22.09.2009 · Null Toleranz, alternativlos: Die Steiner-Kommission gibt der Reiterlichen Vereinigung Maßnahmen an die Hand und empfiehlt, Isabell Werth erst im Sommer 2010 wieder starten zu lassen.
Von Christoph Becker, WarendorfNull Toleranz: Der Nachweis bestimmter Medikationen bei Pferden bei Turnieren soll auch künftig zur Disqualifikation führen. Diese Empfehlung steht im Mittelpunkt der Vorschläge der Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) an die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN). Die Kommission unter Vorsitz des früheren Bundesverfassungsrichters Udo Steiner hatte im Juli und August 84 Elitereiter und 15 Funktionäre zu ihrer Einstellung und ihrem Verhalten bei Doping und Medikation im Spitzenreitsport befragt.
Darüberhinaus empfiehlt die Kommission, Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth erst im Juni 2010 wieder in den Nationalmannschaftskader aufzunehmen. Sie war beim Pfingstturnier in Wiesbaden mit dem gedopten Pferd Whisper angetreten und deshalb vom Tribunal des internationalen Reitverbandes (FEI) für sechs Monate gesperrt worden.
Auflagen für die Springreiter
Springreiter Rene Tebbel, der in der Vergangenheit lediglich auf Grund juristischer Formalien einer Dopingsperre entging, soll wie seine Kollegen Ludger Beerbaum, Marco Kutscher und Daniel Deußer nur unter Auflagen wieder in einen Kader berufen werden. Beerbaum hatte mit seinem Bekenntnis, bislang nach der Devise „Erlaubt ist, was nicht gefunden wird“ Turniere geritten zu haben, die Auflösung der deutschen Spitzenreitkader und die Berufung der DOSB-Kommission ausgelöst.
Zwar wollte Steiner nach den Befragungen nicht von einem „Doping-Flächenbrand“ sprechen, aber er sieht im deutschen Reitsport „einzelne Brandherde“. Zudem wurden bei der Vorstellung des 54 Seiten umfassenden Abschlussberichts der Kommission am Sitz der FN in Warendorf prononciertere Töne deutlich als noch im Zwischenbericht vor den Europameisterschaften der Spring- und Dressurreiter vor sechs Wochen.
Null-Toleranz-Lösung
Schien es damals wesentlich, deutschen Reitern die Teilnahme an dem Championat in Windsor zu ermöglichen, empfiehlt die Kommission, der neben Steiner der Kölner Landgerichtspräsident a. D. Heinz Fassbender und Professor Erich Klug von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover angehörten, der FN nun neben der Kadersperre für Werth und den Auflagen für Tebbel 16 Maßnahmen, um den ins Zwielicht geratenen Reitsport für Sponsoren und Fernsehsender wieder attraktiv zu machen.
Dazu gehört das Festhalten an der Null-Toleranz-Lösung beim Einsatz bestimmter Medikamente bei Turnieren. Einige deutsche Reiter, unter ihnen Olympiasieger Ludger Beerbaum, hatten gehofft, künftig würden Medikationshöchstgrenzen für Pferde eingeführt. Steiner sagte, die Entscheidung sei angesichts der Diskussionen „mit den erfahrenen Reitern“ nicht leicht gefallen, „aber zur Nullkommanullnullnull-Lösung gibt es für uns keine Alternative“.
FN hofft auf Ende der Krise
Weiter empfiehlt die Kommission, bei der FN künftig eine Abteilung „Sicherheit und Ordnung“ einzurichten, die neben den Trainingskontrollen auch die Ermittlungen bei möglichen Manipulationen übernehmen soll. In dieser Abteilung solle ein leitendes FN-Mitglied die Verantwortung für die Behandlung der Pferde bei großen Turnieren übernehmen. „Diese Stewards werden Standfestigkeit brauchen, wenn sie sich mit Reitern auseinandersetzen, die neben dem sportlichen auch ein merkantiles Interesse an ihren Pferden haben“, sagte Kommissionsmitglied Fassbender.
Mit der Empfehlung, die Dressurreiterin Werth erst im kommenden Sommer wieder in einen Kader aufzunehmen, will die Kommission nach den Worten Fassbenders „für Gleichbehandlung“ mit dem nach Olympia 2008 gesperrten Springreiter Christian Ahlmann sorgen. „Werth ist der zweite Dopingfall. Ihren Fall mussten wir mit dem Ahlmanns abwägen. Da sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass die sechs Monate Sperre des FEI-Tribunals nicht genügen.“
Die FN will die Empfehlungen der Kommission zu weiteren Schritten aus der Krise nutzen, in die der Verband seit den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr geraten ist. „In unserem Präsidium gibt es im Großen und Ganzen große Zustimmung zu den Empfehlungen der Kommission“, sagte FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau. „Die Empfehlungen haben mehr Substanz, als viele von uns erwartet haben.“ Auf einen Zeitplan zur Umsetzung wollte sich Rantzau nicht festlegen – aus gutem Grund: Am Donnerstag will die FEI eine neue Liste verbotener Medikationen und Dopingmittel vorlegen. Zuletzt schien es, als wolle der Weltverband die Null-Toleranz-Lösung doch lockern. Das künftige Regelwerk wird wohl – national wie international – weiterhin diskutiert werden müssen.
Na klasse...
Lutz Alexius (Codo1204)
- 22.09.2009, 20:08 Uhr
...oder ihr sucht euch einfach einen Sport...
Christian Heiligmann (c.heiligmann)
- 22.09.2009, 20:55 Uhr