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Rhein-Neckar Löwen Stürmisch mit Schnauzbart

 ·  Der THW Kiel hat einen Herausforderer: Die Rhein-Neckar Löwen erringen den zehnten Saisonsieg in der Handball-Bundesligaund führen die Tabelle an - mutige Sprüche in Richtung des Serienmeisters bleiben aber aus.

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An Uwe Gensheimer gab es an diesem Abend wenig auszusetzen. Zumindest sportlich betrachtet. Zwölf Tore warf der 26 Jahre alte Linksaußen am Mittwochabend beim überzeugenden 30:23 seiner Rhein-Neckar Löwen in Hamburg. An der eigenen Optik muss Gensheimer allerdings noch ein bisschen feilen - fand zumindest Nationalmannschaftskollege Johannes Bitter. Der derzeit noch verletzte Torwart des HSV Hamburg gratulierte Gensheimer artig für die starke Leistung, rief ihm dann im Vorbeigehen aber zu: „Der Schnauzbart geht gar nicht.“

Die Frotzelei unter Handballspielern ertrug Gensheimer mit einem Lächeln. Er stellt die behaarte Oberlippe seit dem Sommer zur Schau und findet diesen Look gut. Den Hamburgern blieb wenig anderes übrig, als sich mit Nebensächlichkeiten aufzuhalten. Denn die Löwen aus Mannheim hatten an diesem Abend vor 9000 Zuschauern in der Arena am Volkspark alles im Griff. Im Stile einer Spitzenmannschaft stürmte das von Trainer Gudmundur Gudmundsson hervorragend eingestellte Team zum zehnten Saisonsieg und verteidigte die Tabellenführung, einen Punkt vor dem THW Kiel liegend. Die Kieler besiegten die SG Flensburg-Handewitt am selben Abend 34:27.

Die Freude über den ersten Sieg beim HSV war allen Löwen anzusehen. Doch wer auf mutige Sprüche Richtung Kiel Richtung Meisterschaft wartete, wurde enttäuscht. „Der THW ist weit weg“, sagte Gensheimer, „sie sind der haushohe Favorit.“ In Wahrheit sind die Löwen in dieser Verfassung ganz nah dran, dem Krösus Probleme zu bereiten, denn ihre erste Sieben harmoniert prächtig, und in Niklas Landin steht der derzeit formstärkste Torwart der Bundesliga in ihrem Gehäuse.

Mannschaft der Stunde, aber nicht kommender Meister

Landins Paraden und die Fähigkeiten der neuen Rückraumspieler Kim Ekdahl du Rietz und Alexander Petersson haben Gudmundssons Team auf eine höhere Qualitätsstufe gehoben. „Im Angriff ist durch sie vieles einfacher geworden“, schwärmte Gensheimer von den aus Nantes und Berlin geholten Kollegen. Früher war bei den Rhein-Neckar Löwen alles auf die Wurfkraft Karol Bieleckis ausgelegt. Nun plötzlich ist ein Team voller Spielfreude zu bestaunen, das es oft über die Außen und den Kreis versucht.

Allerdings reißt es bei den Löwen ab, sobald die Stammspieler mal eine Pause benötigen: Als Gudmundsson Profis wie Guardiola, Sesum oder Steinhauser einwechselte, kam der HSV Anfang der zweiten Halbzeit auf zwei Tore heran. „Das, was nach der ersten Sieben kommt, unterscheidet uns von Kiel“, sagte Manager Thorsten Storm. „Aber unabhängig davon freuen wir uns, wenn wir Kiel ein bisschen ärgern können. Einer muss das ja tun, sonst wird die Liga langweilig.“ Mag es für ein Duell um die Meisterschaft noch nicht reichen, so sind die Löwen die Mannschaft der Stunde. Sie profitieren auch davon, nicht durch die Flut an Champions-League-Spielen belastet zu werden.

Teamgeist statt Altstars

Bis zu dieser Saison hatten die Rhein-Neckar Löwen ähnlich viele Spieler an Bord wie der THW. Mannheim war das Eldorado der Altstars wie Henning Fritz, Olafur Stefansson, Andrej Klimowets. Doch immer trat die Mannschaft als Ansammlung von Einzelkönnern auf, als Ensemble, das verlässlich versagte, wenn es um etwas ging. Nun mussten die Löwen ihren Etat zurückfahren, weil der Hauptsponsor ging.

Und plötzlich spielt eine Mannschaft mit viel Teamgeist, die nicht durch Masse, sondern durch Qualität auffällt. „Wir haben den Wechsel zu einer Truppe der Fünfundzwanzigjährigen gut hingekriegt“, sagt Storm, „jetzt müssen wir nur sehen, dass wir sie auch zusammenhalten. Noch haben wir nichts erreicht.“ Gensheimer, Petersson und Landin sind Spieler, die auch in Mannheim gutes Geld verdienen und jede andere Mannschaft zieren würden. Gerade die Schlüsselposition Torwart bereitet Storm einiges Kopfzerbrechen: „Landin hat Angebote von überall. Aber er steht bei uns bis 2014 unter Vertrag.“ Die Karten dürften neu gemischt werden, wenn der THW Kiel seinen Torwart Thierry Omeyer im nächsten Sommer an Montpellier verliert.

Hamburg ohne Alternativen

Während die Löwen am Mittwoch schwächelten, wenn sie ihre Bankdrücker einsetzen mussten, fehlte dem HSV diese Alternative vollends. Zu den dauerverletzten Bitter, Jansen und Carlén gesellten sich auch noch Kraus und Lackovic. Trainer Martin Schwalb brachte alle Spieler, die er noch hat - doch besser wurde nichts. Der Meister von 2011 gibt ein trauriges Bild ab.

Gegen die Rhein-Neckar Löwen wirkte Hamburg von der ersten Minute an unterlegen. Mit genug eigenen Sorgen auf den Schultern, gab Schwalb den Gästen eine Einschätzung mit auf den Weg, die sie gar nicht gern hörten: „Die Löwen gehören in diesem Jahr zu den Titelanwärtern.“ In drei Wochen können die Löwen gegen Kiel zeigen, wie nah sie dem THW gekommen sind.

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