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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Radsport Der Marathon-Mann am Ende des Weges

 ·  Der derzeit erfolgreichste noch aktive Radprofi tritt zurück: Erik Zabel wird nach einem Rennen in Münster am 3. Oktober seine Karriere beenden - nach 16 Jahren, rund 200 Siegen und sechs Grünen Trikots bei der Tour de France. Seine sportliche Vita hat allerdings auch einen Makel.

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Er ist schon immer eine Art Marathon-Mann des Radsports gewesen. Rastlos unterwegs, gierig nach Training, nach Rennen, nach Kilometern, nach Erfolgen und Anerkennung. In diesem Jahr ist Erik Zabel noch einmal gefahren, als gäbe es für ihn kein Morgen als Radprofi mehr, und tatsächlich kommt nun auch das Ende.

Am Freitag verkündete Zabel in Varese offiziell, dass Schluss sein wird nach dieser Saison, dass er ein neues Leben beginnen möchte. Der Berliner, der mit seiner Familie in Unna sesshaft geworden ist, steigt vom Rad. Er hat diesen Entschluss bereits im Juli gefasst, unmittelbar nach der Tour de France. „Ich gehe als Freund des Radsports“, sagte Zabel in Varese, er wirkte dabei gelöst. Er wird seinem Metier in anderer Funktion erhalten bleiben, jedoch vorläufig noch nicht in vorderer Reihe: Zabel erzählte, dass er künftig als Botschafter und Berater für zwei Radsportfirmen tätig sein werde.

„Ich hatte in diesem Jahr viel Spaß am Radsport“

Ein Mann und seine Rennmaschine: Zabel, häufig kurz „Ete“ genannt, hat in diesem Jahr seiner Leidenschaft noch einmal ausgiebig gefrönt. Er nahm am Giro d'Italia teil, an der Tour de France, er bestritt die Spanien-Rundfahrt. Zabel wird an diesem Sonntag bei der Weltmeisterschaft in Varese auch noch einmal für Deutschland in die Pedale treten. Große Chancen kann er sich nicht ausrechnen, aber Zabel wird das kaum stören, er wird sich bemühen, den Tag trotz allem zu genießen.

„Ich hatte in diesem Jahr viel Spaß am Radsport und konnte auf Augenhöhe mit der internationalen Konkurrenz fahren“, sagte er am Freitag. „Ich weiß nicht, ob das in einer weiteren Saison noch möglich wäre, und denke, dass dies daher der richtige Moment ist, um aufzuhören.“ Der 38 Jahre alte Rennfahrer, Profi seit 1993, hat ein beachtliches sportliches Werk zustande gebracht Als Sprinter, aber auch als ein Mann, der sich bei den Frühjahrsklassikern zu behaupten wusste - und in den Bergen.

Zabel wurde zum Allrounder

Er entwickelte sich zu einem Allrounder, allerdings blieb ihm in den vergangenen Jahren häufig nur der zweite Platz, er war ja doch ein bisschen langsamer geworden. Zabel musste lernen, damit zurechtzukommen; kein einfacher Prozess. Aber letztlich konnte er sich doch damit trösten, niemandem mehr etwas beweisen zu müssen, er hatte genug Trophäen gesammelt und insgesamt etwa 200 Siege. Sechsmal holte Zabel das Grüne Trikot bei der Tour de France, er entschied zwölf Tour-Etappen für sich, er war viermal der Beste bei Mailand - San Remo, wo er sich stets besonders wohl gefühlt hatte.

Über seinen Abschied war seit längerem spekuliert worden, Zabel selbst hatte einige Hinweise darauf gegeben. Gleichwohl hatte das Team Milram sich vor diesem Freitag zu seiner Zukunft nicht äußern wollen. Allerdings trieb der Rennstall seine Personalplanungen vehement voran, und es war abzusehen, dass für Zabel in diesem Team kein Platz mehr als Rennfahrer sein würde. Teamchef Gerry van Gerwen rüstet mächtig auf, er will der Equipe ein deutsches Gesicht geben - sie wird nach dem Rückzug des Teams Gerolsteiner die einzige erstklassige deutsche Profi-Gemeinschaft sein. Und vermutlich wird der Pulheimer Gerald Ciolek Zabels Nachfolger als Sprintspezialist sein; dass der aufstrebende Profi ebenso wie Linus Gerdemann von Columbia zu Milram wechseln wird, gilt als sicher.

Stets im Schatten von Ullrich

Zabel ist ein Motor für den deutschen Radsport gewesen, er war auch volksnäher als beispielsweise Jan Ullrich, in dessen Schatten er bei T-Mobile stets stand. Ullrich hatte nach schweren Doping-Anschuldigungen 2007 seinen Rücktritt erklärt. Der Rostocker wies stets alle Doping-Vorwürfe zurück, Zabel hingegen legte im Mai 2007 ein Doping-Geständnis ab: In der Zentrale der Deutschen Telekom in Bonn redete er an der Seite von Rolf Aldag unter Tränen über sein Vergehen. Zabel sagte nach langen Jahren des Schweigens, dass er vor der Tour 1996 auf Epo zurückgegriffen habe. Zabel äußerte sich allerdings erst unter dem Druck der Ereignisse, und er redete auch nur über Verjährtes. Eine heikle Angelegenheit, nicht jeder mag glauben, dass Zabels Beichte vollständig gewesen ist.

Das ist der Makel in seiner sportlichen Vita. Das Publikum schien Zabel zu verzeihen, es feierte ihn an den Strecken wie ehedem, und der Berliner konnte nach angeblich harten Diskussionen auch bei Milram bleiben. Natürlich pries das Team ihn noch einmal. Martin Mischel, Vorstandsmitglied der Nordmilch AG, sprach von einem „großartigen Sportler“. Und er sagte, dass Zabel Rahmenbedingungen für einen Neuanfang im Radsport hinterlasse.

