11.03.2010 · Für Fußball-Begeisterte gibt es Tipp-Kick, Skateboard-Fans können mit kleinen Fingerboards üben. Auch von Golf existiert eine Miniatur-Variante. Keiner schlägt mit dem 11 Zentimeter großen Microgolfer so gut ab wie Stefan Hockenberger.
Von Bastian SteineckDie Besucher der Möbelmesse „imm cologne“ mussten auf der Hut sein, als in den Ausstellungshallen eine Weltmeisterschaft stattfand. Zwischen futuristischen Betten und Massivholzmöbeln flogen nämlich kleine Golfbälle durch die Luft. Microgolf-Spieler trugen die Titelkämpfe in ihrer ziemlich ausgefallenen Randsportart aus. „Das ging von einem Messestand zum anderen, quer durch die Halle“, sagt Stefan Hockenberger, der das Turnier im vergangenen Jahr gewann.
Zunächst galt es beim Kampf um den Titel für die 30 Teilnehmer, drei Qualifying-Runden zu überstehen. In den Disziplinen Putten, Ziel- und Hochschießen reduzierte sich das Teilnehmerfeld auf 16 Spieler. Hockenberger bewies die größte Fingerfertigkeit und verteidigte seinen Weltmeister-Titel. Nach dem Qualifying hatte der Walldorfer noch auf dem sechsten Platz gelegen, in der Finalrunde benötigte er jedoch nur acht Schläge - einen weniger als der Zweitplatzierte, Sven-Ole Lüthke aus Hamburg.
„Natürlich gehört bei so vielen Hindernissen Glück dazu“, gibt Hockenberger zu. Letztlich komme es aber auch auf das nötige Können an, den Ball mit möglichst wenigen Schlägen auf die 50 Zentimeter hohe Bühne zu spielen und dort in das Loch im Mini-Grün zu treffen.
Drehmechanismus im Arm
Auch bei den Regeln und in Sachen Equipment orientieren sich die Microgolfer an den „echten“ Golfern. Die Spieler haben die Wahl zwischen vier Schlägern: Driver, Eisen, Wedge und Putter. „Damit können wir weit, hoch oder mittelhoch schlagen und bei Bedarf auch das normale Rollen eines Golfballs gut simulieren“, erklärt Hockenberger. Schläge bis zu drei Metern Höhe sind möglich, „in Köln habe ich gut fünfzehn Meter weit geschlagen.“
Erstaunlich, schließlich misst der Mini-Golfspieler gerade einmal 11,23 Zentimeter, der Ball ist eine Nachbildung aus leichtem Polyamid. Möglich werden diese Weiten durch ein System aus Zahnrädern im Inneren der Figur. Über diesen Drehmechanismus kann der Arm bewegt werden, sobald der Schläger eingespannt ist. „Der Trick liegt darin, möglichst viel Power in die Drehbewegung zu legen“, erklärt Hockenberger. „Je fester ich drücke, desto stärker schlage ich ab.“
„Aus Japan kommt niemand für ein Turnier angereist“
Von den „richtigen“ Golfern belächelt werden die Microgolfer keineswegs: „Im Gegenteil - wenn ein Grundverständnis für den Sport da ist, macht's umso mehr Spaß“, sagt Hockenberger. „Und die Spielfigur ist ein Designobjekt, ideal, um in einer kurzen Pause ein paar Bälle zu schlagen. Für mich ist Microgolf der Nachfolger des Tipp-Kick-Spiels - nur eben für Golfer.“ Die Spontaneität und seine räumliche Flexibilität machen den Sport attraktiv. Entsprechend kurios kann die Platzwahl ausfallen: Nach einem Turnier feierten die Spieler in einer Diskothek - und packten spontan die Microgolf-Ausrüstung aus.
Der Sport entstand 2004 als Idee einer Designfirma aus Darmstadt. Noch beschränkt sich die Popularität der Randsportart auf Deutschland. „Es gibt Spieler in anderen Ländern. Aber natürlich kommt aus Japan niemand für ein Turnier angereist, wir spielen schließlich ohne Preisgelder“, sagt Hockenberger. Eine Belohnung für den frischgebackenen Weltmeister gab es dennoch: eine besondere Microgolf-Figur im Kirschholzkasten.