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Regina Halmich Die hundertprozentige Frontfrau des Preisboxens

 ·  Regina Halmich beginnt ihre Abschiedstournee: Am Ende des Jahres ist Schluss. Im Gegensatz zu manch männlichen Kollegen füllt sie mit ihren 1,60 Meter und 48 Kilo die Hallen. Leute, die sonst nichts für Frauenboxen übrig haben, machen bei ihr eine Ausnahme.

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Für Regina Halmich hat das letzte Berufsjahr begonnen. „Mit 31 Jahren“, so hat sie immer gesagt, „will ich nicht mehr boxen.“ Am 22. November erreicht die Karlsruherin somit die von ihr selbst gesetzte Altersgrenze. Noch maximal drei Kämpfe, dann ist garantiert Schluss. An diesem Samstag steigt in Halle an der Saale ihr WM-Titelkampf im Fliegengewicht gegen Reka Krempf.

Die junge Dame aus Ungarn ist ebenfalls eine Weltmeisterin, nur eine Klasse höher. Sie hat, nur mal zur Erinnerung, im April 2002 gegen Regina Halmichs Kollegin beim Universum-Boxstall, Daisy Lang, verloren. Die Gefahr einer Niederlage des 1,60 Meter kleinen, aber starken, rund 48 Kilogramm schweren Persönchens Regina Halmich im Duell mit Reka Krempf schließen Experten deshalb aus.

„Einfach sensationell. Die hat was“

Auf die deutsche Frontfrau des Boxens ist Verlass, seitdem sie vor zwölf Jahren beschloss, sich als Preisboxerin zu versuchen. Und man wird sich nach Lage der Dinge auf ihr Wort verlassen können, wonach sie nie dem Beispiel von Axel Schulz und Henry Maske folgen wird. „Ich hätte gar nicht den Mut zum Comeback, weil man seinen Körper nicht austricksen kann. Wenn Schluss ist, ist Schluss, das halte ich für gesünder.“ Die gelernte Rechtsanwaltsgehilfin hat eine patente Ader, ist nicht auf den Mund gefallen und hat inzwischen selbst jene Männer überzeugt, die grundsätzlich nichts vom Frauenboxen halten.

Marcel Nartz ist einer von ihnen. Er ist der sogenannte Matchmaker von Universum. Früher, als er noch beim konkurrierenden deutschen Boxunternehmer Wilfried Sauerland tätig war, verließ er demonstrativ den Schauplatz, sobald Frauen in den Ring kletterten. Zu hektisch, zu unkontrolliert - eine andere Sportart. Mittlerweile organisiert und arrangiert Nartz Abende mit Regina Halmich aus Überzeugung. „Sie ist eine Ausnahme“, rechtfertigt er sich. „Ich werde nie ein Freund des Frauenboxens, aber ich ziehe den Hut vor Regina. Wie sie sich gibt, wie sie sich ausdrückt, wie sie sich einsetzt - da können sich einige Herren etwas abschneiden. Einfach sensationell. Die hat was!“

Frauen geben im Ring alles, schonen sich nicht

Ihr Trainer Torsten Schmitz, ein ruhender Pol neben der quirligen Athletin, arbeitet seit 1996 mit ihr zusammen. Ob er damals mit Vorbehalten an die Sache herangegangen sei, einer Frau zu sekundieren, die sich in den Kopf gesetzt hatte, die Preisboxerei nicht allein den Männern zu überlassen? „Es ist mein Beruf.“ Und genauso verhielte es sich durchweg bei allen Damen mit harten Bandagen. „Ihre Berufseinstellung ist professionell.“

Egal ob bei ihr, ihren Sparringspartnerinnen oder jenen, die er mittlerweile betreut, seitdem Regina Halmich nicht mehr allein auf weiter Flur ist. Männer? „Da fehlt die Disziplin, die gehen den leichtesten Weg. Bei den Frauen ist es umgekehrt.“ Das Signal ist beim Publikum angekommen, auch wenn so manche im Fernsehen feilgebotenen Frauenboxkämpfe anmuten, als ließe man Anfängerinnen aufeinander los. Sie geben zumindest alles, schonen sich nicht.

Stefan Raab brach sie das Nasenbein

Das war der erste, nachhaltige Eindruck bei den Auftritten von Regina Halmich, bis sie sich auch boxerisch weiterentwickelte. Das erfuhr Stefan Raab schmerzhaft, als sie dem Provokateur, der sie herausgefordert hatte, das Nasenbein brach. Spätestens von diesem Zeitpunkt an war sie populär. „Eigentlich schade, dass es dieser Umweg sein musste“, hat sie mal gesagt. Sie hat die Mechanismen begriffen, wie man eine öffentliche Figur wird und dabei auch den Körper einsetzt, ohne die Handschuhe überzustreifen. Mit einer Fotostrecke im „Playboy“ etwa oder im „Maxim“. Aber sie setzt ihre Popularität eben auch für die „Initiative gegen Gewalt und Missbrauch von Kindern und Jugendlichen“ sowie die „Aids-Hilfe“ ein.

53 Profikämpfe haben Spuren hinterlassen. Ganz aus der Nähe, im Profil, kann ihre Nase schon mal an die von Sven Ottke erinnern. Dabei war der nie ihr Vorbild. Dann eher schon Dariusz Michalczewski. Einer, der stets in die Offensive ging, sich nicht schonte und lange gegen das Vorurteil, „kein richtiger Deutscher“ zu sein, ankämpfen musste.

Halmich füllt die Hallen

Regina Halmich hat ein paar harte Sommer und Winter hinter sich gebracht, ehe die Leute begriffen hatten, dass sie eine „richtige Boxerin“ vor sich haben. „Beharrlichkeit, Fleiß, einen guten Promoter“ nennt Schmitz die entscheidenden Faktoren des Siegeszuges der im Ring gemachten Frau. Sobald sie dort erscheint, ist dem ZDF eine Quote von mindestens fünf Millionen Zuschauern gewiss. Die Quote hat den Preis der Hauptkämpferin hochgetrieben. In Halle ist die Arena mit 4500 Zuschauern längst ausverkauft. Beim Profiabend letzten Herbst an gleicher Stelle mit zwei Herren im Mittelpunkt blieben dagegen viele Stühle leer.

Ob sie das als Triumph der Sache der Frauen ansähe? Nein, jeder kämpfe für sich, und das gelte auch für jene, die sich anschickten, eines Tages in ihre Fußstapfen zu treten: Ina Menzer, Alesia Graf, Susi Kentikian hätten das Potential. „Wichtig ist, dass das Fernsehen dahintersteht.“ Eines Tages moderiert sie genau dort, vorzugsweise rund um den Boxring. Als Frau vom Fach. Angebote von verschiedenen Sendern lägen vor.

„Wichtig ist auch, dass die Boxerinnen schwere Gegnerinnen bekommen, dann werden sei auch von den Männern akzeptiert.“ Die Güteklasse der Halmich-Gegnerinnen hätte, wenn es allein nach ihr gegangen wäre, getrost besser sein können. „Frauen geben immer 100 Prozent.“ Sie selbst ist ein beherztes Beispiel für diese These. Auch wenn man, da steht Nartz nicht allein, kein hochprozentiger Befürworter des Frauenboxens ist.

Quelle: F.A.Z., 13.01.2007, Nr. 11 / Seite 34
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Jahrgang 1943, Sportredakteur.

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