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Reitsport-Kommentar Millionen statt Goldphantasien

 ·  Christoph Koschel wollte mit Wallach Donnperignon bei Olympia antreten. Doch nun entschied er sich für reales Geld und gegen den Ruhm im Konjunktiv. Wer will es ihm verdenken?

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© picture alliance / dpa Es war einmal: Christoph Koschel und Donnperignon

Es gibt gestrandete Olympioniken wie den finnischen Skispringer Matti Nykänen. Sie müssen zum Beispiel ihre Medaillen verkaufen, weil das Geld, das sie als Stripper verdienen, nicht mehr für die Miete reicht und für den Alkohol. Das ist eine traurige Geschichte vom verlorenen Lebenstraum.

Es gibt aber auch Sportler, die es schaffen, ihre olympische Medaille zu verkaufen, bevor sie sie überhaupt gewonnen haben. In solchen Fällen handelt es sich normalerweise um Reiter. Und die Summe, die sie für ihren verkauften Lebenstraum erhalten, kann ein Stripper in hundert Jahren nicht verdienen.

Seite an Seite mit Totilas

Drei Millionen Euro, so munkelt die Dressur-Szene, habe Christoph Koschel für seinen schönen, dunkelbraunen Wallach Donnperignon bekommen, den er an eine dänische Nachwuchsreiterin verkauft hat, ausgerechnet jetzt, ein knappes Jahr vor London. Damit ist nicht nur die deutsche Equipe schwächer, sondern die Konkurrenz auch noch stärker geworden, denn es ist gut denkbar, dass die junge Dame namens Anna Kasprzak oder sogar ihr Trainer Andreas Helgstrand mit dem Wallach für ihr Land bei Olympia Punkte sammeln werden.

Auch Koschel hatte bisher die Chance, sich mit Donnperignon für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Und dort wäre das Ziel - Seite an Seite mit Totilas - wiederum das Mannschafts-Gold für Deutschland gewesen. Jetzt aber ist das Pferd samt den Goldphantasien weg, dafür sind im Stall in Hagen bei Osnabrück die Krippen voll, Donnperignon piaffiert nicht mehr auf dem Trainingsplatz, dafür moussiert im Glas der Champagner.

Gegen den Ruhm im Konjunktiv entschieden

Wer will es ihm verdenken? Er sei, betont Koschel, ein Berufsreiter und Familienvater, er betreibe einen Ausbildungs- und Handelsstall und habe keinen reichen Mäzen, der das Millionenpferd für ihn festhalten könnte. Dazu gab es keine Nominierungsgarantie für London und natürlich auch keine Medaillengarantie und auch keine Gesundheitsgarantie für das Pferd. Nur eines stand fest, bevor er sich entschied: Nie mehr würde er ein solch hohes Angebot für das Pferd bekommen wie jetzt.

Der Wallach ist zwölf und damit im besten Dressur-Alter. Er muss bis zum 31. Dezember verkauft sein, damit der olympische Nationenwechsel noch rechtzeitig zu den Spielen gültig wird. Dazu kommt exzellente Werbung: Koschel wurde mit dem Pferd 2010 mit der deutschen Mannschaft Weltmeisterschaftsdritter. Bei der Europameisterschaft 2011 gehörten die beiden zur Silber-Equipe, allerdings mit einer vergleichsweise schwachen Leistung. Auch vor diesem Hintergrund dürfte die Entscheidung für das reale Geld gefallen sein - und gegen den Ruhm im Konjunktiv.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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