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Rallye Dakar Die VW-Armada versinkt im feinen Sand der Sahara

15.01.2006 ·  Gemessen daran, daß VW vor dem Start der Dakar nichts anderes als den Sieg bei der Rallye als Ziel formuliert hatte, ist die Wettfahrt durch die afrikanische Wüste ein Wolfsburger Mißerfolg.

Von Leonhard Kazda
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Jutta Kleinschmidt war als erste in Dakar. Allerdings nicht als Siegerin, so wie im Jahr 2001, als sie als erste Frau und einzige Deutsche die Dakar-Rallye gewann. Dieses Mal erreichte die gebürtige Kölnerin in ihrem Volkswagen Race Touareg die senegalesische Hauptstadt nicht über staubige Savannenpfade, sondern auf öffentlichen Straßen.

Am Mittwoch waren Jutta Kleinschmidt und ihre italienische Beifahrerin Fabrizia Pons ausgeschieden. Auf der elften Etappe zwischen den malischen Orten Kayes und Bamako hatte ein kleiner Moment der Unaufmerksamkeit gereicht, um die große Favoritin endgültig aus dem Rennen zu werfen. "Es hat mir plötzlich das Lenkrad verrissen, und wir haben einen Baum getroffen", erzählte Jutta Kleinschmidt nach dem Zwischenfall. "Zuerst sah ich nur einen Busch, gar nicht den Baum, ich dachte, es sei eher harmlos."

Großer Ehrgeiz und viel Selbstbewußtsein

War es aber nicht. Der Wagen schlug heftig in einen massiven Baumstumpf, das Vorderrad war dahin und eine Reparatur in der gebotenen Eile unmöglich. "Bei genauer Betrachtung wurde mir schnell bewußt, daß der Schaden an der Radaufhängung zu groß war", sagte Jutta Kleinschmidt, die den herbeigeeilten Race-Truck und auch die vorbeifahrenden Teamkollegen weiterwinkte. Die schnelle Reparatur war unmöglich. "Das hatte keinen Zweck mehr." So wurde der waidwunde Race Touareg später provisorisch fahrtüchtig gemacht, und Jutta Kleinschmidt steuerte ihn zurück nach Kayes, wo sie die Nacht in einem Hotel verbrachte. Am Donnerstag nahm das ausgeschiedene Damenteam die direkte Fahrt nach Dakar auf - wo man auf den Rest der Volkswagen-Equipe wartete.

Das Aus für Jutta Kleinschmidt war für die mit großem Ehrgeiz und viel Selbstbewußtsein ins Wüstenrennen gestarteten Wolfsburger ein herber Dämpfer. Dabei hatte Jutta Kleinschmidt schon früh kaum noch Chancen auf den Gesamtsieg. "Die Rallye hatte ich schon vorher verloren, auf der achten Etappe, als ich im Sand feststeckte", erzählte sie, "deshalb ist der Ausfall für mich kein Weltuntergang." Daß er eine große Enttäuschung war, konnte und wollte aber auch Jutta Kleinschmidt nicht verschweigen. "Natürlich ist es bitter, nicht ins Ziel zu kommen."

Ein Wolfsburger Mißerfolg

Ein "Weltuntergang" ist das Ausscheiden eines der Favoritenfahrzeuge für das fünf Fahrzeuge starke Werksteam von VW-Motorsportchef Kris Nissen vor allem deshalb nicht, weil der Südafrikaner Giniel de Villiers mit seiner schwedischen Beifahrerin Tina Thörner ganz vorne mitfährt und nach dem Rückschlag für den zweimaligen Sieger Stephane Peterhansel Platz zwei hinter Luc Alphand (Mitsubishi) in greifbarer Nähe hat. Doch der Rest der VW-Armada war schon früh abgeschlagen. Der Amerikaner Mark Miller, kurz vor Schluß auf Rang fünf, der französische Weltcup-Sieger Bruno Saby und der so erfolgreich ins Rennen gestartete Spanier Carlos Sainz mußten ihre Hoffnungen auf den Gesamtsieg schon früh im feinen Sand der Sahara begraben.

Mit fünf Werksautos stellt Volkswagen das größte Team bei dieser 28. Dakar-Rallye. Der Aufwand, der auf der Jagd nach der Krone des Rallye-Raid-Sports betrieben wurde, ist gewaltig. Gemessen daran, daß VW vor dem Start der Dakar nichts anderes als den Sieg bei der Rallye als Ziel formuliert hatte, ist die Wettfahrt durch die afrikanische Wüste ein Wolfsburger Mißerfolg. Wie VW ihn verarbeitet, werden die kommenden Monate zeigen, in denen der Einsatz der Touaregs sportlich wie ökonomisch geprüft werden muß. Hat sich der Aufwand gelohnt? Ist ein zweiter Platz ein vermarktbarer Erfolg? Oder ist Volkswagen nur der erste Verlierer der Dakar?

Eine brutale, störrische und unbarmherzige Herrscherin

Schon am Pausentag, den die Dakar-Rallye vor einer Woche in der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott einlegte, hatte VW-Motorsportchef Kris Nissen technische Details geschildert, die vielleicht zu den Gründen zählen, daß Volkswagen in diesem Jahr wieder nicht den Dakar-Sieg, sondern nur einen Podiumsplatz erringen konnte. Nissen sprach von Problemen mit der Motorkühlung, die sich vor allem im feinen Sand der Dünen negativ ausgewirkt hätten. Dort kamen die Biturbo-Dieseltriebwerke aus Wolfsburg so ins Schwitzen, daß ein Leistungsabfall zu spüren war. Und dieser wiederum könnte dafür verantwortlich gewesen sein, daß VW weniger gut aus dem Sand kam als die Pajeros von Mitsubishi. Hinzu kam, daß die Strecke dieser Dakar durch sehr, sehr feinen Sand führte. Aber Sand ist in der Wüste lange nicht Sand. "Es waren zu wenige Dünen, richtig hohe Dünen, in denen man seine Erfahrung ausspielen kann", sagte Jutta Kleinschmidt nach ihrem Ausscheiden und fügte hinzu: "Das liebe ich."

Es wird sie wohl nie geben, die maßgeschneiderte Dakar, die in jedem Jahr eine brutale, störrische und unbarmherzige Herrscherin ist. Wenn an diesem Sonntag nach dem Schaulaufen um den Lac Rose vor den Toren Dakars der Sieger auf die Rampe fahren wird, darf er sich Wüstenkönig nennen - aber nur, weil die Dakar gnädig war.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 15.01.2006, Nr. 2 / Seite 17
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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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