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Tennis-Comeback : Federer verzückt ganz Australien

  • -Aktualisiert am

Team Schweiz: Belinda Bencic (links) und Roger Federer. Bild: Getty

Seit dem Halbfinale in Wimbledon vor einem halben Jahr hat Roger Federer kein offizielles Tennis-Match bestritten. Nun ist er in Australien zurück auf dem Platz – und die Begeisterung kennt keine Grenzen.

          Im großen Ballsaal des Crown Hotel hatte die letzte halbe Stunde des Jahres begonnen, und beschwingt kehrte Roger Federer von der Tanzfläche zu Tisch Nummer vier zurück. Dort saß unter anderen des Schweizers Coach, Ivan Ljubicic, der zwar nur zwei Jahre älter ist als er selbst, in diesem Moment aber eher wie ein strenger Onkel wirkte. „Junge, was machst du hier?“, schien sein Blick zu fragen, als der Partner das Sakko des Smokings über die Stuhllehne hängte und die Fliege richtete, dabei war die Antwort doch offensichtlich. Federer amüsierte sich bei der Silvestergala in Perth, und dazu gehörte der ausgedehnte Ausflug auf die Tanzfläche, umschwärmt von jungen Kolleginnen wie Belinda Bencic, Kristina Mladenovic aus Frankreich und Daria Gavrilova, der kecken Australierin.

          Hätten die Organisatoren beim Hopman Cup, der inoffiziellen Mixed-Weltmeisterschaft, Tänze mit dem Meister in dieser Nacht versteigert - der Ballsaal wäre aus allen Nähten geplatzt. Zwei Tage vorher waren 6000 Leute zu einem öffentlichen Training, das Federer selbst vorgeschlagen hatte, in die Perth Arena gekommen, auf allen Plakaten und Fahnen prangt sein Bild, verbunden mit dem Slogan: Summers Biggest Hit.

          Und welche Rolle dieser Mann beim Turnier spielt, das am Neujahrstag begann, war auch der Ankündigung des Moderators bei der Gala zu entnehmen: „Begrüßen wir den großen Roger Federer und die anderen wunderbaren Teams.“ Später fügte er die Beschreibung hinzu, Federer sehe aus wie James Bond und habe ein Herz wie Mutter Teresa, und so hatte man zum Rinderfilet den Eindruck, als sei die allgemeine Bewunderung schwer zu steigern; Entzücken allerorten.

          Der Schweizer hatte im vergangenen Jahr mit Verletzungen zu kämpfen.
          Der Schweizer hatte im vergangenen Jahr mit Verletzungen zu kämpfen. : Bild: dpa

          Aber auch der Star des Ganzen macht den Eindruck, als könne er sich ein halbes Jahr nach seinem letzten offiziellen Spiel im Halbfinale von Wimbledon und nach seiner Regenerationspause nichts Besseres vorstellen, als endlich wieder dabei zu sein. Nicht nur beim Beach-Tennis wie ein paar Tage zuvor bei einem Termin am Strand von Cottesloe, einem der schönsten Stadtstrände Australiens.„Ganz ehrlich“, gestand Federer im Rahmen dieses Termins, bei dem die Farben seines gestreiften Polohemdes perfekt zur Farbe des Ozeans passten, „ich sehe es nicht so, als könne dies mein letzter Trip nach Australien sein, obwohl das natürlich sehr gut möglich ist. Der Plan ist, hoffentlich noch zwei bis drei Jahre spielen zu können, nicht nur sechs Monate.“

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          Keiner weiß, was dabei herauskommen kann, auch er selbst nicht. In einem Interview mit der „New York Times“ hatte er kurz vor Weihnachten gesagt, es gehe ihm wirklich gut, aber seine Erwartungen seien niedrig, weil er ja keinerlei Matchpraxis habe. „Ich weiß nicht, was ich von mir erwarten soll, die Zuschauer werden es nicht wissen und auch meine Gegner nicht. Und diese Dreierkonstellation wird ziemlich spannend sein.“ Erste Hinweise sind in dieser Woche in Perth zu erwarten, Genaueres wird man wohl erst nach den Australian Open Mitte bis Ende Januar in Melbourne wissen.

          Federer sagt, der Hopman Cup mit seinem Spielsystem biete ihm einen idealen Einstieg; bei einem ATP-Turnier hätte er bei einer Niederlage zum Auftakt nur einen kurzen Einstieg gehabt, in Perth aber wird er in der Gruppenphase garantiert drei Einzel und drei gemischte Doppel mit Partnerin Belinda Bencic spielen. Los ging es am Montag mit der Partie gegen den Briten Dan Evans, Nummer 66 der Welt, die Federer souverän in nur einer Stunde mit 6:3, 6:4 gewann. Konkretere Einsichten dürften dem zweiten Spiel am Mittwoch in der Partie gegen Deutschland mit Alexander Zverev zu entnehmen sein, gegen den er im vergangenen Jahr einmal verloren hatte.

          Zuletzt sah man Federer eher abseits des Tennis-Courts.
          Zuletzt sah man Federer eher abseits des Tennis-Courts. : Bild: AFP

          Nach der ausgedehnten Zeit des Trainings kann man davon ausgehen, dass er fitter denn je sein wird. Federers langjähriger Konditionstrainer Pierre Paganini hatte vor ein paar Wochen in einem Interview mit dem Zürcher „Tages-Anzeiger“ von der Arbeitsmoral seines Klienten geschwärmt. „Er ist niemandem etwas schuldig, arbeitet aber jeden Tag, als ob er allen etwas schuldig wäre. So seriös, so intensiv und trotzdem locker. Seine Leidenschaft für das Training und das Tennis war zuletzt vielleicht noch größer, als ich je gedacht hatte. Wenn einer wie er, der so gerne Tennis spielt und fast sechs Monate keine Turniere bestreiten kann, jeden Tag mit einem Lächeln ins Training kommt, ist das mehr als Leidenschaft.“ Dazu gehört, dass es offenbar nie eine Phase der Entfremdung gab. Federer sagt, in der Zeit seiner Pause habe er das Geschehen im Tennis mit größerem Interesse verfolgt, als er sich das vorgestellt hatte; öfter als gedacht checkte er den Stand der Spiele im Internet.

          Beim Hopman Cup in Perth will der Schweizer wieder angreifen.
          Beim Hopman Cup in Perth will der Schweizer wieder angreifen. : Bild: AP

          Natürlich geht es bei der ganzen Geschichte nicht nur darum, irgendwie mitzuspielen. Wer wie er 17 Grand-Slam-Titel und damit mehr als jeder andere Spieler in der Geschichte des Tennis gewonnen hat, der trainiert nicht, um nur in der dritten Runde eines Turniers zu landen. Den letzten der 17 Titel gewann er in Wimbledon 2012, die letzten Finals erreichte er 2015 in Wimbledon und bei den US Open, verlor aber in beiden Fällen gegen Novak Djokovic, den Herrscher des Tennis seinerzeit. Inzwischen ist Andy Murray die Nummer eins, Sir Andy, um genau und aktuell zu sein, über den Federer sagt, er habe es geschafft, sich irgendwie neu zu erfinden, wonach selbst die Besten streben sollten.

          Das ist der eine Teil der Geschichte. Im anderen geht es um eine Kollektion intensiver Momente, die in welcher Form auch immer mit diesem Spiel zu tun haben. Der letzte Tanz steht noch nicht auf dem Programm.

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          Quelle: F.A.Z.

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