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Zehnkampf in Ratingen : Freimuth scheitert nur am Hausrekord

Grund zum Jubeln: Rico Freimuth ist bei der WM einiges zuzumuten. Bild: dpa

Der Zehnkämpfer erzielt in Ratingen mit 8663 Punkten eine Jahresweltbestleistung. Das macht Hoffnung für die WM. Auch Kai Kazmirek sichert sein Ticket.

          Auch wer als Weltbester ins Ziel kommt, kann sich noch Luft zur Verbesserung offen halten. 8663 Punkte hatte Rico Freimuth aus Halle am Ende eines hervorragenden Zehnkampfes beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen gesammelt. Doch die erste Gratulation zu seiner Jahresweltbestleistung konterte der Wochenendsieger mit einem Vergleich: „Es sind vier Punkte weniger, als mein bester Freund gemacht hat. Michael Schrader, der da steht.“

          Genau genommen sind es sogar sieben, denn Schrader, der WM-Zweite von 2013, hat einst in Moskau 8670 Punkte gesammelt. Freimuth selbst war 2015 WM-Dritter und beide bilden wohl die stärkste Wohngemeinschaft der Zehnkampfgeschichte. Allerdings ist Schrader nach einem Totalschaden im Knie derzeit nur Zuschauer – und wird es trotz aller Reha-Bemühungen auch noch eine Weile bleiben. „Nicht mal Alltagssport geht“, sagte er am Rande von Ratingen, und zählte auf, was bei einem Trainingsunfall alles kaputt ging: Patellasehne, Außenband, Innenband und Meniskus gerissen. Das Schienbein war auch gebrochen.

          Zur Weltmeisterschaft nach London geht der 29-Jährige trotzdem, als Experte fürs ZDF. Dort wird er kommentieren, was seine Kumpels und Teamkollegen im Zehnkampf so bewerkstelligen. Nach seinem Eindruck vom Wochenende traut er Nico Freimuth „ziemlich viel“ zu, und auch mit Kai Kazmirek (LG Rhein/Wied), dem Tagesdritten, sei zu rechnen. Kazmirek kam in Ratingen mit 8478 Punkten hinter Kurt Felix aus Grenada (8509) ins Ziel und löste damit als dritter Deutscher das Ticket für London.

          Das mit Spannung erwartete Duell um diesen letzten WM-Platz dauerte in Ratingen nur knapp vier Disziplinen. Nach dem Hochsprung, bei dem er in 1,86 Meter schon unter den Erwartungen geblieben war, musste Arthur Abele (Ulm), geplagt von Schmerzen an der rechten Achillessehne, seinen Wettkampf aufgeben. Die Bahn war frei für Kazmirek, der zu diesem Zeitpunkt schon mit 3:1 Disziplinsiegen gegen seinen Konkurrenten führte. Oder mit 3464 gegenüber 3196 Punkten, um den Abstand zwischen den beiden in der offiziellen Wertung auszudrücken.

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          Der Olympia-Vierte Kazmirek und der Ratingen-Titelverteidiger Abele, beide ausgewiesene Meister des Mehrkampfs, hatten einen Kopf-an-Kopf-Zweikampf angekündigt, nachdem beide den Saisonauftakt in Götzis verpasst hatten. Der 26-jährige Kazmirek musste Ende Mai wegen einer Bänderdehnung aussetzen, der vier Jahre ältere Abele lag wegen einer Mandelentzündung flach. Da ihre Konkurrenten Freimuth mit 8365 Punkten und Mathias Brugger (Ulm) mit 8294 Punkten die WM-Norm (8100) deutlich übertrafen, blieb nur noch ein Startplatz offen.

          Doch auch wenn sein Rivale früh ausgeschieden war, und er selbst sich in guter Form zeigte, blieb Kazmirek in Ratingen lange skeptisch, ob es für ihn reichen würde. Schließlich zählen beim Zehnkampf am Ende keine Hochrechnungen, sondern nur die nackte Gesamtpunktzahl nach dem 1500-Meter-Lauf. „Drei Sachen muss ich noch machen“, sagte er nach sieben Disziplinen. „Die letzten beiden habe ich im Griff, aber im Stabhochsprung kann immer was passieren.“ Es passierte nichts, zumindest nichts schlimmes. Im Gegenteil: Kazmirek meisterte souverän die Tagesbestmarke von 5,20 Meter und sicherte sich damit nicht nur den Disziplinsieg, sondern auch die Aussicht auf ein tolles Gesamtergebnis.

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          „Dass es so gut läuft, hätte ich gar nicht so erwartet“, sagte der Mann aus Neuwied, daran änderte auch ein schwächerer Speerwurf nichts mehr. Schließlich konnte er von den vier Wochen seit seiner Verletzung drei Wochen lang nur Reha machen. Die eine verbliebene Woche Training reichte dann aber offenbar, um das vorher Aufgebaute abzurufen, und es zeigt, auf welch hohem Niveau auch er sich bewegt. Für Götzis hätte er sogar 8700 Punkte prognostiziert.

          Mann des Tages war aber zweifellos Rico Freimuth. Der Hüne aus Halle konnte dank seiner Vorleistung unbeschwert antreten. Und das merkte man ihm auch an. Von Anfang an, einem 10,44-Sekunden-Sprint über 100 Meter, führte Freimuth das Feld an. Mit einer Bestleistung im Weitsprung baute er seine Spitzenposition aus: Der 29-Jährige steigerte sich um fünf Zentimeter auf 7,60 Meter. Beim Hochsprung übertraf er dann erstmals in seiner Karriere die Zwei-Meter-Marke – mit einem Sprung über 2,01. Und im Diskuswerfen schleuderte er die Zwei-Kilo-Scheibe schließlich auf 51,56 Meter. Damit übertraf er nicht nur sich selbst um gut einen Meter, sondern auch seinen Vater Uwe um zwei Zentimeter. „Es war auch wirklich Zeit, dass er endlich meine Bestleistung übertrifft“, sagte der Altmeister auf der Tribüne. Sein Hausrekord von 8792 Punkten blieb allerdings ungebrochen. In 4:37,04 Minuten zeigte Freimuth Junior schließlich einen beherzten Lauf über 1500 Meter – am Ende hatte er genug Punkte gesammelt, um als Weltbester und Medaillenkandidat nach London reisen zu können.

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