26.02.2007 · Ob er wirklich viel zu sagen haben wird? Jan Ullrich scheint zumindest doch viel reden zu wollen Über Vergangenes angeblich und natürlich auch über seine Zukunft. Fragen sind nicht zulässig. Am Abend bei Beckmann wird dies vermutlich anders sein.
Ob er wirklich viel zu sagen haben wird? Jan Ullrich scheint zumindest doch viel reden zu wollen an diesem Montag. Über Vergangenes angeblich und natürlich auch über seine Zukunft. Man wird ihn mittags im Ballsaal eines Hamburger Hotels erleben und abends in einer Fernsehsendung, als Gast von Reinhold Beckmann. Das ist das Geschäft: sich noch einmal präsentieren und sich womöglich auch rechtfertigen an einem Tag, an dem Ullrich wahrscheinlich das Ende seiner Laufbahn als Radprofi bekanntgeben wird. Erst in einem Monolog, später - bei Beckmann - wird er vermutlich doch Fragen zulassen. Wäre ja sonst eine sehr kuriose Begegnung mit dem TV-Mann.
Noch ist offen, wie sich der 33 Jahre alte Ullrich künftig betätigen wird. Noch immer wird gemutmaßt, dass er sich für das Team Volksbank aus Österreich engagieren könnte, für eine zweitklassige Mannschaft des Radsports. Nicht als Radrennfahrer, sondern vielleicht als Mitglied der Teamleitung. „Interesse“, sagen die Österreicher, „hätten wir auf jeden Fall.“ Obwohl vieles noch ungeklärt ist in der Causa Ullrich, obwohl die Ermittlungen der Bonner Staatsanwaltschaft weitergehen, obwohl auch die Schweizer Anti-Doping-Kämpfer die Akte Ullrich noch nicht schließen wollen - und obwohl nun auch in Spanien wieder Bewegung in den Fall Ullrich gekommen zu sein scheint.
„Juristische Nebelkerzen“
Nach Berichten der Madrider Zeitung „El País“ jedenfalls ist der Weg für einen möglichen DNA-Abgleich mit dem Blut, das bei dem Mediziner Eufemiano Fuentes gefunden wurde und Ullrich zugerechnet wird, jetzt frei. Der Nationale Gerichtshof Spanien hat nach Informationen von „El País“ einen entsprechenden Einspruch der Anwälte Ullrichs abgelehnt. Der des Dopings verdächtigte Rostocker hatte ihn bereits zum Jahresende in Spanien einlegen lassen, um damit gegen ein Rechtshilfeersuchen der deutschen Justiz vorzugehen. Genauso waren seine Rechtsbeistände verfahren, um die Weitergabe einer Speichelprobe der Schweizer Behörden zu blockieren, die Ullrich im Vorjahr im Abschluss an eine Hausdurchsuchung abgeben musste. Immerhin hatte sich Ullrich einem solchen Test noch einmal freiwillig Anfang Februar in Konstanz unterzogen, um angeblich Aufklärungsbereitschaft zu signalisieren. Allerdings schien das wertlos - bis jetzt.
Die Aktivitäten von Ullrichs Anwälten wurden von Jörg Schindler von der Bonner Staatsanwaltschaft als „juristische Nebelkerzen“ bezeichnet. Der geplante Abgleich der DNA sei laut Schindler ein „entscheidendes Glied der Indizienkette“. Die Staatsanwaltschaft machte deutlich, dass die Untersuchungen durch den möglichen Rückzug Ullrichs vom aktiven Radsport nicht tangiert seien.
„Ungehemmte Behördenwillkür“
Die Anwälte Ullrichs hatten Einspruch gegen die Weitergabe der Blutbeutel aus Madrid erhoben, weil dies nach ihrer Ansicht die Grundrechte ihres Mandanten verletzen würde. Der Nationale Gerichtshof entschied jedoch, dass die Proben nach Deutschland geschickt werden dürfen. Er verwies bei seiner Entscheidung auf die europäischen Rechtshilfeabkommen. Der spanische Ermittlungsrichter Antonio Serrano hatte die Überstellung nach Bonn längst bewilligt - durch seinen Urlaub war es aber offensichtlich zu Kompetenzstreitigkeiten in Madrid gekommen.
„Die Nutzung der Ermittlungen gegen die spanischen Ärzte zu verfahrensfremden Zwecken ist skandalöser Ausdruck ungehemmter Behördenwillkür. Die Berichte der Guardia Civil enthalten eine bunte Mischung aus haltlosen Behauptungen, Mutmaßungen und Verdächtigungen. Sie sind rechtswidrig erstellt, rechtswidrig verbreitet und bewusst verfälschend interpretiert worden.“ Mit diesen Worten hatte Ullrich- Anwalt Ulrich Theune den jetzt abgewiesenen Einspruch gegen das Rechtshilfe-verfahren begründet.
Ullrich beteuert Unschuld
Die spanische Polizei hatte das Dopingnetzwerk um die mutmaßlichen Schlüsselfigur Fuentes im Mai 2006 zerschlagen. Im Zuge der folgenden Ermittlungen tauchten Indizien gegen 51 Radprofis, darunter Ullrich, auf. Deshalb wurden ihm und acht weiteren Profis der Start zur Tour de France im Vorjahr verweigert. Zwei Tage vor Tour-Ende wurde Ullrichs Vertrag mit dem Rennstall T-Mobile wegen Dopingverdachts fristlos gekündigt. Fast alle 51 Verdächtigen, auch Giro-Gewinner Ivan Basso, fahren inzwischen wieder Rennen.
Ullrich ist der Einzige von ihnen, dem neben einem Sportgerichtsverfahren in der Schweiz ein Strafgerichtsprozess droht. Allerdings behauptete Ullrich, Sieger der Tour de France von 1997, stets, unschuldig zu sein. Für den Fall, dass der DNA-Abgleich Übereinstimmung bringt, hat sich Ullrichs Manager Wolfgang Strohband offenbar schon eine Verteidigungstaktik zurechtgelegt: „Das wäre längst kein Beweis von Manipulation. Jeder Bürger darf von sich Blutreserven anlegen lassen.“
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gisbert heimes (gisbert4)
- 26.02.2007, 12:15 Uhr