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Radsport-Kommentar : Bunt und berüchtigt

Altbekanntes Gesicht: Manolo Saiz dreht wieder am großen Rad Bild: Picture-Alliance

Der Radsport lässt seine Protagonisten nicht fallen. Riis ist dabei, auch Winokurow. Jetzt kommt auch Saiz wieder. Hereinspaziert, willkommen zurück im Klub! Ganz gleich, was war.

          Ach, der Radsport: Sehr verlässlich, das muss man ihm wirklich lassen. Hält eisern an Traditionen fest. Lässt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, seine Protagonisten nicht fallen, selbst wenn sie - für die Öffentlichkeit zumindest - in sehr schlechtem Licht dastehen. Ist fast so wie in einer Seifenoper des Fernsehens: immergleiche Geschichten und Gesichter, über Jahre, sogar über Jahrzehnte hinweg.

          Nehmen wir Bjarne Riis: Däne und Doper von einst, aber weiterhin dick im Geschäft mit dem Team Tinkoff-Saxo und mit russischen Millionen. Hatte zwar bei der vergangenen Tour de France arg Pech mit Alberto Contador, aber der Spanier rappelte sich nach seiner Verletzung schnell wieder auf. Ein harter Kerl halt.

          Das soll auch so bleiben, dafür wird der listige Riis schon sorgen. Er will seine Profis nun, Teambuilding der besonderen Art vor der neuen Saison, zum Kilimandscharo schicken. Prächtige Idee, schließlich müssen Radrennfahrer, grundsätzlich, in der Lage sein, in dünner Luft zurechtzukommen. Riis, der Unverwüstliche, kennt sich damit gut aus.

          Wie Alexander Winokurow, auch so ein Haudegen des Radsports. Steckt zwar gerade mal wieder in der Bredouille, weil sich in seinem kasachischen Rennstall zuletzt die Doping-Fälle häuften. Aber wahrscheinlich wird sich der linientreue Winokurow, vom kasachischen Regime protegiert, schon irgendwie durchwursteln. Woher soll der gute Mann denn auch wissen, was sich in den Köpfen oder in den Blutbahnen seiner Profis abspielt?

          Bjarne Riis fuhr einst schon am Hinterrad von Jan Ullrich

          Riis, Winokurow - und jetzt auch wieder Manolo Saiz: ein klingender Name im Radsport, zurückgekehrt in die Branche, die ihm offenbar immer noch viel bedeutet. Herzenssache, klar doch. Saiz, ein Mann mit beträchtlicher Körperfülle, arbeitet nun als Manager des unterklassigen spanischen Teams Baque-Campos. Just der Saiz, der mal Mannschaften wie Once oder Liberty-Seguros betreut hatte, der mit dem Doping-Arzt Eufemiano Fuentes kooperierte, in dem man ein Symbol für die Betrügereien im Radsport sehen kann.

          Trotzdem: Hereinspaziert, willkommen zurück im Klub! Nein, auch der durchtriebene Saiz wird nicht in die Wüste geschickt. Und wenn es tatsächlich mal dazu kommen würde: Macht nichts, im Gegenteil, schließlich hat der Radsport sein Hoheitsgebiet mächtig ausgeweitet. Er baut längst auch auf Sand, in Dubai oder Qatar. Die Karawane zieht weiter, immerfort. Ein buntes, teilweise berüchtigtes Völkchen. Wie es auch dem angeblich neuen Radsport zu gefallen scheint.

          Auch Alexander Winokurow ist seit vielen Jahren dabei

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