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Radsport Hölzerne Symbolik

Die Strategen des Internationalen Radsportverbandes haben sich für die Rad-WM in Florenz ein Symbol ausgedacht, das die Szene treffend beschreibt: Pinocchio.

© dapd Vergrößern Kein Scherz: Pinocchio ist das Maskottchen der Straßenrad-WM 2013 in Italien

Wenn der Ruf verspielt ist, dann hilft nur noch die Flucht nach vorne. Das haben sich offenbar auch die Strategen des Internationalen Radsportverbandes (UCI) gedacht, als sie sich ein Maskottchen für die Straßenrad-WM 2013 in Florenz ausgedacht haben: Pinocchio. Ausgerechnet Pinocchio - die holzgeschnitzte Kinderbuchfigur, der bei jeder Lüge eine lange Nase wächst. Mut zur Ehrlichkeit könnte man meinen, gerade weil keine Sportart zurzeit so mit Lug und Trug in Verbindung gebracht wird wie der Radsport. Warum also nicht gleich einen anerkannten Lügenbold zum Wappentier machen?

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Doch Ironie ist den Pedaleuren fremd: „Unser Pinocchio ist mit seinen Wurzeln verbunden, glücklich, athletisch und aufmerksam“, heißt es auf der Homepage der toskanischen Rad-WM: Pinocchio schaue zum Horizont und drücke damit eine optimistische Haltung aus. Ein Ausreißversuch, um in der Sprache des Radsports zu bleiben. Denn Pinocchio war schon seinem Entdecker, dem Tischler Antonio, im Roman nicht geheuer. Ein Holzscheit, das sprechen kann? Er schob die Verantwortung weiter an Meister Geppetto, einen älteren Holzschnitzer aus ärmlichen Verhältnissen, der wegen der Holzpuppe ständig Scherereien bekam und sogar im Gefängnis landete. Sind Ähnlichkeiten zum Radsport wirklich nur zufällig?

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Der Schöpfer der Romanfigur war Carlo Colladi, ein Journalist aus Florenz, der eigentlich Carlo Lorenzini hieß. Er dachte sich die Figur des lügenden Holzkopfs 1881 aus - gut 20 Jahre vor der ersten Auflage der Tour de France. Doch den Erfolg seiner Figur erlebte der Schriftsteller nicht mehr. Erst im 20. Jahrhundert wurde der literarische Wert des Werkes, das im Untertitel „die Geschichte eines Hampelmanns“ heißt, anerkannt. Also doch Hoffnung für die Zukunft des Radsport?

Schon der Name der geschnitzten Figur ist Programm: „Pino“ steht für die Pinie, das Holz, „Pinco“ ist die Verniedlichung des Dummkopfs und „occhio“ steht für Auge. Holzauge sei wachsam? Oder einfach nur Holzkopf? Die Übersetzung lässt Raum für Interpretationen. Schließlich verwandelt sich Pinocchio im Laufe der Geschichte in einen Esel - und wieder zurück. Pinocchios Nase, das weiß jedes Kind, wächst bei jeder Lüge, was ihn natürlich verrät. Wie einfach wäre der Radsport, wenn er auf ein solches Signal bei der Überwachung des Pelotons zurückgreifen könnte? Man brauchte keine teuren Dopingproben mehr und könnte auf lächerliche Pressekonferenzen verzichten: Nase wächst, Radfahrer gedopt!

Mit dem Ende der Geschichte gewinnt sogar die Pädagogik. Pinocchio lügt nicht mehr, weil ihm die lange Nase unangenehm wird. Und somit ist die Idee, ihn für die Rad-WM zu nominieren, richtig. Nur als Maskottchen taugt er nicht.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 29.10.2012, 17:45 Uhr

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