14.10.2008 · Das Team Gerolsteiner hat sich nach den jüngsten Dopingfällen mit sofortiger Wirkung aus dem Radsport zurückgezogen. Hintergrund des Beschlusses ist der Ethikcode der Team-Vereinigung MPCC. Unterdessen hat Lance Armstrong Zweifel an seinem Start bei der Tour 2009 geäußert.
Das Team Gerolsteiner hat sich nach dem Dopingfall Bernhard Kohl (siehe: Doping: Tour-Dritter Bernhard Kohl des Cera-Missbrauchs überführt) mit sofortiger Wirkung aus dem Radsport zurückgezogen. Hintergrund für den Beschluss ist der selbst auferlegte Ethikcode der Team-Vereinigung MPCC, auch „Klub der Anständigen“ genannt. Laut internem Reglement greift nach dem zweiten Dopingfall automatisch der Selbstsanktionierungs-Mechanismus. Demnach muss sich ein Rennstall automatisch für acht Tage aus dem Geschehen zurückziehen.
Ende des Teams, Ende der Nachuntersuchungen
Da das Team Gerolsteiner nach der Lombardei-Rundfahrt am Samstag ohnehin kein Rennen mehr bestreiten wird, ist der Rückzug gleichbedeutend mit dem Ende des Teams, das für die kommende Saison keinen neuen Sponsor gefunden hat. Kohl war ebenso wie Teamkollege Stefan Schumacher bei den nachträglich analysierten Dopingkontrollen positiv auf das Epo-Mittel Cera getestet worden. Die Analyse der B-Probe steht noch aus.
Derweil sind die Kontrollen der 14 verdächtigen Fahrer der diesjährigen Tour de France durch die französische Anti-Doping Agentur (AFLD) abgeschlossen. Das berichtet die französische Sporttageszeitung „L'Equipe“. Demnach war Kohl war der siebte und letzte Fahrer, der bei den nachträglichen Analysen der Blutproben positiv getestet worden war. Neben Kohl, dessen Teamkollegen Stefan Schumacher und dem Italiener Leonardo Piepoli habe es bei den Nachuntersuchungen keine weiteren positiven Proben gegeben. Weitergehende Analysen soll es nicht geben.
Nachweisverfahren zu Eigenblutdoping noch nicht angewendet
„Alle Blutkontrollen zu untersuchen, wäre zu aufwendig. Es waren schließlich auch nicht alle Fahrer verdächtig. Deshalb haben wir uns diese 14 Fahrer herausgesucht“, sagte ein AFLD-Sprecher und schloss Zweifel am Testverfahren aus: „Es wurde in zwei unterschiedlichen Labors getestet. Außerdem ist die Analyse auch nicht neu. Es wurde bloß nach einem neuen Molekül gesucht.“
Das ebenfalls von der AFLD vorangetriebene Verfahren zum Nachweis von Eigenblutdoping bedarf derweil noch Zeit. „Wir arbeiten daran, aber wir können noch nicht versprechen, wann es kommt.“ Trotz der Rekordzahl von sieben Dopingfällen sieht AFLD-Präsident Pierre Bodry einen Wandel zur Besserung im Peloton: „Die letzte Tour ist offener gewesen. Es gab keinen Fahrer, der jeden Tag geglänzt hat. Das führen wir auf unsere Arbeit zurück. Wir arbeiten weiter an der Reinigung des Pelotons.“
Armstrong zweifelt an Tour-Start
Lance Armstrong hat unterdessen Zweifel an seinem Tour-Start 2009 geäußert. „Es gibt die Möglichkeit, dass der Giro meine einzige dreiwöchige Rundfahrt sein wird. Momentan habe ich Zweifel wegen der Tour“, sagte der US-Radprofi dem Internetdienst der italienischen Sporttageszeitung Gazzetta dello Sport. Als Grund nannte der 37-jährige Texaner, der im kommenden Jahr nach dreijähriger Abstinenz ein Comeback plant, befürchtete Querelen in Frankreich.
„Jeder kennt die Wichtigkeit des Rennens“, meinte Armstrong, „aber die Probleme, die ich mit Organisatoren, Journalisten und Fans habe, könnten meine Mission stören, die Aufmerksamkeit der Welt auf den Kampf gegen Krebs zu lenken.“ Der früher unter Hodenkrebs leidende Armstrong hatte am Montag verkündet, im kommenden Mai erstmals den Giro d'Italia zu fahren (siehe: Radsport: Armstrong startet auch beim Giro d'Italia). Der Veranstalter hatte ihn zum 100-jährigen Bestehen der Italien-Rundfahrt eingeladen. Zweifelhaft blieb dabei die Haltung des Giro-Organisators im Anti-Doping-Kampf (siehe: Doping: Giro stemmt sich gegen Nachtests). Dieser hatte angekündigt, an der Aufarbeitung von Armstrongs Vergangenheit nicht interessiert zu sein. Auch von nachträglichen Analysen der in diesem Jahr genommenen Proben auf den Epo-Nachfolger Cera wollte man in Italien nichts wissen.
Basso: keine Haft vor der Rückkehr
Unterdessen ist der italienische Radprofi Ivan Basso in der norditalienischen Stadt Busto Arsizio zu einer Haftstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Die Strafe wurde in eine Geldbuße von 10.800 Euro umgewandelt, da Basso noch nicht vorbestraft ist. Basso hatte im vorigen Jahr seine Verwicklung in den Skandal um Dopingarzt Eufemiano Fuentes gestanden. Basso hatte nach eigenen Angaben fünf Beutel mit seinem Blut unter dem Codenamen „Birillo“ bei Fuentes deponiert, um sich bei der Tour 2006 zu dopen. Er habe jedoch nie Doping praktiziert.
Daraufhin war er für zwei Jahren gesperrt worden, ab dem 24. Oktober ist er wieder startberechtigt. Zwei Tage später will der frühere Giro-Sieger für sein neues Team Liquigas in Japan erstmals wieder ins Renngeschehen eingreifen. Basso erschien bei der Urteilsverkündung nicht vor Gericht.
Glückwunsch an die Firma Gerolsteiner
Leopold Merz (leomerz)
- 14.10.2008, 16:43 Uhr