02.03.2009 · Claudio Sprenger ist Milram-Teamarzt - und kam ins Gerede: Der Italiener, damals beim Team Polti, soll dem Doping-Kronzeugen Jörg Jaksche bei der Tour de France 1998 Insulin gespritzt haben. Sprenger streitet ab - und auch Milram steht zu ihm.
Von Rainer SeeleVon Claudio Sprenger war in der Öffentlichkeit bisher kaum etwas zu hören, obwohl er beim Team Milram eine verantwortungsvolle Position einnimmt. Sprenger ist Teamarzt beim einzigen deutschen Radrennstall der ersten Kategorie, er kümmert sich dort, wie es heißt, vornehmlich um administrative Angelegenheiten, er ist Ansprechpartner für den Internationalen Radsportverband.
Nun allerdings kam Sprenger ins Gerede, es handelt sich um ein heikles Thema: Der Italiener soll dem Ansbacher Jörg Jaksche bei der Tour de France 1998 Insulin gespritzt haben, das auf der Liste der verbotenen Substanzen steht. Diesen Vorwurf soll der Doping-Kronzeuge Jaksche bei einer Vernehmung durch das Bundeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft erhoben haben, das Protokoll war unlängst publik geworden. Jaksche fuhr 1998 für das Team Polti, Sprenger war bei der italienischen Equipe als junger Mediziner beschäftigt.
Claudio Sprenger: „Ich habe niemals etwas gemacht“
Der Italiener hat die Anschuldigungen inzwischen zurückgewiesen. Das Team Milram will sich das von ihm aber auch noch schriftlich bestätigen lassen. Sprenger muss in Kürze eine eidesstattliche Erklärung unterschreiben, er hat sich dazu auch bereit erklärt. Gerry van Gerwen, niederländischer Teameigner von Milram, sagt, dass Sprenger seine Unschuld mit diesen Worten beteuert habe: „Ich habe niemals etwas gemacht.“
Es sei eine „totale Verneinung“ gewesen. Sprenger sei 1998 – die Tour war damals durch den Doping-Skandal um Festina erschüttert worden – auch nur während „der letzten fünf Tage“ bei der Frankreich-Rundfahrt gewesen. Das Team Milram, das sich nach einem Neuanfang für einen glaubwürdigen, transparenten Radsport einsetzen möchte, sieht jedenfalls keinen Anlass, Sprenger zu entlassen. Es gebe keinen Grund dafür, sagt van Gerwen, „ich muss hinter meinem Personal stehen“.
Stanga, ein Vertreter des alten Systems im Radsport
Sprenger sei ein Mann, heißt es unterdessen in der Branche, der dazugelernt habe – das soll angeblich bedeuten, dass er seine Aufgaben korrekt wahrnehme. Ob das aber auch beispielsweise 1998 so war? Zu dieser Zeit war Gianluigi Stanga Manager beim Team Polti.
Der Italiener hatte in der jüngeren Vergangenheit auch beim Team Milram gearbeitet. Nachdem aber auch er von Jaksche, der sich dezidiert über Doping-Praktiken im Profiradsport äußerte, schwer belastet worden war, handelte die deutsche Mannschaft: Sie trennte sich von Stanga, einem Vertreter des alten Systems im Radsport.