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Raul Spank Punkt fünf: Olympiasieger 2012

 ·  Raul Spank sucht Herausforderungen und offenbart ein bemerkenswertes Selbstbewusstsein. Auch aus seinem ausgeprägten Individualismus macht der Hochspringer kein Geheimnis. Doch sein Ehrgeiz steht dabei nicht dem Anspruch im Weg, Spaß zu haben.

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Raul Spank hat keine Zeit zu verlieren. Als er bei der deutschen Hallenmeisterschaft in Leipzig zwar den Titel gewonnen, aber das Ziel verpasst hatte, zum ersten Mal im Leben 2,33 Meter zu überspringen, packte er schnell seine Sachen. Von Feierstimmung konnte keine Rede sein, nicht einmal von Feierabend. Mit den Worten „Hefter auf, Kopf auf, Wissen rein“ umriss der Zwanzigjährige sein Sonntagabendprogramm. Am Montag stand an der Technischen Universität in Dresden eine Klausur in Wirtschaftswissenschaft auf seinem Programm.

Die Sieghöhe von 2,28 Meter ist für Spank eine Enttäuschung. Schließlich ist er bei den Olympischen Spielen zum ersten Mal und auch in diesem Winter schon 2,32 Meter hoch gesprungen. Wenn nicht viertausend Zuschauer in der Halle gewesen wären, verriet er, wäre er bestimmt ausfällig geworden. Zwar sprang er in Leipzig zehn Zentimeter höher als die nächstbesten Konkurrenten. Doch solange der Hannoveraner Eike Onnen – Bestleistung 2,34 Meter – pausiert, misst sich Spank mit der Welt.

Ausgeprägter Individualismus kein Geheimnis

Wer seine Internetseite besucht, stößt dort auf ein Dokument des bemerkenswerten Selbstbewusstseins von Raul Spank. Unter der Überschrift „persönliche Zielstellung“ ist die Olympiateilnahme 2008 notiert und abgehakt. Es folgen eine „Top-5-Plazierung bei der Heim-WM in Berlin“ und „deutscher Rekord“. Fünf Jahre bevor Spank geboren wurde, steigerte Carlo Thränhardt ihn auf 2,37 Meter. Punkt fünf der Liste lautet: „Olympiasieger 2012“.

„Er ist ein kleiner Einzelgänger wie ich“, lobte die Weltklasse-Hochspringerin Ariane Friedrich am Sonntag den forschen Sachsen. „Er zieht sein Ding durch.“ Erfolg habe man im Team oder gar nicht, sagt Spank über sich. In Dresden arbeitet er mit zwei Trainern, zudem berät er sich mit Günter Eisinger, dem Trainer von Ariane Friedrich.

Aus seinem ausgeprägten Individualismus macht der Teamplayer Spank dennoch kein Geheimnis: „Ich habe beim Fußball nie verstanden, dass, wenn ich ein Tor geschossen hatte, jemand anders gelobt wurde.“ Zwar lebt Spank noch bei seinen Eltern in Cossebaude an der Ortsgrenze zu Dresden. Doch er sucht Herausforderungen.

Michael Schumacher als Vorbild

„Ich wollte nicht verblöden“, sagt er zu seiner Entscheidung gegen einen Förderplatz bei der Bundeswehr und für das Studium der Wirtschaftswissenschaft. Den Hochspringer Spank zieht es in die weite Welt. Um sich mit den Besten der Welt zu messen, will der mit 1,91 Meter nicht überragend lange Sportler im Sommer bei den großen Sportfesten antreten. Die Standardausrede deutscher Leichtathleten wischt er mit einem Wort beiseite: „Wer sagt, er komme nicht rein, lügt.“

Schon bei den Olympischen Spielen warf er einem Großteil der deutschen Leichtathleten vor, es an Ehrgeiz mangeln zu lassen. Es ist keine Überraschung, wenn er als Vorbild seiner Jugend den unermüdlichen und auf allen Ebenen ehrgeizigen Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher nennt. „Er hat alles gewonnen“, erinnert sich Spank. „Dann habe ich realisiert: Er tüftelt immer weiter. Er nutzt alle Reserven.“

„Ich werde behandelt wie ein Verbrecher“

Mit „Lässigkeit und deutschen Tugenden“ beschreibt er seinen sportlichen Charakter. Sein Ehrgeiz steht nicht dem Anspruch im Weg, Spaß zu haben. „Ich muss glücklich sein, um gut hoch zu springen“, sagt er. „Fliegen ist genießen. Das ist wie naschen.“ Umso wütender macht den jungen Mann das strenge Regime der Welt-Antidopingagentur (Wada). „Ich werde bestraft und in meiner Freiheit und Lebensqualität eingeschränkt durch das Abmeldesystem. Das ist ganz schlimm“, schimpft Spank.

„Ich werde behandelt wie ein Verbrecher.“ Sollte die Einstundenregelung mit ihren Whereabouts nicht durch so etwas wie Chip- oder Handyortung ersetzt werden, sondern ihn seine ganze Karriere begleiten, werde dies sein gesamtes Engagement im und für den Hochleistungssport in Frage stellen. Er fordert, das System der Kontrollen zu ändern.

Den speziellen und den generellen Verdacht, den immer wieder Athleten mit unglaublichen oder unglaubwürdigen Leistungen auf die Spitze treiben, teilt Spank aus Prinzip nicht. Den Weltrekord des Kubaners Javier Sotomayor will er schließlich auch einmal erreichen. „Ich traue mir zu, irgendwann auch einmal 2,40 Meter zu springen. Ich will mich dann, nach harter und freudvoller Arbeit, nicht dafür entschuldigen müssen, dass ich so gut war.“

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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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