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Roger Federer Geliebte Schwierigkeiten

Einer bedrohlichen Auslosung zum Trotz ist Roger Federer bei den Australian Open alles zuzutrauen. „Ich bin viel fitter als vor ein paar Jahren“, sagt der Schweizer, der zum 39. Mal das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers erreicht.

© dpa Vergrößern Von wegen Blaumacher: Roger Federer bleibt auf der Höhe seiner Tenniskunst

Es ist ein paar Tage her, da kehrte die australische Sommerhitze für 24 Stunden noch einmal nach Melbourne zurück. Das Thermometer kletterte auf 40,8 Grad Celsius, und dann geschah tatsächlich etwas Ungewöhnliches: Roger Federer schwitzte, sein Polohemd zeigte deutlich feuchte Stellen, und die Großaufnahme im Fernsehen offenbarte dann sogar ein paar Schweißtropfen im Gesicht des Schweizers. Auch bei dem für viele besten Spieler, den dieser Sport je hervorgebracht hat, hinterlassen die Anstrengungen also gelegentlich Spuren - wobei es ohne die Hitze vermutlich nicht zu diesem außergewöhnlichen Zwischenfall gekommen wäre.

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Entgegen mancher Befürchtungen seiner Fans, die beim Blick auf die Auslosung dieser Australian Open zunächst einen Schreck bekommen hatten, wirkt ihr Liebling nämlich in diesen Tagen ganz so, als könne ihn nichts aus der Ruhe bringen - und schon gar nichts aus der Spur. Weder der einheimische Jungstar Bernard Tomic in der dritten Runde noch nun im Achtelfinale der ob seines noch gewaltigeren Aufschlages gefürchtete Kanadier Milos Raonic waren eine echte Gefahr. Eine nette Herausforderung, das schon - schönen Dank, der Nächste bitte.

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Es gibt ja nicht viele Bestmarken, die der Schweizer noch nicht hält in den Statistiken dieses Sports, und die letzten weißen Flecken werden nun nach und nach wohl auch noch getilgt. Mit dem beeindruckenden Dreisatzerfolg über Raonic (6:4, 7:6, 6:2) zog Federer nun zum insgesamt 39. Mal in ein Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers ein. Allein Jimmy Connors war mit insgesamt 41 Teilnahmen bislang noch erfolgreicher. Der Amerikaner war 1991 allerdings auch schon 39 Jahre alt, als ihm dies bei den US Open in New York zum letzten Male gelang (er kam damals sogar ins Halbfinale). Für Federer war dies obendrein nun der 35. Einzug in ein Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers nacheinander - 2004 scheiterte er zuletzt in Paris bei den French Open am Brasilianer Gustavo Kuerten.

Roger Federer of Switzerland hits a return to Milos Raonic of Canada during their men's singles match at the Australian Open tennis tournament in Melbourne Federer ist nicht nur elegant, sondern auch gut zu Fuß: „Ich bin viel fitter als vor ein paar Jahren“ © REUTERS Bilderstrecke 

Ob der 20 Jahre alte Tomic und der ein Jahr ältere Raonic tatsächlich geglaubt hatten, sie würden dem vergleichsweise alten Mann die Show stehlen können? Wenn ja, wurde ihnen dieser Zahn schnell gezogen - an der vermeintlich schweren Auslosung scheint der Schweizer sogar mehr Gefallen gefunden zu haben, als etwa an einem einfachen Weg mit leichten Siegen in die nächsten Runden. „Das hat sehr viel Spaß gemacht, gegen die beiden zu spielen“, sagte er, wirkte nicht besonders angestrengt, dafür aber sehr zufrieden mit sich.

Immer wieder neu erfunden

Er ist offenbar bereit für mehr und geht die ganze Geschichte mit der Gelassenheit eines Spielers an, der ohnehin schon alles gewonnen hat. Noch vor genau einem Jahr waren sich viele Experten einig, dass es für den Schweizer sehr schwer werden könnte, vielleicht sogar zu schwer, noch einen weiteren Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Im Halbfinale war er in Melbourne Rafael Nadal in vier Sätzen unterlegen gewesen, und vor allem der unbedingte Siegeswille und die Physis des Spaniers schien ihn dabei zermürbt zu haben. Soviel Hingabe wie Nadal und der spätere Sieger Djokovic danach in ihrem knapp sechsstündigen Finale zeigten, würde Federer nicht mehr aufbringen können, soviel schien klar. Aber wie man weiß, kam alles anders, ganz anders.

Federer setzte im Frühjahr zu einer verblüffenden Siegesserie an, die zu einer Krönung der besonderen Art ausgerechnet in Wimbledon führte. Er gewann seinen 17. Grand-Slam-Titel, und er übernahm tatsächlich wieder die Führung in der Weltrangliste. Damit war eine weitere Bestmarke gefallen - länger als der Schweizer (302 Wochen) stand keiner an der Spitze der Weltrangliste.

Fast nach Australien ausgewandert

Federer hat sich in dieser langen Zeit immer wieder neu erfunden - das hat er mit vielen gemein, die sich lange an der Spitze ihres Sports gehalten haben. „Ich bin viel fitter als vor ein paar Jahren“, sagt er, und offenbar weiß er genau, wie er seinen Körper und auch seinen Kopf auf solche Höchstleistungen vorbereiten kann. Im Dezember unternahm er mit anderen Profis wie Jo-Wilfried Tsonga - seinem Viertelfinalgegner an diesem Mittwoch - Tommy Haas und Juan Martin Del Potro eine Südamerikatournee durch Argentinien, Kolumbien und Brasilien und sprach danach von einem einzigartigen Erlebnis. Und natürlich bleibt der Schweizer auch ein Marketingexperte in eigener Sache.

Die Australier lieben den viermaligen Sieger ihrer Australian Open ja ohnehin, doch obwohl er schon seit Juniorentagen nach down under reist, gibt es gelegentlich immer noch Neues zu erfahren. „Als ich 13 Jahre alt war, wäre ich mit meinen Eltern fast nach Australien ausgewandert“, erzählte er in seiner Auftaktpressekonferenz, „aber als mein Vater doch entschied, in der Schweiz zu bleiben, habe ich geweint“. Vermutlich sind beim Gedanken daran, wie das australische Tennis heute mit ihm dastünde, da auch einigen im australischen Verband die Tränen gekommen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 22.01.2013, 16:09 Uhr

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