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Radsport Familientreffen mit Schönheitsfehlern

28.09.2009 ·  UCI-Präsident Pat McQuaid darf weiterregieren und malt seinen Radsport in brillanten Farben. Neue Wettbewerbe, längere Weltmeisterschaften, Erziehungsprogramme für Rennfahrer. Doch das Bild ist nicht ungetrübt.

Von Rainer Seele, Mendrisio
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Pat McQuaid war allein auf weiter Flur, er fühlte sich sehr wohl dabei. Der Ire musste sich mit keinem Rivalen auseinandersetzen, brauchte keine Eigenwerbung zu betreiben, er darf nun seine Regentschaft im internationalen Radsport weitere vier Jahre fortsetzen. Gleich nach dem Kongress des Internationalen Radsportverbandes (UCI) im Tessin verkündete der wiedergewählte Präsident zufrieden, dass es Fortschritte im Radsport gebe, in vielerlei Hinsicht. McQuaid verwies auf das Engagement neuer Sponsoren.

Er findet auch, dass die Globalisierung des Sports voranschreitet, demnächst sollen auch in Kanada ProTour-Rennen veranstaltet werden. Und natürlich sieht der Ire Erfolge im Kampf gegen Doping, die UCI legt sich dabei nach Ansicht ihres ersten Mannes ja mächtig ins Zeug, beispielsweise mit 14.000 Kontrollen in diesem Jahr – mehr, sagte McQuaid, könne man nicht tun. Und ist es nicht ein gutes Zeichen, dass es bei der Tour de France 2009 keinen einzigen positiven Doping-Fall gegeben hat? Für McQuaid ist in diesem Fall nur diese Antwort zulässig: dass der Radsport nämlich wirklich konsequent gegen das Übel vorgeht.

Störfälle auch anderswo - zum Beispiel bei den Deutschen

Tatsächlich hätte es wieder mal ein schönes Familientreffen werden können im Tessin, wo der Radsport fast eine Woche lang im Blickpunkt stand mit seinen Straßen-Weltmeisterschaften. Und wo McQuaid im Schlussbogen der Saison eine Bilanz vorlegte, die ihn mit Genugtuung zu erfüllen schien. Aber die schönen Pläne der UCI sind auch diesmal wieder durchkreuzt worden, und vermutlich dürfte es für sie kaum ein Trost gewesen sein, dass Störfälle auch anderswo auftauchten.

Etwa im Lager des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), wo Sportdirektor Burckhard Bremer seinen Rücktritt angeboten haben soll, nachdem die Allgäuerin Sarah Düster wegen eines Meldefehlers nicht bei der WM hatte starten können. Das sei doch gar nicht ernst gemeint gewesen, entgegnete am Sonntag in Mendrisio BDR-Vizepräsident Udo Sprenger. Das bezog sich auf Bremers vermeintliche Äußerung über seine Zukunft und selbstredend nicht auf den Fauxpas um die bedauernswerte Sarah Düster. Immerhin stellte Sprenger „offizielle Entschuldigungen“ in Aussicht. Irgendwie passte dieser Vorfall zum Auftreten des BDR im Tessin, wo es für die Deutschen lediglich eine geringe Ausbeute gab durch die dritten Plätze der Zeitfahrer Patrick Gretsch und Tony Martin.

Eine Crux mit den Italienern

Seltsame Erscheinungen also im Radsport: Da wird eine Fahrerin durch die Unachtsamkeit eines Verbandes gestoppt, gegen einen umstrittenen Profi wie Alejandro Valverde hingegen können die Radsportfunktionäre angeblich nichts unternehmen. Am Samstag hatte McQuaid noch einmal bekräftigt, dass der Spanier vorläufig freie Fahrt habe, obwohl er doch im Mai in Italien wegen seiner Verbindung zum spanischen Doping-Geflecht für zwei Jahre gesperrt wurde.

Nichts zu machen, behauptete McQuaid, keine Möglichkeit, den Spanier zu bremsen, weil er ja auch gar nicht genau wisse, wie das Nationale Olympische Komitee Italiens sein Urteil im Fall Valverde begründete. Zwar hat die UCI sich um Informationen bemüht, aber das ist halt eine Crux mit den Italienern: Sie ließen, wie McQuaid sagte, der UCI nicht alle Dokumente über diese Affäre zukommen. Abwarten demnach, wie der Internationale Sportgerichtshof in Sachen Valverde entscheidet, das soll noch in diesem Jahr geschehen.

Ernste Mienen, erfreuliche Mitteilungen

Nicht, dass der UCI-Chef sich nicht um Klarheit bemühen möchte, er ist angeblich sehr umtriebig, McQuaid entwirft selbst immer wieder dieses Bild. So ist der Ire vor wenigen Wochen erst nach Kasachstan gereist, schließlich ist die Lage um das Team Astana, dem sich der Doping-Sünder Alexander Winokurow wieder angeschlossen hat, undurchsichtig. Winokurow war auch in Mendrisio angetreten, im Zeitfahren am Donnerstag wurde er Achter. Ob sein Rennstall jedoch eine ProTour-Lizenz für die kommende Saison erhält, ist ungewiss. Die bisherigen Strukturen der Equipe – vermutlich auch in ethischer Hinsicht – hält die UCI für unzureichend. McQuaid beschrieb die Situation am Samstag in Mendrisio mit ernster Miene.

Wenigstens glaubte er, in Mendrisio doch auch Erfreuliches mitteilen zu können – zum Beispiel die Ausdehnung der Weltmeisterschaften auf mehr als eine Woche. Das gilt erstmals 2012 in der niederländischen Region Limburg, ein richtiges Fest soll das werden, mit neuen Wettbewerben und selbstverständlich mit neuen Einnahmequellen für die UCI und die Ausrichter. Und es gibt sogar eine Innovation in der Doping-Problematik: Die UCI legte gerade ein Programm auf, das eine erzieherische Wirkung auf die Rennfahrer ausüben soll. Das Konzept trägt den Titel „True champion or cheat?“ – „Wahrer Meister oder Betrüger?“. Man kann somit gewiss nicht sagen, dass die UCI nicht mit der Zeit ginge: Die Überschrift ließ sich sehr gut auch auf den vermeintlichen WM-Höhepunkt am Sonntag in Mendrisio münzen.

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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