in diesem Jahr zum Pendeln gezwungen: Das eine Mal darf er im großen Stadion Philippe Chatrier spielen, das andere Mal muss er auf den etwas kleineren Court Suzanne Lenglen ausweichen. „Natürlich hoffe ich, auf den Centre Court zurückzukehren“, sagt Federer. Das Pariser Publikum sähe seinen Liebling auch gerne im Mittelpunkt. Erst recht am Finalsonntag.

„Man weiß nie, was er als nächstes tut“

Eine Bestmarke hat der Grand-Slam-Rekordsieger bei diesen French Open immerhin schon gesetzt. Nach seinem Achtelfinalsieg gegen seinen Landsmann Stanislas Wawrinka hat Federer zum 28. Mal in Serie das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers erreicht und damit den Amerikaner Jimmy Connors hinter sich gelassen. „Das ist toll, aber für mich nur eine weitere Gelegenheit, einen Schritt weiterzugehen“, sagt der Neunundzwanzigjährige. Ein weiterer Schritt würde ein Halbfinalduell gegen Djokovic bedeuten. Der Weltranglistenzweite steht schon in der Vorschlussrunde, nachdem sein vorgesehener Viertelfinalgegner Fabio Fognini von einer Oberschenkelverletzung zum Rückzug gezwungen wurde.

Ob Federer einem Duell mit dem serbischen Seriensieger gewachsen wäre, erscheint trotz seines leichten Vorankommens fraglich. Anders als Djokovic, der unter anderen den Kanonier Juan Martin del Potro und den Künstler Richard Gasquet in meisterlicher Manier aus dem Weg räumte, musste Federer bei diesen French Open noch keine harte Prüfung bestehen. In seinen vier Matches blieb er ohne Satzverlust, was laut seinem vorletzten Gegner Janko Tipsarevic vor allem daran lag, dass sich der Schweizer jeweils schnell einen Vorteil erspielte: „Wenn er in Führung liegt, ist er ein völlig anderer Spieler, als wenn er den Kürzeren zieht“, sagte der serbische Davis-Cup-Sieger. „Wenn er vorne liegt und beim Aufschlag Selbstvertrauen hat, ist es schwer, gegen ihn zu spielen, weil man nie weiß, was er als Nächstes tut.“ Die demonstrative Lockerheit könnte aber schnell dahin sein, wenn die Gegenwehr größer wird.

Unermüdlich betont Federer, wie gut er sich körperlich fühle und dass er sich nach seinem French-Open-Sieg vor zwei Jahren nicht mehr beweisen müsse, dass er auf allen Belägen ein kompletter Spieler sei. „Es ist ein angenehmes Jahr“, sagt er, „was aber nicht heißt, dass ich jedes Mal erfolgreich bin.“ Wenn seine Ehefrau Mirka die Hände vom Handy nimmt und sie stattdessen während eines Spiels faltet, dann wird die Lage ernst für Roger Federer.

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Jahrgang 1966, Sportredakteur.

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