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Renn-Klub Frankfurt „Wenn die Stadt nicht hilft, können wir dicht machen“

08.10.2008 ·  145 Jahre Pferderennsport in Frankfurt – und was dann? Die Zukunft ist in Niederrad ungewisser denn je. Denn der Renn-Klub hat erhebliche finanzielle Sorgen. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, sagt der Präsident.

Von Bernhard Böth
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Es ist erst wenige Wochen her, dass es beim Renn-Klub Frankfurt kräftig was zu feiern gab. Ende August sorgte der symbolische Spatenstich und die Grundsteinlegung der neuen Hotelanlage an der Niederräder Galopprennbahn für Aufbruchsstimmung. Präsident Günter Paul hatte jahrelang um einen Investor gekämpft und mit der chinesischen Huarong Group schließlich einen Partner an Land gezogen. Mit dem Bau des Luxushotels verknüpfte der seit Jahren finanziell angeschlagene Renn-Klub stets eine rosige Zukunft. Die Hoffnung der Verantwortlichen ist mittlerweile deutlich kleiner geworden. Der Verein als Betreiber der Rennbahn hat immense finanzielle Probleme – wie FAZ.NET berichtete. Nach 145 Jahren Pferderennsport in Frankfurt drohen die Starterboxen von der kommenden Saison an geschlossen zu bleiben.

„Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, bestätigt Günter Paul. Dem Präsidenten zufolge fehlen dem Verein 300.000 Euro, „um die aktuellsten Liquiditätsprobleme zu lösen“. Das Land Hessen hat den Geldhahn längst zugedreht, und auch die Stadt Frankfurt wird wohl nicht mehr einspringen. „Insolvent sind wir quasi seit meinem Amtsantritt vor zehn Jahren“, befindet der Jurist. Das erklärte Ziel sei es damals gewesen, mit dem Hotelprojekt die finanziellen Probleme in den Griff zu bekommen.

Wettumsätze eingebrochen

Doch die Probleme sind seitdem nicht kleiner geworden. Die Wettumsätze als größter Einnahmefaktor des Klubs sind drastisch eingebrochen. Allein 2008 steht ein Verlust von zwanzig Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu Buche. Die schlechten Zahlen passen ins Gesamtbild des deutschen Pferderennsports. In Niederrad aber haben sich zusätzlich gewaltige Altlasten – etwa aufgrund des selbstfinanzierten Baus der Haupttribüne in den achtziger Jahren – angesammelt, die nun zum wirtschaftlichen Aus führen könnten.

Auch die Trainingszentrale Niederrad leidet unter der bedrohlichen Lage. Bis zu 50 Arbeitsplätze wären bei einer Pleite betroffen, angefangen bei den fünf Trainern und Pflegern bis hin zu den Kräften, die die Rennbahn in Schuss halten. „Es ist keine einfache Situation für uns“, sagt Wilfried Kujath. „Wir können nicht einfach weg gehen und woanders anfangen.“ In dieser Situation sind alle Frankfurter Trainer noch enger zusammengerückt, denn nach eigenen Angaben zeigt ihnen der Renn-Klub derzeit die kalte Schulter: Man habe gemeinsam schon zwei Briefe aufgesetzt und um einen runden Tisch gebeten, heißt es. Der Klub habe die Trainergilde vertröstet. „Alles, was wir wissen, wissen wir aus der Presse“, kritisiert ein Betroffener die Informationspolitik des Vereins. Präsident Paul begründete das Vorgehen mit Zeitproblemen. „Ich bin viel unterwegs und kann nicht überall sein.“ Er sei gegenüber den Trainern aber gerne bereit Auskunft zu geben.

Neuer Betreiber nicht in Sicht

Sollte der Renn-Klub die Bahn aus finanziellen Gründen nicht mehr betreiben können, wird über die Trainings- und Wettkampfstätten viel Gras wachsen, die Voraussetzungen für professionellen Pferdesport wären nicht mehr gegeben. Und ein privater Investor als neuer Betreiber des Grasovals ist nicht in Sicht. Dagegen ist der Bau des Hotels an der Schwarzwaldstraße nicht in Gefahr, da der Investor das neue Fünf-Sterne-Haus unabhängig vom Erhalt der Galopprennbahn geplant hat und bauen wird.

Eigentlich sollten an diesem Sonntag in Niederrad die Pferde um die Wette laufen, doch die Saison wurde im Oktober wegen der Großbaustelle früher als geplant beendet. Die dadurch verpassten Einnahmen nimmt der Renn-Klub in Kauf und peilt den – nach hinten verschobenen – Saisonstart 2009 für Mai an. Ein Jahr später soll die Bahn samt Prachtbau in neuem Glanz erstrahlen. Doch zum jetzigen Zeitpunkt bleibt es fraglich, ob ein Aufgalopp im kommenden Jahr überhaupt stattfinden wird. Paul spricht von einer „Zitterpartie. Wenn die Stadt die 300.000 Euro nicht freigibt, können wir dicht machen.“

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