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Reitsport-Kommentar Volte mit Totilas

Es ist still um Totilas geworden. Nach der Formel „Mehr Sport, weniger Sperma“ soll der Hengst wieder im Dressurviereck zu Erfolgen reiten. Was momentan stattfindet, ist die Volte von Pferdekennern, die sich vermanagt haben. Die Frage bleibt, ob die Rezeptur anschlägt.

© dpa Vergrößern „Es ist schiefgegangen, was schiefgehen konnte“: Matthias Alexander Rath und Totilas

Mehr Sport, weniger Sperma. Auf diese griffige Formel lässt sich die Zukunft von Totilas bringen. Es ist still um den Hengst geworden, seit er von der Turnierbildfläche verschwunden ist. Das Wort vom Wunderpferd wird nur noch sparsam strapaziert. Auf ein Comeback wird sich das Publikum bis zum Frühjahr gedulden müssen. Die Besitzergemeinschaft Schockemöhle samt dem Ehepaar Ann Kathrin Linsenhoff/Klaus-Martin Rath hat sich auf eine andere Gangart für Totilas verständigt.

„Es ist schiefgegangen, was schiefgehen konnte“, sagte Schockemöhle am Dienstag beim Blick zurück auf ein Jahr des Missvergnügens. Weil Totilas nicht wie erwartet in die Gänge gekommen ist. Mal war der Rappe unpässlich, mal sein Reiter Matthias Rath. Als auch die Mission Dressur-Gold bei den Olympischen Spielen abgeschrieben werden musste, wurden grundsätzliche Zweifel an der Kombination Totilas/Rath laut.

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Jetzt wird ein neuer, langer Anlauf genommen, auf dass sich die Investition Totilas auszahlen möge. Propagiert und praktiziert wird fortan die Konzentration auf den Sport. Minnedienste haben den Hengst offenbar mehr geschwächt, als es der Züchter Schockemöhle für möglich gehalten hat. Also vorerst kein Pendeln zwischen Deckstation und Turnieren, keine Auftritte bei Pferdeschauen - allenfalls Blickkontakte mit Stuten, die dem Star über den Weg laufen.

Die aktuelle Liaison des Rosses, das einst im Sattel unter dem Holländer Edward Gal brillierte, „steht im Moment nicht zur Disposition“, versichert Schockemöhle. Er sieht dieses Paar unverdrossen als „hoffnungsvollen Fall“.

Bleibt der sportliche Erfolg aus, ist es auch vorbei mit der PR für den Vererber Totilas: Paul Schoc © dpa Vergrößern Bleibt der sportliche Erfolg aus, ist es auch vorbei mit der PR für den Vererber Totilas: Paul Schockemöhle (rechts) und Ann Kathrin Linsenhoff

Als Beleg führt er den Auftritt beim Turnier im vergangenen Jahr in Hagen an. Nie zuvor habe es eine bessere Darbietung von Totilas’ gegeben - auch nicht unter Gal. Diese Bilder sind es, die sich das Unternehmen Totilas auf eine verheißungsvolle Zukunft in Erinnerung ruft. Schockemöhle, als Züchter ein Großmogul dieses Gewerbes, nimmt sich zurück, verzichtet auf den schnellen Euro.

Der Pferdemanager weiß: Bleibt der sportliche Erfolg aus, ist es auch vorbei mit der PR für den Vererber Totilas. Was momentan stattfindet, ist die Volte von Pferdekennern, die sich vermanagt haben. Die Frage bleibt, ob die Rezeptur anschlägt - zumal mit dem Holländer Sjef Janssen als Trainer. Aber das ist schon ein anderes, heikles Thema der Herausforderung, ein Weltpferd zu besitzen und mit ihm wie einst Gal die Welt zu erobern.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 21.11.2012, 16:20 Uhr

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