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Robin Söderling : „Ich spiele ja nicht, um Freunde zu finden“

  • -Aktualisiert am

Bei den Kollegen nicht beliebt, aber warum sollte Robin Söderlings Siegesserie vorbei sein? Bild:

Beliebt ist der Schwede Robin Söderling bei seinen Kollegen nicht unbedingt. Mit dem Erreichen des Halbfinales bei den French Open in Paris hat er aber eine neue Tenniswelle in Schweden ausgelöst.

          Zumindest einen neuen Freund hat Robin Söderling während dieser French Open gewonnen: Björn Borg. Der 52-jährige Schwede bedankte sich bei seinem 24 Jahre alten Landsmann nach dessen Coup gegen Rafael Nadal per SMS und kündigte sein Erscheinen für das Halbfinale am Freitag gegen den Chilenen Fernando Gonzales an, was Söderling stark beeindruckte: „Das ist riesig für mich, er ist schließlich vielleicht der größte Tennisspieler aller Zeiten.“

          Dank Söderlings überraschenden Viersatzsiegs im Achtelfinale gegen Rafael Nadal teilt sich Bjorg weiter den Rekord von vier Siegen hintereinander beim wichtigsten Sandplatzturnier der Welt mit dem 23-jährigen Mallorquiner. Ansonsten aber hat Söderling außer dem Finnen Jarkko Nieminen wenige Kollegen, die ihm wohlgesinnt sind. Die anderen Profis erinnern sich noch zu gut daran, dass sich Söderling bei Netzrollern früher nie entschuldigte. Nadal nimmt ihm immer noch übel, dass er ihn vor zwei Jahren im fünften Satz ihres epischen Wimbledonmatches nachäffte und sich wie er vor jedem Ballwechsel an der Unterhose zupfte.

          Schnellverfahren gegen Dawidenko

          Die fehlende Beliebtheit im Kollegenkreis ficht Söderling nicht sonderlich an: „Früher war ich auch noch häufig mit den anderen Schweden zusammen. Doch mittlerweile gibt es ja kaum noch Landsleute auf der Tour. Aber ich spiele ja auch nicht Tennis, um Freunde zu gewinnen. Ich spiele Tennis, um zu gewinnen.“ Das hat der 25. der Weltrangliste in Paris eindrucksvoll getan, zuletzt am Dienstag, als er wenig Rücksicht darauf nahm, dass sein Gegner Nikolai Dawidenko an diesem Tag seinen 28. Geburtstag feierte. Er fertigte den Russen, immerhin ein Mann, der bereits zwei Mal im Halbfinale der French Open gestanden hatte, mit gnadenlosem Powertennis im Schnellverfahren ab: 6:1, 6:3 und 6:1 in nur 1:41 Stunden.

          Fast allein auf der Tour: Robin Söderling ist der einzige schwedische Weltklassespieler
          Fast allein auf der Tour: Robin Söderling ist der einzige schwedische Weltklassespieler : Bild: AP

          Im Halbfinale am Freitag trifft er auf einen Kollegen, der mit mindestens ebenso viel Gewalt auf den Ball einprügelt, auf Fernando Gonzales. „Keiner schlägt den Ball mit der Vorhand härter als Fernando“, sagte Andy Murray voller Respekt. Der 28-jährige Chilene hielt sich mit dem schottischen Weltranglistendritten beim 6:3, 3:6, 6:0, 6:4 und einer Spielzeit von 2:15 Stunden ebenfalls nicht über Gebühr auf. Aber das war keine so große Überraschung. Denn in diesem Match zeigte sich ganz deutlich, wer sich auf rotem Ziegelmehl wohl fühlt. Der Südamerikaner hat von seinen 212 Sandplatzpartien als Profi mehr als 70 Prozent gewonnen. Die große britische Hoffnung dagegen hat auf diesem „langsamen“ Untergrund noch Nachholbedarf: Nur bei 37 von bisher 260 Matches auf der ATP Tour hatte er Sand unter den Füßen – mit einer bescheidenen Erfolgsquote von knapp fünfzig Prozent.

          Der gute Einfluss des Trainers

          Auch Söderling galt lange Zeit nicht als Sandplatzspieler. „Wenn man mich vor vier Jahren gefragt hätte, hätte ich gesagt, ich erreiche niemals das Halbfinale in Paris“, erzählt Söderling, aber mit den Jahren hat er auch seine Liebe zum roten Untergrund entdeckt: „Von Jahr zu Jahr habe ich besser auf Sand gespielt. Ich spiele jetzt gern auf allen Böden. Es gibt keinen Boden, der mir nicht liegt. Meine besten Erfolge hatte ich sicherlich in der Halle, aber Sand ist schon mein zweitliebster Untergrund.“

          Das hat auch damit zu tun, dass ihm seit einigen Jahren Magnus Norman als Trainer zur Seite steht. Norman, der wie Söderling in Monaco lebt, verlor vor neun Jahren das Finale im Pariser Stade Roland Garros gegen den Brasilianer Gustavo Kuerten in vier Sätzen. Norman hat nicht nur dafür gesorgt, dass Söderling seinen Oberkörper im Fitness-Studio stählt, drei bis vier Kilo an Muskelmasse zulegte und damit seine Verletzungsanfälligkeit reduzierte. Vor allem hat Norman ihm auch seine Unsportlichkeiten weitgehend ausgetrieben.

          Ärger beim schweidschen Fernsehen

          In Schweden, wo man zuletzt mit Thomas Johansson bei den Australian Open 2002 einen Grand-Slam-Champion feierte, sorgt Söderling für eine neue Tennisbegeisterung. Als sich der Sportsender Eurosport bei den Matches des neuen Lieblings gegen Nadal und Dawidenko ausblendete, um den Giro d’Italia zu übertragen, wurde der Sender mit Anrufen erboster Tennisfreunde überschwemmt.

          Söderling ist zwar kein Mann der großen Töne, aber dass er nach Siegen gegen die viel höher eingeschätzten Spanier David Ferrer und Nadal sowie gegen Dawidenko vor Selbstvertrauen strotzt, ist verständlich: „Ich hatte keine leichte Auslosung und habe drei phantastische Partien gespielt.“ Die Frage, die er im Raum stehen ließ, lautete: Warum soll es damit vorbei sein?

          Quelle: F.A.Z.

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