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Radsport-Kommentar Dieser Sport ist nicht zu retten

28.11.2007 ·  Es war allerhöchste Zeit für den Telekom-Konzern, die Notbremse zu ziehen. In dem Radsport-Gestrüpp aus Scheinheiligkeit, Dreistigkeit und opportunistischer Überlebensstrategie ist kein Imagegewinn zu holen.

Von Evi Simeoni
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Sechzehn Jahre hat die Ära der Deutschen Telekom im Profiradsport gedauert. Nach einer grandiosen Zeit Ende der neunziger Jahre und einem quälenden Niedergang bleibt nun ein verblüffendes Ergebnis: Es ist eben doch nicht alles im Leben nur eine Frage der guten PR.

Der Rennstall, ob als Team Telekom oder als Team T-Mobile, hat sich zwar glänzend verkauft in seinen Spitzenjahren, als erst Bjarne Riis und dann Jan Ullrich und Erik Zabel hierzulande zu Radsporthelden aufstiegen. Er hat 1998 den Festina-Skandal ohne großen Schaden überstanden, hat Jan Ullrichs erste positive Doping-Probe im Jahr 2001 ausbalanciert, Ullrichs Verwicklung in den Fuentes-Skandal zu einer neuen Offensive genutzt und sogar das kaltschnäuzige Epo-Geständnis des einstigen Kapitäns Riis weggesteckt. Er hat im Mai Aldag und Zabel aufs Podium geschickt, um späte Reue zu demonstrieren, um dem inbrünstig beschworenen Neuanfang Glaubwürdigkeit zu verleihen. Er hat schließlich, zusammen mit dem neuen Teammanager Bob Stapleton, ein Anti-Doping-Programm installiert, das den Profiradsport revolutionieren sollte. Doch heute steckt er trotzdem mitten drin im Doping-Sumpf. Und jetzt?

Gestrüpp aus Scheinheiligkeit und Dreistigkeit

Der Vorstand der Deutschen Telekom hat entschieden, dass Schluss sein soll mit dem Engagement in einer Szene, die immer noch durch ihren unerschütterlichen Glauben an die unerlaubten Leistungssteigerer alle Reformbemühungen erstickt. In diesem Gestrüpp aus Scheinheiligkeit, Dreistigkeit und opportunistischer Überlebensstrategie, das haben sie nun erkannt, ist kein Imagegewinn mehr zu holen. Es gibt keine Rolle für die Guten in diesem Possenspiel: Man kann sich nur mit den Betrügern zusammentun oder sich lächerlich machen. Es war also allerhöchste Zeit für den Konzern, die Notbremse zu ziehen.

Für den Profiradsport in Deutschland ist das ein Schlag mit schweren Folgen. Er wird tief sinken, weit unter das Niveau vor dem Telekom-Engagement, das 1992 begann. Die Namen der wichtigsten Rennställe werden verschwinden: Neben T-Mobile auch Gerolsteiner – der Hauptsponsor zieht sich spätestens nach der kommenden Saison zurück. Das Zweitliga-Team Wiesenhof existiert schon nicht mehr.

Nachwuchsfahrer verlieren ihr Ziel

Und die Karrieren all der jungen Nachwuchsrennfahrer, die bewundernd zu Ullrich, Zabel, Aldag oder Bölts aufgeschaut und davon geträumt haben, auch einmal im Magenta-Trikot die Bergrampen zu erklimmen, verlieren damit ihr Ziel. Sie und ihre Eltern – sofern sie noch an eine saubere Zukunft des Radsports geglaubt haben – müssen nun erkennen: Dieser Sport ist nicht zu retten. Auch die Millionen von T-Mobile haben es nicht vermocht.

Es gibt, das zeigt die Entwicklung, eben doch kein richtiges Leben im falschen. Allen PR-Kampagnen zum Trotz. Die Deutsche Telekom, die mit ihrer Tochter T-Mobile im vergangenen Jahr angeblich angetreten ist, um der Branche zu einer Neuorientierung zu verhelfen, wird deswegen auch nach dem Abstieg vom Rad an diesen Beteuerungen gemessen werden. Wird der Konzern nach diesem steinigen Weg der Erkenntnis nun die düstere Vergangenheit seines Radsportengagements offenlegen? Wird er die Zusammenarbeit mit den Behörden und der Untersuchungskommission der Freiburger Universitätsklinik intensivieren, auch wenn er dabei riskiert, am Ende zumindest als Doping-Dulder dazustehen? Dies zu wagen und zu den Schlussfolgerungen zu stehen wäre ein notwendiges Zeichen von Verantwortungsgefühl.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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