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Radsport Der Tod des Masseurs

05.09.2010 ·  Die Spanien-Rundfahrt hat ihren Trauerfall - und der britische Rennstall Sky steigt bei der Vuelta aus. Einer seiner Mitarbeiter stirbt an einer bakteriellen Infektion. Das Rennen dominieren die zeitgleichen spanischen Kletterer Igor Antón und Joaquim Rodríguez.

Von Paul Ingendaay, Madrid
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Die 75. Spanien-Rundfahrt hat ihren Trauerfall. Txema González, Masseur des britischen Teams Sky, starb am Freitag in einem Krankenhaus in Sevilla an einer bakteriellen Infektion, die mehrere Tage hinweg nicht diagnostiziert worden war. Zugleich erkrankten drei Fahrer desselben Teams an einer Virusinfektion. Der Teammanager Dave Brailsford sagte, der Todesfall des Masseurs und die Erkrankung der Fahrer stünden in keinem Zusammenhang. Die Beschwerden von John Lee Augusty, Ben Swift und Juan Antonio Flecha könnten auf eine Salmonelleninfektion zurückgehen, die im Hotel durch den Verzehr von schlechtem Fleisch, Fisch oder Milch ausgelöst wurde. Flecha, der zuletzt Erkrankte, hatte die Nacht vor seinem letzten Renntag bis morgens um drei Uhr im Krankenhaus verbracht und konnte die siebte Etappe wegen schwindender Kräfte nicht beenden.

Der am Freitag gestorbene Txema González hatte vor seiner Zeit bei Sky acht Jahre lang als Masseur für Euskaltel und danach für das Team von Saunier Duval gearbeitet, das bei der Tour de France 2008 wegen Dopings disqualifiziert wurde. Schon beim Zeitfahren in Sevilla, sechs Tage vor seinem Tod, verspürte der Masseur starke Halsschmerzen, die ihn zwangen, sich untersuchen zu lassen. Während seine Fahrer und die Vuelta sich in Richtung Alicante bewegten, ging der Dreiundvierzigjährige zweimal ins Krankenhaus, ohne dass die Untersuchungen einen ernsthaften Befund ergeben hätten. Als sich sein Gesundheitszustand am Mittwoch deutlich verschlechterte, suchte González auf Anraten eines Freundes ein anderes Krankenhaus auf, wo eine bakterielle Infektion diagnostiziert wurde.

Der Streptokokkeneinfall in den Blutkreislauf des Kranken war jedoch schon erfolgt und löste eine Gesamtinfektion (Septikämie) aus, gegen die Antibiotika machtlos sind. Als der Italiener Alessandro Petacchi (Team Lampre) am Freitagabend als Sieger durchs Ziel fuhr und damit seinen insgesamt zwanzigsten Etappensieg bei einer Vuelta errang, hatte sich die Todesnachricht bereits herumgesprochen.

Am Samstagmorgen, vor dem Start nach Xorret del Catí, wurde eine Schweigeminute abgehalten. Das Sky-Team zog sich mit seinen sechs verbliebenen Fahrern aus Gründen des Respekts und der Trauer aus der Vuelta zurück. Dies sei die einzig mögliche Entscheidung gewesen, sagte Manager Brailsford. Vor der Abreise unterzog sich die gesamte Mannschaft von Sky Blut- und Speichelanalysen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Im Zeichen der spanischen Kletterer

Die achte Etappe stand abermals im Zeichen der spanischen Kletterer Igor Antón (Euskaltel) und Joaquim Rodríguez (Katjuscha), die am Samstagabend in der Gesamtwertung auf die Sekunde gleichauf lagen. Die Führenden ließen den späteren Etappensieger David Montcoutié und andere Fahrer entwischen und bewachten einander. Wer am meisten für die Führung in der Gesamtwertung tat, war der aggressive Joaquim „Purito“ Rodríguez. Gegenüber Antón machte er zehn Sekunden gut, doch da der Katalane bei seinem Team wenig Unterstützung fand, reichte es am Ende nur zum Gleichstand.

Trotz seiner überzeugenden Leistung hatte Rodríguez Grund zur Klage. Wegen eines außergewöhnlichen Massensturzes auf dem zehnten Kilometer wurde ein Sprint auf Kilometer 17, bei dem Rodríguez seinem Konkurrenten zwei Sekunden abjagte, nicht gewertet. Dieser besaß den Sportsgeist, das Rote Trikot des Führenden seinem Konkurrenten Rodríguez zu wünschen. Die offizielle Wertung wollte es anders. „Nicht, dass es mir nicht gefiele“, sagte Antón, „natürlich gefällt es mir.“ Und er stellte sich im Roten Trikot aufs Podium und empfing den Blumenstrauß des Führenden. Neben den beiden Spaniern, die den Abstand zur Konkurrenz bei den kommenden Bergwertungen vergrößern wollen, hat sich auch der Italiener Vicenzo Nibali als Titelkandidat etabliert. Die achte Etappe brachte ihm dem dritten Platz in der Gesamtwertung mit nur zwei Sekunden Rückstand auf das Führungsduo.

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Jahrgang 1961, Feuilletonkorrespondent für Spanien und Portugal mit Sitz in Madrid.

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