„Den Radsport wird es künftig auch geben, die Frage ist nur, ob mit oder ohne Deutschland.“

Zabel sieht das ähnlich, unlängst jedenfalls beschrieb er die Ereignisse von 1996 und 2007 so: „Da sind wir uns einig, dass das nicht besonders schön war, was damals passiert ist. Und dass ich in den folgenden Jahren die Unwahrheit gesagt habe, war natürlich auch nicht schön. Das sind Fehler, die ich mir anlaste. Ich habe versucht, mein Bedauern und meine Entschuldigung zum Ausdruck zu bringen. Das war im Allgemeinen ein Schritt, der zur Aufarbeitung der Vergangenheit beitragen könnte.“

Er ist überzeugt davon, dass der Radsport, an den er auch seinen Sohn Rik heranführen konnte, die Skandale überwinden wird. „Den professionellen Radsport gibt es seit über 100 Jahren. Ihn gibt es, und ihn gab es mit und ohne Deutschland. Deutschland ist ein interessanter und großer Markt für den Radsport - aber ohne uns zu wichtig zu nehmen: Den Radsport wird es künftig auch geben, die Frage ist nur, ob mit oder ohne Deutschland.“

Zabel wird sich beispielsweise noch einige Male auf der Bahn präsentieren, beim Sechstagerennen. Dort lässt sich gutes Geld verdienen, und Zabel ist eine Galionsfigur auch für diese Branche. Seine letzte Vorstellung auf der Straße gibt er bei Paris-Tours am 12. Oktober. Der Schlussakt in Deutschland ist am 3. Oktober geplant, beim Münsterland-Giro. Ein passendes nationales Finale, wie es scheint, für Zabel, den Arbeiter im Sattel.

Stationen der Karriere von Erik Zabel:

1983: Aufnahme in die Kinder- und Jugendsportschule des TSC Berlin

1987: erste internationale Medaille als Dritter bei der Junioren-WM mit dem Bahnvierer der DDR

1989: erster Erfolg bei den Amateuren als DDR-Meister mit dem Bahnvierer des TSC Berlin

1990: erster Sieg in einem Mehretappenrennen bei der Ardennen-Rundfahrt

1991: Wechsel zum RC Olympia Dortmund

1992: Platz vier im Straßenrennen bei den Olympischen Spielen in Barcelona, Wechsel ins Profilager zu Union Fröndenberg

1993: Wechsel zum Team Telekom, Etappensieg bei Tirreno-Adriatico

1994: erster Sieg in einem Weltcuprennen bei Paris-Tours

1995: erste Etappensiege bei der Tour de France in Charleroi und Bordeaux (insgesamt 12 Tour-Etappensiege)

1996: erstmals Gewinn des Grünen Trikots bei der Tour de France (insgesamt sechsmal), Tour-Etappensiege in Nogent-sur-Oise und Gap

1997: erster Sieg beim Klassiker Mailand-San Remo (insgesamt vier), Tour-Etappensiege in Plumelec, Bordeaux und Pau, Gewinn des Grünen Trikots

1998: erstmals Gewinn der deutschen Meisterschaft (insgesamt zweimal), Sieg bei Mailand-San Remo, Gewinn des Grünen Trikots

1999: Gewinn des Grünen Trikots

2000: Weltcup-Gesamtsieger mit Erfolgen bei Mailand-San Remo und Amstel Gold Race, Tour-Etappensieg in Troyes; Gewinn des Grünen Trikots

2001: Sieg bei den Weltcuprennen Mailand-San Remo und Hamburg Cyclassics, Tour-Etappensiege in Boulogne, Seraing und Evry, Gewinn des Grünen Trikots, Drei Etappensiege bei der Spanien-Rundfahrt, Wahl zu Deutschlands Sportler des Jahres 2001, Weltranglistenerster (insgesamt 95 Wochen in den Jahren 2001-2004)

2002: Tour-Etappensieg in Alencon, Erstmals Gewinn des Punkttrikots bei der Spanien-Rundfahrt (insgesamt zweimal), WM-Dritter im Straßenrennen

2003: Gewinn der deutschen Meisterschaft, Sieg beim Weltcuprennen Paris-Tours, Zwei Etappensiege und Gewinn des Punkttrikots bei der Spanien-Rundfahrt

2004: Platz vier im Straßenrennen bei den Olympischen Spielen in Athen, WM-Zweiter im Straßenrennen

2005: Sieg beim deutschen Klassiker Rund um den Henninger Turm in Frankfurt, Sieg beim letzten Rennen im Magenta-Trikot bei Paris-Tours nach 13 Jahren bei Telekom (1993-2003) und T-Mobile (2004/2005)

2006: Erster Sieg im Milram-Trikot bei der Bayern-Rundfahrt, zwei Etappensiege bei der Vuelta, unter anderem das Schlussstück nach Madrid. WM-Zweiter in Salzburg

2007: Doping-Geständnis am 24. Mai in Bonn („Für 256 Mark EPO ausprobiert“), Etappensiege bei der Bayern-Rundfahrt, der Tour de Suisse, der Deutschland-Tour und der Vuelta

2008: Etappensieg bei der Valencia-Rundfahrt, 14. Tour-Teilnahme, Karriereende nach 16 Profijahren Mit 201 Siegen ist Zabel der erfolgreichste noch aktive Straßenradsportler und mit 12 Tour-Etappensiegen deutscher Rekordhalter bei der Frankreich-Rundfahrt. Er ist verheiratet mit Cordula, Vater eines Sohnes (Rik) und wohnt in Unna.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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