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Reit-EM in Windsor Die Truppen sammeln sich

27.08.2009 ·  Nach Doping- und Medikationsverstößen gerät das Führungstrio der Deutschen Reiterlichen Vereinigung immer mehr unter Druck - der Zwist überschattet die EM in Windsor. Am 2. September wird wieder über Personalfragen diskutiert.

Von Evi Simeoni, Windsor
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Über Schloss Windsor dräuen die Regenwolken. Unheilschwer lasten sie auf den Europameisterschaften der Reiter im weitläufigen Park. Das heißt: nur über der deutschen Delegation. Es ist genau, wie es sich gehört im Lande der Shakespeare-Dramen: Zentrales Thema ist das Schicksal des Königs, in diesem Fall also des Präsidenten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, Breido Graf zu Rantzau, der seinen Familiensitz in Breitenburg verlassen hat, um in Windsor seine Truppen anzuführen.

Zu Hause brüten seine Gegner derweil über verwinkelten Plänen, ihn zu stürzen. Bei anderen ist unklar, ob ihre Treueschwüre noch gelten, oder ob sie bereits im Geheimen die Stichwaffe schärfen. Noch ist kein Blut geflossen. Der König jedenfalls ist fest entschlossen, sich nicht vom Thron jagen zu lassen. Es könnte im Gegenzug aber einen oder mehrere seiner Getreuen treffen. Am heftigsten attackiert werden: Reinhard Wendt aus Warendorf, der als Sportchef schon viele Schlachten erfolgreich geschlagen hat. Und Peter Hofmann aus Mannheim, Vorsitzender des Springausschusses, der immer wieder in neue Scharmützel gerät.

Gegenspieler des Trios ist unter anderen ein mächtiger Preuße: Peter Danckert, Präsident des Landesverbandes Berlin-Brandenburg und Vorsitzender des Sportausschusses des Deutschen Bundestages. Er nimmt immer wieder das Visier hoch und greift die Verbandsführung an. Auf direkte Nachfrage allerdings sagt er: „Ich will niemanden aus dem Amt treiben. Das ist kein Putsch.“ Der SPD-Politiker Danckert ist Wortführer einer unklaren Rebellengruppe, die er mit „wir“ bezeichnet. Dazu gehören „mehrere“ Landesfürsten und „mehrere“ Turnierveranstalter, die unter dem Druck der Existenzangst immer massivere Strategien auffahren.

Wie gefährdet ist die Existenzgrundlage der Turniere?

Besonders tut sich Kaspar Funke aus Vechta hervor, der Chef unter anderem der Hallenturniere in Frankfurt, Dortmund und Bremen. Durch das Verhalten der Verbandsspitze, so behauptet er, werde die Existenzgrundlage der Turniere gefährdet - das sind die Fernsehübertragungen durch die öffentlich-rechtlichen Anstalten. Diese haben die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung wegen ungeklärter Doping- und Medikationsvorwürfe ausgesetzt. Die Ablösung des Ausschussvorsitzenden Hofmann hat Funke bereits schriftlich gefordert.

Er lässt aber auch durchblicken, dass er Wendt für untragbar hält. Er stellt die Forderung in den Raum, dass, sollten Wendt und Hofmann bleiben, Rantzau selbst seinen Hut nehmen müsse. Als neue Präsidentin käme nach Funkes Ansicht die als Sporthilfe-Vorsitzende gescheiterte Ann Kathrin Linsenhoff in Frage. Auch Danckert könnte sich das vorstellen, und Ann Kathrin Linsenhoffs Ehemann, der hessische Reiterpräsident Klaus Martin Rath, fordert einen Neuanfang.

Wenn ein ehrenamtlicher Regent so heftig angegangen wird, muss er massive Schwächen gezeigt haben. Und wirklich ist Rantzau angreifbar, genau wie Wendt und Hofmann. Dieses Funktionärstrio nämlich hielt sich zusammen mit vielen anderen vor einem Jahr in Hongkong in der Stallgasse auf, als Marco Kutschers Olympiapferd Cornet Obolensky eine nicht genehmigte Injektion bekam. Das Pferd erlitt einen Schwächeanfall und taumelte gegen die Boxenmauer, jemand schrie nach dem Tierarzt, der eilte herbei und verhinderte zusammen mit anderen, dass der Hengst stürzte.

„Die Personen müssen überlegen, ob sie den Weg frei machen“

Alle drei Funktionäre behaupten, sie hätten die Lage völlig undramatisch eingeschätzt und es nicht für nötig gehalten, näher nachzufragen. Am nächsten Tag musste das Pferd die zweite Nationenpreisrunde bestreiten. Der Vorwurf der „Pferdequälerei“ nach den Regeln des Weltverbandes ist bisher noch nicht entkräftet. Das Internationale Olympische Komitee wird sich mit der Frage der Mitverantwortung deutscher Funktionäre befassen, ebenso eine vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eingesetzte Untersuchungskommission und das Sportgericht der Internationalen Reiterlichen Vereinigung. Wer den dreien glaubt, könnte sie für nachlässig halten. Wer ihnen nicht glaubt, müsste ihnen Kumpanei bei einer Regelverletzung vorwerfen. „Dass sie alle nichts gemerkt haben, ist schlicht unglaubwürdig“, sagt Danckert.

„Die Personen“, sagt Rath ein bisschen unbestimmt, „müssen überlegen, ob sie den Weg frei machen.“ Stattdessen kann sich Rantzau auf vielfältige Maßnahmen berufen. Alle Spitzenreiter wurden von der DOSB-Kommission auf ihre Haltung zu Doping-Fragen überprüft. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung arbeitet an einer gründlichen Reform des Doping-Regelwerks. Sollte der Weltverband ihr damit nicht folgen, wird eine deutsche „Insellösung“ angestrebt. Vor kurzem wurden massive Strafen beschlossen, falls künftig ein Championatsreiter gegen die Kadervereinbarung verstoßen sollte, in der die peinliche Einhaltung aller Doping- und Medikationsregeln festgehalten ist: bis zu 25.000 Euro Geldbuße und bis zu fünf Jahren Sperre.

„Ich frage mich, wie weit Graf Rantzau noch an der Basis ist“

Ungeklärt ist die Rolle des Volkes, also der Mitgliederversammlung des Verbandes. „Ich frage mich“, sagt etwa Rath, „wie weit Graf Rantzau eigentlich noch an der Basis ist.“ Nach jetzigem Stand der Dinge dürften die Aufmüpfigen aber keine Mehrheit dort finden. Ein Drittel der Stimmen wäre nötig, um eine außerordentliche Mitgliederversammlung zu erzwingen. Das dürfte schwierig werden, zumal Rantzau und seine Mitstreiter erst Anfang Mai von dem gleichen Gremium bestätigt wurden.

Allerdings beschweren sich die Rebellen, ohne darüber informiert gewesen zu sein, dass sich neben Wendt auch Rantzau und Hofmann im entscheidenden Moment auf der Stallgasse aufgehalten hätten. Bleibt die Frage, ob Rantzau und seine Verbandsführung dem Druck von außen werden standhalten können. Am 2. September findet die nächste Präsidiumssitzung in Warendorf statt. Dort wird es auch um Personalien gehen.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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