Home
http://www.faz.net/-gub-748he
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Rhein-Neckar Löwen Stürmisch mit Schnauzbart

Der THW Kiel hat einen Herausforderer: Die Rhein-Neckar Löwen erringen den zehnten Saisonsieg in der Handball-Bundesligaund führen die Tabelle an - mutige Sprüche in Richtung des Serienmeisters bleiben aber aus.

© picture alliance / dpa Vergrößern Torgierig: Uwe Gensheimer

An Uwe Gensheimer gab es an diesem Abend wenig auszusetzen. Zumindest sportlich betrachtet. Zwölf Tore warf der 26 Jahre alte Linksaußen am Mittwochabend beim überzeugenden 30:23 seiner Rhein-Neckar Löwen in Hamburg. An der eigenen Optik muss Gensheimer allerdings noch ein bisschen feilen - fand zumindest Nationalmannschaftskollege Johannes Bitter. Der derzeit noch verletzte Torwart des HSV Hamburg gratulierte Gensheimer artig für die starke Leistung, rief ihm dann im Vorbeigehen aber zu: „Der Schnauzbart geht gar nicht.“

Die Frotzelei unter Handballspielern ertrug Gensheimer mit einem Lächeln. Er stellt die behaarte Oberlippe seit dem Sommer zur Schau und findet diesen Look gut. Den Hamburgern blieb wenig anderes übrig, als sich mit Nebensächlichkeiten aufzuhalten. Denn die Löwen aus Mannheim hatten an diesem Abend vor 9000 Zuschauern in der Arena am Volkspark alles im Griff. Im Stile einer Spitzenmannschaft stürmte das von Trainer Gudmundur Gudmundsson hervorragend eingestellte Team zum zehnten Saisonsieg und verteidigte die Tabellenführung, einen Punkt vor dem THW Kiel liegend. Die Kieler besiegten die SG Flensburg-Handewitt am selben Abend 34:27.

Mehr zum Thema

Die Freude über den ersten Sieg beim HSV war allen Löwen anzusehen. Doch wer auf mutige Sprüche Richtung Kiel Richtung Meisterschaft wartete, wurde enttäuscht. „Der THW ist weit weg“, sagte Gensheimer, „sie sind der haushohe Favorit.“ In Wahrheit sind die Löwen in dieser Verfassung ganz nah dran, dem Krösus Probleme zu bereiten, denn ihre erste Sieben harmoniert prächtig, und in Niklas Landin steht der derzeit formstärkste Torwart der Bundesliga in ihrem Gehäuse.

Mannschaft der Stunde, aber nicht kommender Meister

Landins Paraden und die Fähigkeiten der neuen Rückraumspieler Kim Ekdahl du Rietz und Alexander Petersson haben Gudmundssons Team auf eine höhere Qualitätsstufe gehoben. „Im Angriff ist durch sie vieles einfacher geworden“, schwärmte Gensheimer von den aus Nantes und Berlin geholten Kollegen. Früher war bei den Rhein-Neckar Löwen alles auf die Wurfkraft Karol Bieleckis ausgelegt. Nun plötzlich ist ein Team voller Spielfreude zu bestaunen, das es oft über die Außen und den Kreis versucht.

Allerdings reißt es bei den Löwen ab, sobald die Stammspieler mal eine Pause benötigen: Als Gudmundsson Profis wie Guardiola, Sesum oder Steinhauser einwechselte, kam der HSV Anfang der zweiten Halbzeit auf zwei Tore heran. „Das, was nach der ersten Sieben kommt, unterscheidet uns von Kiel“, sagte Manager Thorsten Storm. „Aber unabhängig davon freuen wir uns, wenn wir Kiel ein bisschen ärgern können. Einer muss das ja tun, sonst wird die Liga langweilig.“ Mag es für ein Duell um die Meisterschaft noch nicht reichen, so sind die Löwen die Mannschaft der Stunde. Sie profitieren auch davon, nicht durch die Flut an Champions-League-Spielen belastet zu werden.

Teamgeist statt Altstars

Bis zu dieser Saison hatten die Rhein-Neckar Löwen ähnlich viele Spieler an Bord wie der THW. Mannheim war das Eldorado der Altstars wie Henning Fritz, Olafur Stefansson, Andrej Klimowets. Doch immer trat die Mannschaft als Ansammlung von Einzelkönnern auf, als Ensemble, das verlässlich versagte, wenn es um etwas ging. Nun mussten die Löwen ihren Etat zurückfahren, weil der Hauptsponsor ging.

