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US Open : Das Glück des tüchtigen Nadal

  • -Aktualisiert am

Rafael Nadal ist im Finale der US Open der Favorit Bild: LANE/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Die Quälerei macht wieder Spaß: Rafael Nadal spielt bei den US Open zum dritten Mal in diesem Jahr um einen Grand-Slam-Titel – auch dank der Hilfe seines Onkels, der ihn vom Abgrund wegführte.

          Auch nach so vielen Jahren auf der Tour, nach Hunderten von Interviews und Fragen aller Art, ist er weiterhin ein Freund kurzer Ansagen, bisweilen garniert mit trockenem Humor. Es war die erste Pressekonferenz 2017, als Rafael Nadal im Januar in Brisbane gefragt wurde, ob er glaube, in diesem Jahr bei den Grand-Slam-Turnieren wieder zu den Herausforderern zu gehören. Zwei Jahre lang hatte er bei diesen wichtigsten Turnieren keine große Rolle gespielt, war nie weiter als ins Viertelfinale gekommen, und es hatte manchmal so ausgesehen, als werde die Welt des Tennis in Zukunft auf den großen Sieger Nadal verzichten müssen.

          Er wusste, dass die Leute so dachten, aber bei der Antwort auf die Frage brachte er die Sache auf für ihn typische Weise auf den Punkt. „Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil ich nicht in die Zukunft sehen kann“, erklärte er. „Und ich will nicht über Dinge reden, über die ich nicht reden sollte, weil ich sie nicht weiß. Das Einzige, was ich sagen kann, ist: Ich glaube, wenn ich gesund bin, dann werde ich auch wieder zu den Siegern gehören. Wenn ich es nicht bin, werde ich zu Hause beim Fischen sein.“

          Die Fische vor der Küste Mallorcas hatten eine ziemlich gute Zeit, vom bekanntesten Angler der Insel weitgehend in Ruhe gelassen. An diesem Sonntagabend wird Rafael Nadal bei den US Open in New York zum dritten Mal in diesem Jahr im Finale eines Grand-Slam-Turniers um den Titel spielen: In Melbourne verlor er das Finale in einer dramatischen Partie gegen Roger Federer, in Paris holte er sich mit größter Souveränität den zehnten Titel, und seine Chancen stehen auch in New York nicht schlecht, wenn er gegen Kevin Anderson spielt.

          Der Südafrikaner, mit 2,03 Metern einer der Längsten auf der Tour, stand nie zuvor in einem großen Finale. Aber Nadal wäre der Letzte, der auf die Idee käme, wegen dieser Konstellation sei er der Favorit; aus seiner Sicht beginnt jedes Spiel auf beiden Seiten bei null. Und würde es nicht irgendwie zu diesem verrückten Turnier passen, wenn am Ende nicht er den Pokal in den Händen hielte, sondern ein Mann wie Anderson vom Weltranglistenplatz 32? Nadal steht seit drei Wochen zum ersten Mal seit Sommer 2014 wieder an der Spitze dieser Rangliste, und falls er an diesem Sonntag im Arthur Ashe Stadium den Titel gewinnt, wird er vermutlich auch den Winter dort verbringen. Gewinnt er den Titel nicht, gibt es für Roger Federer vielleicht noch eine Chance, den langjährigen Rivalen wieder zu überholen. Aus dem erhofften Spiel zwischen Federer und Nadal wurde ja bekanntlich diesmal in New York nichts, weil der Schweizer im Viertelfinale gegen Juan Martín del Potro verlor. Der Argentinier wiederum startete im Halbfinale gegen Nadal wie die Feuerwehr, baute aber nach dem gewonnenen ersten Satz deutlich ab, auch zermürbt von Nadals veränderter Taktik und Schüssen aus allen Lagen.

          Bild: AFP

          Auf der Tribüne ist dieser Tage in der Box des Spaniers wie so oft bei großen Turnieren nie ein Platz frei. In der zweiten Reihe nehmen seine Eltern, seine Schwester und seine langjährige Freundin Platz, in der ersten sitzen gewöhnlich von rechts nach links der PR-Mann, daneben Manager Carlos Costa, Coach Carlos Moya und außen an der Treppe wie immer Onkel Toni mit der weißen Kappe. Gut möglich, dass man den berühmtesten Trainer-Onkel der Welt in Zukunft in New York nicht mehr sehen wird. Schon vor Monaten hatte Rafael Nadal angekündigt, der Onkel werde sich nach diesem Jahr aus seinem Team verabschieden, um sich in Zukunft zu Hause in Manacor mehr um seine neue Akademie und die Familie zu kümmern, die Hauptarbeit im Training werde Moya übernehmen.

          In Europa wird man den Onkel sicher gelegentlich noch bei einem Spiel des Neffen treffen, aber Toni Nadal fliegt nicht gern, und es ist fraglich, ob er sich die Tour nach New York dann noch antun wird. Ohne den Onkel, der seit mehr als 20 Jahren Trainer und gewissermaßen sein zweiter Vater ist, wäre der Spieler Rafael Nadal nicht der unerbittliche Wettkämpfer, der er ist. Oft genug gab er ihm im Leben wie im Training Aufgaben, die so aussahen, als seien sie zu hart, doch die beiden stehen sich nach wie vor sehr nah. Bei den French Open in Paris wurde Toni schon mit einem Pokal verabschiedet und belohnt, der dem Siegerpokal des Neffen exakt nachgebildet war. Es war ein großer Moment für ihn, als er bei der Siegerehrung auch aufs Podium gerufen wurde, und es könnte nun keinen besseren Abschluss für den wichtigsten Denker und Lenker des spanischen Tennis geben als einen dritten Titel des Neffen im Arthur Ashe Stadium.

          Mit 15 Grand-Slam-Titeln stünde Rafael Nadal dann allein auf Platz zwei in der Erfolgsliste des Männertennis hinter Roger Federer (19), aber man darf ihm glauben, wenn er sagt, wichtiger sei ihm eine ganz spezielle Form von Glück. „Ich bin glücklich, wenn ich gesund bin, und ich bin glücklich, wenn ich den Wettbewerb annehmen kann, und genau so war es in diesem Jahr.“ Es gab Zeiten, vor allem vor zwei Jahren, als er sich nicht mehr motivieren konnte, als er auf einmal in einen Abgrund blickte und sich nicht wiedererkannte, weil ihm das Spiel und die tägliche Schinderei nicht mehr so viel bedeuteten wie früher. Jetzt quält er sich wieder und ist glücklich dabei, im Training wie im Spiel, und er hätte nichts dagegen, wenn das noch ein paar Jahre so weiterginge.

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          Quelle: F.A.S.

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