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Reaktionen zum Fall Armstrong „Ein historischer Tag“

 ·  Ein verseuchtes Jahrzehnt habe sein Ende gefunden. Eine ganze Dekade Radsport-Geschichte müsse neu geschrieben werden. Armstrong sollte endlich ein Geständnis ablegen. Reaktionen nach dem UCI-Urteil.

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© AFP Was steht wohl in der Zeitung? 1999 musste Lance Armstrong die Berichte noch nicht fürchten

Die amerikanische Anti-Doping-Agentur (Usada) hat sich wohlwollend über die Entscheidung von Genf geäußert. „Die UCI hat die richtige Entscheidung gefällt“, sagte Usada-Chef Travis Tygart am Montag, nachdem der Internationale Radsportverband (UCI) Lance Armstrong lebenslang gesperrt und ihm alle sieben Siege bei der Tour de France aberkannt hatte. Der Weltverband schloss sich damit dem Strafmaß der Usada an. Tygart äußerte sich „erfreut, dass die UCI endlich ihren Kurs in dem Fall änderte und sich zu einer glaubwürdigen Entscheidung durchrang“. Er fügte hinzu: „Heute ist ein historischer Tag für den sauberen Sport.“ Tygart sagte aber auch, dass Armstrong-Urteil werde den Radsport nicht endgültig vom Doping befreien. Dafür müsse eine unabhängige Kommission her, um gegen „die vielen Doping-Ärzte und korrupten Teamchefs“ vorzugehen. Auch die „Omertà“, die Mauer des Schweigens, sei noch nicht komplett durchbrochen.

Der Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, forderte den Texaner nun zu einem Geständnis auf. „Spätestens jetzt, nach der eindeutigen Entscheidung der UCI, wäre es für Lance Armstrong an der Zeit, sich umfassend zu äußern. Dies wäre sowohl für ihn selbst als auch für seinen Sport hilfreich“, sagte Bach. Über die Bronzemedaille Armstrongs bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney wolle das IOC nach der UCI-Sitzung am kommenden Freitag entscheiden.

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) begrüßte das Urteil der UCI ebenfalls. „Die Entscheidung der UCI ist nach der Beweislast nur konsequent. Entscheidend ist, dass ein verseuchtes Jahrzehnt aufgearbeitet und endlich abgeschlossen wird“, sagte BDR-Präsident Rudolf Scharping. Er hatte bereits zuvor gefordert, die bei den Frankreich-Rundfahrten von 1999 bis 2005 hinter Armstrong klassierten Fahrer nicht nachrücken zu lassen.

Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, sprach von einem „Super-GAU“ für den Radsport. Es sei aber auch eine historische Chance für einen Neubeginn. „Eine ganze Dekade Radsport-Geschichte muss neu geschrieben werden. Ich bin neugierig, wie man nach der Streichung der Resultate von Armstrong die Folgeprobleme löst.“

Beispiel für den falschen Weg

Der Anwalt Michael Lehner, häufig mit der Doping-Problematik im Radsport befasst, kritisierte den Genfer Spruch der UCI. „Dass die UCI das Urteil der amerikanischen Anti-Doping-Agentur voll übernommen hat, ist nicht okay. Sie schießt über das Ziel hinaus, denn sie darf das Sportrecht nicht beliebig handhaben. Doping-Vergehen unterliegen einer achtjährigen Verjährungsfrist. Der Wada-Code lässt ein Urteil mit Aberkennung von Titeln und Resultaten bis zurück zum Jahr 1998 nicht zu. Der Internationale Sportgerichtshof müsste die Entscheidung der UCI korrigieren, falls er von Armstrong angerufen wird. Wenn die UCI-Führung Anstand hätte, würde sie genauso zurücktreten, wie dies in der Politik üblich ist.“

Der deutsche Radprofi Marcel Kittel vom zweitklassigen niederländischen Rennstall Argos-Shimano twitterte in Sachen Armstrong: „Er soll für immer als Beispiel für den falschen Weg im Gedächtnis bleiben.“

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