09.05.2007 · Der Fall Basso entwickelte sich zu einer Geständnis-Farce. Dahinter vermutet Italiens Staatsanwaltschaft ein striktes Schweigegebot. Ein Kollege Bassos soll dennoch detaillierte Aussagen zur Fuentes-Affäre gemacht haben.
Das offensichtliche Schweigegebot rückt den Profi-Radsport immer weiter in Mafia-Nähe. „Sie haben Angst zu reden. Sie fürchten Schlimmes. Diese Jungs sind Opfer, umgeben von Managern, Ärzten und Handlangern“, sagte Ettore Torri, der Staatsanwalt des italienischen Sportbundes Coni, im italienischen Fernsehen. Hintergrund ist die Geständnis-Farce von Ivan Basso in der Fuentes-Affäre, für die der Giro-Gewinner weltweit kritisiert wurde.
Der ebenfalls geständige Radprofi Michele Scarponi ging offensichtlich beim Verhör der Anti-Doping-Kommission des Coni weiter als sein prominenter Kollege. „Scarponi hat in zwei Stunden das gesamte Doping-System von Fuentes dargelegt“, berichtete die italienische Sportzeitung „Gazzetta dello Sport“. Die römische Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch Ermittlungen gegen die Radprofis Ivan Basso und Michele Scarponi wegen „Sportbetrugs“ eingeleitet, der in Italien strafbar ist.
„Wir werden Basso in Bergamo befragen lassen“
Im Zusammenhang mit der Doping-Affäre um einen Arzt aus dem südniedersächsischen Ort Bad Sachsa will auch die Staatsanwaltschaft Göttingen Ivan Basso vernehmen. „Wir werden Basso von unseren italienischen Kollegen in Bergamo befragen lassen“, sagte der Behördensprecher Hans Hugo Heimgärtner am Mittwoch.
Zusätzlich sollen Beamte des Bundeskriminalamtes Basso vernehmen. Der Italiener hatte zugegeben, Blut beim spanischen Arzt Eufemiano Fuentes für ein geplantes Doping deponiert zu haben. Der Arzt aus Bad Sachsa steht im Verdacht, Fuentes mit Dopingmitteln beliefert zu haben.
Thomas Bach: „Das klingt sehr nach Taktiererei“
Massimo Martelli, der Anwalt des 29-jährigen Ivan Basso, deutete derweil an, sein Mandant habe gegenüber dem Coni mehr erzählt als bei der Pressekonferenz tags darauf. „Ivan hat seinen eigenen Fall betreffend alles erzählt. Er kann ja nur für sich sprechen. Die Fahrer fuhren ja nicht in Bussen zu Fuentes nach Spanien“, sagte er der „Gazzetta dello Sport“. Thomas Bach, Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees, findet jedoch: „Das klingt schon sehr nach Taktiererei. Aber nach dem Wada-Code wird ihm seine Darstellung nicht viel helfen, weil auch Vorstufen des Dopings sanktioniert werden können.“ Basso könne auch für den Giro 2006 noch disqualifiziert werden.
Mit den Spaniern Ruben Plaza und Constantino Zaballa werden zwei weitere in den spanischen Dopingskandal verwickelte Radprofis nicht an dem am Samstag beginnenden Giro d'Italia teilnehmen. Sie wurden von ihrem Rennstall Caisse d'Epargne kurzfristig aus dem Aufgebot gestrichen. Zuvor hatte bereits das Tinkoff-Team auf die Nominierung des Ansbachers Jörg Jaksche und von Olympiasieger Tyler Hamilton (Vereinigte Staaten) verzichtet.