Und plötzlich spielt eine Mannschaft mit viel Teamgeist, die nicht durch Masse, sondern durch Qualität auffällt. „Wir haben den Wechsel zu einer Truppe der Fünfundzwanzigjährigen gut hingekriegt“, sagt Storm, „jetzt müssen wir nur sehen, dass wir sie auch zusammenhalten. Noch haben wir nichts erreicht.“ Gensheimer, Petersson und Landin sind Spieler, die auch in Mannheim gutes Geld verdienen und jede andere Mannschaft zieren würden. Gerade die Schlüsselposition Torwart bereitet Storm einiges Kopfzerbrechen: „Landin hat Angebote von überall. Aber er steht bei uns bis 2014 unter Vertrag.“ Die Karten dürften neu gemischt werden, wenn der THW Kiel seinen Torwart Thierry Omeyer im nächsten Sommer an Montpellier verliert.

Hamburg ohne Alternativen

Während die Löwen am Mittwoch schwächelten, wenn sie ihre Bankdrücker einsetzen mussten, fehlte dem HSV diese Alternative vollends. Zu den dauerverletzten Bitter, Jansen und Carlén gesellten sich auch noch Kraus und Lackovic. Trainer Martin Schwalb brachte alle Spieler, die er noch hat - doch besser wurde nichts. Der Meister von 2011 gibt ein trauriges Bild ab.

Gegen die Rhein-Neckar Löwen wirkte Hamburg von der ersten Minute an unterlegen. Mit genug eigenen Sorgen auf den Schultern, gab Schwalb den Gästen eine Einschätzung mit auf den Weg, die sie gar nicht gern hörten: „Die Löwen gehören in diesem Jahr zu den Titelanwärtern.“ In drei Wochen können die Löwen gegen Kiel zeigen, wie nah sie dem THW gekommen sind.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Quelle: Internet Das Netzfundstück-Blog. Heute: Neil der Löwe mit Tippi Hedren

Können Sie sich vorstellen, dass jemand mit einer Leiche im Kofferraum zu McDonald´s fährt? Undenkbar? Aber auch ein Bestattungsunternehmer muss während der Arbeit mal etwas essen. Können Sie sich denn vorstellen, Ihr Gesicht zu fotokopieren, das Bild in ein Einmachglas zu legen, es mit grünem Wasser zu füllen und in den Kühlschrank zu packen, um Ihre Frau zu erschrecken? Wohl eher auch nicht. Das alles ist genauso grotesk wie mit einem Löwen zu schmusen oder eine Torte mit dem Gesicht von Angela Merkel zu fertigen. Und dennoch finden Sie all das heute auf Quelle Internet. Es wird absurd. Mehr

24.10.2014, 15:39 Uhr | Feuilleton
Rettung für den Dschungelkönig

Die Landwirte in der Kafa-Region in Äthiopien sollen helfen, die seltenen Berglöwen in ihrer Region zu retten. Ihr Vieh wird oft von den Löwen gerissen. Mit Entschädigungen soll Abhilfe geschaffen werden. Mehr

14.05.2014, 20:00 Uhr | Gesellschaft
1:1 gegen Hoffenheim Leichter Aufwärtstrend beim HSV

Erstmals läuft der Hamburger SV mit seiner Wunschelf auf. Doch gegen Hoffenheim reicht es nur zu einem 1:1. Modeste trifft für die TSG, Lasogga gleich aus. Dennoch bleibt der HSV im Tabellenkeller. Mehr Von Frank Heike, Hamburg

19.10.2014, 17:27 Uhr | Sport
Zwei Löwen auf dem Bauernhof verängstigen Dorf

Ein Tierfreund hat in seinem heruntergekommenen Bauernhof zwei Zirkuslöwen aufgenommen. Seither herrscht Löwenalarm im böhmischen Örtchen Humpolec. Die Nachbarn laufen Sturm, fürchten um ihre Sicherheit. Mehr

11.09.2014, 09:42 Uhr | Gesellschaft
1899 Hoffenheim Im Rückwärtsgang nach vorn

Hoffenheim dreht die Zeit zurück und gräbt die alte Spielphilosophie aus. Nach vielen Irrwegen ist der Klub aus dem Kraichgau wieder bestens aufgestellt. Doch beim Spiel gegen den HSV (15.30 Uhr) gilt: Bloß nicht in die Falle tappen! Mehr Von Michael Eder, Sinsheim

18.10.2014, 15:44 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 08.11.2012, 18:30 Uhr

Was soll da verschwiegen werden?

Von Anno Hecker

Die Untersuchung der Vergangenheit der Uniklinik Freiburg wird behindert. Geht es womöglich gar nicht nur um die Doping-Kapitel? Denn die Kommission hat, ganz nebenbei, sogar eine Plagiatsaffäre aufgedeckt. Mehr 1