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Robin Söderling Die Sternstunde vergessen

25.05.2010 ·  Der Schwede Robin Söderling will nicht mehr an den Coup seines Lebens erinnert werden. Dabei ist er durch seine Sternstunde gegen Nadal erst zu einer festen Tennisgröße geworden. Bei den French Open rangiert er auf Position 5 der Setzliste.

Von Wolfgang Scheffler, Paris
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Manchmal genügt ein Match, um einer Karriere den entscheidenden Kick zu geben. Am Pfingstsonntag vergangenen Jahres rüttelte Robin Söderling die Tenniswelt auf. Der mittlerweile 25-jährige Schwede schlug im Achtelfinale der French Open Rafael Nadal. Der Spanier kassierte nach 31 Siegen die erste Niederlage im Stade Roland Garros. Der haushohe Titelfavorit musste nach vier Triumphen beim wichtigsten Sandplatzturnier der Welt als Branchenprimus erstmals vorzeitig abreisen - heimgeschickt von einem damals in der Weltrangliste auf Platz 25 notierten Fahrensmann, der bei 21 Grand-Slam-Turnieren zuvor nie über die dritte Runde hinausgekommen war; in vier Sätzen besiegt von einem Kollegen, dem er noch vier Wochen zuvor in Rom mit 6:1, 6:0 eine Lehrstunde in Sachen Sandplatztennis erteilt hatte. „Das ist der größte Moment meiner Karriere. Daran werde ich mich bis ans Ende meines Lebens erinnern“, sagte der Überraschungssieger damals.

Ein Jahr später mag Söderling nicht mehr an den Coup seines Lebens erinnert werden: „Ich denke so gut wie nie daran. Ich habe mir nicht einmal ein Video des Spiels angesehen. Besonders Ende des vergangenen Jahres konnte ich es fast schon nicht mehr hören. Überall, wo ich auftauchte, sagten die Leute: ,Das ist der Mann, der Nadal in Paris geschlagen hat.' Man spielt so viele Matches, und man ist immer nur so gut wie das letzte Match.“

Das jüngste Match, das 384. seiner Profikarriere, hat der 1,93 Meter große Wahlmonegasse gewonnen. Am Pfingstsonntag besiegte er zum Auftakt der French Open 2010 den Franzosen Laurent Recouderc, der nur dank einer Wildcard mitspielen durfte, im Eilverfahren 6:0, 6:2 und 6:3 - ein standesgemäßer Sieg, denn Söderling hat sich längst in der Weltspitze etabliert.

Zu einer festen Größe gemausert

Er zog im Vorjahr nicht nur ins Endspiel im Stade Roland Garros im Pariser Bois de Boulogne ein, sondern gewann wenig später auch noch seinen ersten Titel auf Sand im schwedischen Seebad Bastad. Sowohl in Wimbledon als auch bei den US Open erreichte er das Viertelfinale und verlor beide Partien wie schon das Pariser Endspiel gegen den Schweizer Maestro Roger Federer.

Am Ende des Jahres wiederholte Söderling bei seiner ersten Teilnahme an den ATP World Tour Finals in London, dem Saisonfinale der acht Saisonbesten, nicht nur den Triumph gegen den Weltranglistenzweiten Nadal, sondern besiegte auch noch den Serben Novak Djokovic, den Dritten der Hackordnung. Das Jahr 2010 begann der Schwede mit dem ersten Erfolg gegen Federer - im 13. Anlauf. Diese Auftritte und ein weiterer Turniersieg im Frühjahr in Rotterdam sichern Söderling einen festen Platz in der Elite. Derzeit wird er auf Platz sieben der Weltrangliste geführt, so hoch wie nie zuvor.

Auf Rang fünf in der Setzliste der French Open

Auch wenn es Söderling nicht mehr so gerne hört, die Beweislage ist eindeutig: Die Sternstunde gegen Nadal hat alles geändert. Der einstige Mitläufer und Hinterbänkler hat sich zu einer festen Tennisgröße gemausert. „Bis zum Vorjahr war ich damit zufrieden, unter den Top 100 zu sein“, sagt Söderling „nur mein Coach Magnus Norman hat immer wieder gesagt, dass ich mehr erreichen kann.“ Dass Nadal damals müde war, dass der Mallorquiner unter Kniebeschwerden litt, die ihn nach dem Turnier in Paris zu einer zweimonatigen Pause zwangen, das alles wusste Söderling nicht. Der Außenseiter spielte, wie er damals sagte, einfach so unbeschwert wie im Training.

Er dominierte die Partie mit seinen gewaltigen Aufschlägen und hetzte den Favoriten mit seinen harten Grundschlägen über den Platz. „Dieser Sieg hat mir viel Selbstvertrauen gegeben“, sagt Söderling. Vor allem vermittelte er ihm die Erkenntnis, als Hallenspezialist auch auf roten Ascheplätzen mit den Besten der Welt mithalten zu können. Mittlerweile reklamiert er für sich sogar eine Eigenschaft, die alle großen Spieler auszeichnet: „Ich gewinne auch, wenn ich nicht mein bestes Tennis spiele. Auch Roger und Rafa spielen vielleicht nur fünfmal im Jahr auf ihrem absoluten Topniveau - und gewinnen trotzdem fast alle ihre Matches.“

„Zehn Spieler können die French Open gewinnen“

Söderling wird in der Setzliste der French Open in diesem Jahr auf Rang fünf geführt, da der argentinische US-Open-Sieger Juan Martin del Potro und der Russe Nikolai Dawidenko wegen langwieriger Verletzungen fehlen. „Mindestens zehn Spieler können in diesem Jahr die French Open gewinnen“, behauptet Söderling, Dass er sich zu diesem Kreis zählt, muss er nicht einmal explizit sagen. Eine Neuauflage gegen Nadal könnte es in diesem Jahr erst im Endspiel geben. Aber zuvor müsste Söderling, falls die Setzliste Recht behält, Federer im Viertelfinale ausschalten. „Natürlich ist Rafa der Topfavorit. Er ist der Beste auf Sand. Aber niemand kann immer gewinnen, nicht einmal Roger und Rafa“, fügt Söderling an.

Worte eines Mannes, der vor einem Jahr demonstriert hatte, dass im Tennis jede Siegesserie einmal zu Ende geht - und manchmal sogar dann, wenn es niemand erwartet, beendet von einem Profi, dem es niemand zugetraut hätte.

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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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