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Rafael Nadal : Der Herrscher von Paris

  • Aktualisiert am

Inniges Verhältnis: Rafael Nadal und die Siegestrophäe der French Open Bild: dapd

Bei den French Open zeigt Rafael Nadal, dass er mit jedem Gegner fertig wird. Zum siebten Mal gewinnt er das wichtigste Sandplatzturnier der Welt – und überholt den großen Björn Borg.

          Egal ob es regnet oder die Sonne scheint, egal ob das Finale am Sonntag oder Montag endet – und selbst wenn aus dem roten Ziegelmehl auf dem Court Philippe Chatrier im Pariser Stade Roland Garros durch den Dauer-Nieselregen wie am Sonntag ein matschiger, rutschiger Untergrund wird: Rafael Nadal wird bei den French Open mit allen Widrigkeiten und vor allem mit jedem Gegner fertig. Am Montag benötigte der 26-jährige Spanier in der Fortsetzung des am Sonntagabend nach der zweiten Regenunterbrechung auf Montag verschobenen „Finals aller Finals“ noch exakt 49 Minuten, um den 6:4-, 6:3-, 2:6-, 7:5-Sieg gegen Novak Djokovic zu vollenden.

          Der Linkshänder aus Manacor feierte seinen siebten Sieg beim wichtigsten Sandplatzturnier der Welt. Er übertraf damit den bisherigen Rekordsieger, den Schweden Björn Borg, der in Paris von 1974 bis 1981 sechsmal triumphiert hatte – und er beendete damit eine Niederlagenserie gegen den ein Jahr jüngeren serbischen Weltranglistenersten bei den Saisonhöhepunkten. Nadal hatte die letzten drei Endspiele bei Grand-Slam-Turnieren gegen den Primus verloren: in Wimbledon und bei den US Open 2011 sowie den Australian Open Anfang diesen Jahres.

          Wegen dieser Ausgangslage stand für den Weltranglistenersten aus Belgrad viel, mindestens so viel auf dem Spiel wie für den Pariser Seriensieger: Djokovic winkte die Chance auf den „Djokovic Slam“, also die Gelegenheit, als erster Spieler seit 43 Jahren die vier wichtigsten Tennisturniere der Welt in Folge zu gewinnen – ein tennishistorischer Coup, den Nadal in den Jahren 2006 und 2007 schon dem Schweizer Roger Federer mit seinen Finalerfolgen vermasselt hatte.

          Zum siebten Mal steht sein Name auf dem Sockel Bilderstrecke
          Zum siebten Mal steht sein Name auf dem Sockel :

          Im Match, das am Sonntag unter dräuenden Wolken im Pariser Bois de Boulogne begonnen hatte, schienen die Rollen zunächst eindeutig verteilt. Der Mallorquiner dominierte mit seinen gewaltigen Grundschlägen die Partie. Er demonstrierte, was der ehemalige Weltranglistenerste John McEnroe als Kommentator des amerikanischen Fernsehens schon im Laufe des Turniers erkannt hatte: „Ich habe Rafa noch nie besser spielen sehen.“

          Erste Endspiel-Vertagung seit 1973

          Dass es für Nadal dennoch ein hartes Stück Arbeit wurde, hatte einmal mit der Beharrlichkeit und Klasse seines Gegners zu tun, aber auch mit dem Nieselregen, der fast während des gesamten ersten Finalakts am Sonntag auf die beiden Spieler und die 16.000 Zuschauer niederging. Nadal verlor im dritten Satz sichtlich die Contenance. Immer wieder schimpfte er über den Platz und vor allem über die immer schwerer werdenden Bälle, denen nach jedem Bodenkontakt nasser Sand anhaftete. Damit verlor Nadals schärfste Waffe, sein extremer Topspin, viel von seiner Wirkung. Mehrfach forderte er eine Unterbrechung – zunächst vergeblich. Der Iberer verlor den dritten Satz und acht Spiele in Folge – raffte sich aber gerade noch rechtzeitig vor der Vertagung auf. Bevor das Endspiel erstmals seit 1973 in die Verlängerung ging – damals hatte der Rumäne Ilie Nastase den Kroaten Nikola Pilic erst am Dienstag endgültig besiegt – verkürzte Nadal auf 1:2 im vierten Satz, lag aber immer noch ein Break zurück.

          Als die Partie am Montag – das Stadion war nur noch zu zwei Dritteln gefüllt – wieder aufgenommen wurde, stand wieder der Sandplatz-Souverän Nadal auf dem Platz. Er durchbrach sofort den Aufschlag von Djokovic. Selbst als der Regen wieder einsetzte und beim Stand von 5:4 so heftig wurde, dass die Spieler beim Seitenwechsel ein paar Minuten unter Schirmen verharren mussten, erschütterte das Nadal diesmal nicht. Der Serbe hielt zwar bis zum 5:5 sein Service, aber er stand gegen den aggressiv agierenden Nadal ständig unter Druck, vor allem weil sein erster Aufschlag viel zu selten kam. Dagegen brachte Nadal seine Aufschlagspiele ohne Mühe durch.

          Mix aus Französisch, Spanisch und Englisch

          So schien es nur eine Frage der Zeit, bis Nadal seine Bilanz bei den French Open auf 52:1 Siege erhöhen würde. Schon beim ersten Matchball schenkte ihm Djokovic mit seinem vierten Doppelfehler den Sieg. Nadal fiel wie jedes Jahr auf die Knie, kletterte anschließend in die Loge zu seiner Entourage, biss für die Fotografen wie üblich in den Coupe des Mousquetaires, den er aus der Hand von Mats Wilander, dem schwedischen French-Open-Sieger von 1982, 1985 und 1988, erhalten hatte.

          In einem Mix aus Französisch, Spanisch und Englisch dankte er dem Publikum und ordnete seinen elften Triumph bei einem Grand-Slam-Turnier ein: „Das war der speziellste Moment in meiner Karriere.“ Djokovic zeigte auch in der Niederlage Größe. Der Wahl-Monegasse demonstriere zur Freude des Publikums seine frisch erworbenen französischen Sprachkenntnisse: „Für mich war es eine Ehre, erstmals im Finale der French Open zu stehen. Rafa war heute der bessere Spieler. Ich hoffe, ich komme nächstes Jahr wieder und spiele dann noch besser.“ Ob selbst das gegen einen Nadal in Höchstform reicht? Schwer vorzustellen, nach der zweiwöchigen Paris-Gala von Nadal, in deren Verlauf der König von Roland Garros nur gegen Djokovic einen Satz abgab.

          Quelle: FAZ.NET

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