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Rafael Nadal Blau und unerbittlich

 ·  Nach langer Verletzungspause ist Rafael Nadal zurück - er muss sich nun auf hartem Kunststoff bewähren. Das erste Spiel in Indian Wells gewinnt der Spanier. Doch Nadal weiß, dass er keine lineare Entwicklung erwarten kann.

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© dpa Kämpferisch in Indian Wells: Rafael Nadal kehrt nach 346 Tagen auf den Hartplatz zurück

Die Trainingsstunde war vorüber, Roger Federer stand am Rande des Platzes und schrieb seinen Namen auf Tennisbälle, Zeitschriften und Kappen. Gewissenhaft arbeitete er die Reihe der Fans von links nach rechts ab, als ihm jemand von hinten einen netten Klaps auf die Schulter gab. Er drehte sich um und sah in die Augen von Rafael Nadal; es war die erste Begegnung der beiden seit mehr als einem halben Jahr. Federer meinte am Tag danach, er habe sich sehr darüber gefreut und hoffe, im Laufe des Turniers mehr von Nadal zu erfahren, wie es dem denn jetzt gehe.

Das wüssten alle gern. Erste Schlüsse könnte man aus der Tatsache ziehen, dass der Spanier seit seiner Rückkehr bei zwei von drei Turnieren in Chile, Brasilien und Mexiko den Titel gewann. Aber in Viña del Mar, São Paulo und Acapulco wurde auf Sand gespielt, und auf diesem Untergrund machen ihm seine lädierten Knie weniger zu schaffen. In Indian Wells wartet wieder jener Boden, der ihn am meisten quält: harter Kunststoff, blau gefärbt und unerbittlich.

Seit nahezu einem Jahr hat Nadal nicht mehr auf solchem Untergrund gespielt. Nachdem er 2012 in Indian Wells das Halbfinale erreicht und gegen Federer verloren hatte, war er beim folgenden Turnier in Miami zum Halbfinale nicht mehr angetreten, weil er wegen neuer Schmerzen im Knie kaum noch stehen, geschweige denn laufen konnte. Zwei Monate später gewann er zwar seinen siebten Titel bei den French Open in Paris, aber dann ging es schrittweise bergab.

In Wimbledon verlor er früh, musste dann schweren Herzens auf den Start bei den Olympischen Spielen in London verzichten, und obwohl sein Camp zunächst noch die Nachricht verbreitete, er werde bald wieder im Spiel sein, wurde bald klar, wie groß die Misere wirklich war. Er strich auch den geplanten Start bei den US Open und zog sich zur Behandlung der entzündeten Patellasehne am linken Knie nach Mallorca zurück.

Golf spielen, Fischen, Familie und Freunde

Sieben Monate drehte sich die Welt des Tennis ohne Rafael Nadal. Wie er diese Zeit erlebte? „Die meiste Zeit habe ich im Fitnessraum bei Übungen verbracht“, erzählte er vor seinem ersten Spiel beim Masters-1000-Turnier am Samstag, „ich habe öfter Golf gespielt als sonst, war öfter beim Fischen, hatte mehr Zeit für die Familie und Freunde. Und alle haben mir dabei geholfen, die Situation mit dem Knie zu vergessen. Aber es ist hart, wenn du nicht weißt, wie lange das alles dauern wird.“

Über seine Verletzungen und die damit verbundenen Probleme mochte er noch nie reden, und er würde es auch jetzt am liebsten nicht tun. Aber er weiß, dass er den Fragen nicht entkommen kann.

Gemessen an der Form, in der er am vergangenen Sonntag in Acapulco gegen Landsmann David Ferrer gewann und dabei nur zwei Spiele abgab, scheint er auf einem guten Weg zu sein. Nur zur Erinnerung: Ferrer ist jener andere, nicht ganz erfolglose Spanier, der ihn in dessen Pause in der Weltrangliste überholt und auf Platz fünf verdrängt hatte. Nadal sagt, in diesem Spiel, einem seiner besten überhaupt auf Sand, habe er vergessen, dass er sieben Monate weg gewesen sei. Dem Knie gehe es von Woche zu Woche besser, und er müsse einfach daran glauben, dass es so weitergehe. „Ich versuche mein Bestes; mal sehen, wie das Knie auf den Hartplatz reagieren wird. Aber ich erwarte kein großes Spiel in der ersten Runde.“

Sicher wäre er besser dran, wenn er sich auf Sand oder Rasen konzentrieren könnte und um die Hartplätze einen Bogen machen dürfte. Aber das lässt das System nicht zu. Vor allem widerspricht es auch seiner Vorstellung vom „kompletten“ Spieler, der sich jeder Herausforderung stellt.

Hoffnung auf bessere Zeiten hegen und pflegen

Bei acht Teilnahmen in Indian Wells, wo er am Samstag sein Erstrundenspiel gegen den Amerikaner Ryan Harrison 7:6 (7:3), 6:2 gewann, erreichte Nadal nur ein einziges Mal nicht mindestens das Halbfinale. Aber am Ende wird es nicht um diesen Titel gehen, sondern um die Möglichkeit, irgendwann, auf halbwegs gesunden Beinen, vielleicht den achten in Paris zu gewinnen oder den dritten in Wimbledon. Aber ein Blick in die Vergangenheit des Tennis zeigt, was eine lange Fehlzeit anrichten kann. John McEnroe nahm sich 1986 ein halbes Jahr Auszeit und gewann danach nie wieder einen Grand-Slam-Titel. Auch der Schwede Mats Wilander kehrte nach der ersten von diversen Pausen nicht mehr als großer Sieger zurück.

Aber im Gegensatz zu diesen beiden fehlt es Nadal offensichtlich nicht an der Motivation, sich weiter zu schinden und alles zu nutzen, was der strapazierte Körper hergibt. Nach dem Sieg in Acapulco hatte er gesagt, er verlasse Mexiko glücklich und überrascht. Rafael Nadal weiß, dass er keine lineare Entwicklung erwarten kann. Umso wichtiger dürfte es für ihn jetzt sein, die lange vermisste Hoffnung auf bessere Zeiten zu hegen und zu pflegen.

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